Blog Filip Kolek am 28. Dezember 2019

Zwischen-den-Jahren-Interviews IV: Guillermo Corral

Heute und morgen wird es abenteuerlich bei den Zwischen-den-Jahren-Interviews! Wir lassen heute den spanischen Diplomaten Guillermo Coral, den Autor des Archäologie-Thrillers „Der Schatz der Black Swan”, zu Wort kommen. Und morgen den spanischen Comicstar Paco Roca, der anhand von Corrals Skript diesen wunderbar altmodischen Abenteuer-Comic gezeichnet hat. „Der Schatz der Black Swan” basiert auf dem tatsächlichen “Black Swan Project”-Fall, die Bergung einer 1804 gesunkenen, mit Gold beladenen spanischen Fregatte durch ein US-Schatzsucher-Unternehmen und die anschließende Jahre lange gerichtliche Auseinandersetzung zwischen Spanien und den Schatzjägern. Guillermo Corral war als spanischer Diplomat in den USA an der vordersten Front des Gerichtsstreits. Im Interview spricht er mit uns über den reellen Fall und die fiktionalisierte Comicversion. Viel Spaß dabei!

Danke, dass du dir für dieses Interview Zeit genommen hast. Bevor wir mit Fragen über „Der Schatz der Black Swan” anfangen, könntest du uns ein bisschen von dir erzählen? Wie kamst du zum Schreiben und welche Rolle spieltest du in dem Gerichtsfall rund um das Black-Swan-Projekt?

Ich arbeite vorrangig als Diplomat, aber ich in bin auch als Autor tätig. Das bedeutet, ich sehe Dinge oft auch aus einer literarischen Perspektive. Als der Fund der Black Swan 2007 bekanntgegeben wurde, fing ich gerade an, als Berater für das Spanische Kulturministerium zu arbeiten. Von diesem Moment an war ich auf unterschiedliche Weisen in den Fall involviert, erst in Madrid bis 2010 und dann als Kulturattaché in der Spanischen Botschaft in Washington DC. Schließlich, nachdem wir den Rechtsstreit gewonnen haben, war ich es, der die Rückgabe und den Transfer des Schatzes nach Spanien organisierte. Damals machte ich einfach nur meinen Job aber ich kam nicht umhin zu denken, dass das gutes Material für ein Buch oder einen Film wäre.

Obwohl die Geschichte sich um Bergungsrechte dreht, hat sie viel gemeinsam mit einem politischen Thriller, mit verdeckten Drohungen, Korruption und mehr als nur ein paar dramatischen Momenten. Hast du jemals befürchtet die Geschichte könnte „ausgedacht” wirken?

Wer hat gesagt, da wäre etwas ausgedacht? Scherz beiseite, offensichtlich ist die Geschichte ein Abenteuer und keine Dokumentation. Wir fühlten uns frei, die Erzählung dementsprechend anzupassen. Trotzdem ist sie ziemlich nah an dem, was tatsächlich passiert ist. Manche Dinge sind ausgedacht, aber nicht unbedingt die unwahrscheinlichsten. Ich überlasse so etwas gern den Lesenden, weil es so einfach mehr Spaß macht.

Der Name „Indiana Jones“ wird auf den ersten Seiten erwähnt und an ihn denken vermutlich die meisten, wenn sie von Archäologen oder Schatzsuchern hören. Inwieweit unterscheidet sich diese Wahrnehmung von Helden von der Realität?

Paco und ich lieben das Flair klassischer Abenteuergeschichten. Auf der anderen Seite haben diese wenig mit der Realität zu tun. Sowohl ernsthafte Archäologie als auch Schatzsuche hat viel mehr mit Recherche zu tun als mit abenteuerlichen Erkundungen. Was jedoch bleibt ist die Aufregung der Entdeckung.

Die Relevanz von und der richtige Umgang mit Kulturgütern sind ein zentrales Thema in eurem Buch. War dies für dich ein persönliches Anliegen?

Auf jeden Fall. Schließlich sind Kulturgüter Zeugen unserer eigenen Geschichte. Man sollte sie nicht missachten oder vermarkten, als wären sie alltägliche Konsumgüter.

Der Fall der Black Swan zog sich über Jahre und erhielt internationale Aufmerksamkeit. Jetzt wo der Schatz wieder in Spanien ist, was glaubst du, werden die Folgen dieser Gerichtsverhandlungen sein, sowohl in juristischer als auch in kultureller Hinsicht?

In juristischer Hinsicht wurde ein wichtiger Präzedenzfall für die Regulation der Aktivitäten von Schatzsuchern geschaffen. Firmen müssen mittlerweile viel vorsichtiger sein und mit Regierungen zusammenarbeiten und nicht einfach ihr eigenes Ding machen wie moderne Piraten. In kultureller Hinsicht wurde zumindest in Spanien das Interesse an Unterwasser-Archäologie wieder geweckt. Heutzutage haben wir dafür ein nationales Zentrum und einen Aktionsplan, was es beides vor dem Fall nicht gab.

Gab es einen bestimmten Moment während der Verhandlungen um das Black-Swan-Projekt, der dich dazu inspirierte „Der Schatz der Black Swan“ zu schreiben?

Zum ersten Mal in die Schatzkammer in der Hochsicherheitseinrichtung zu kommen war ein sehr besonderer Moment. Wie eine Szene aus einem Film…

Du hast bisher noch nicht für einen Comic geschrieben. Warum wurde „Der Schatz der Black Swan“ als Graphic Novel umgesetzt und welche Beziehung hast du zu dem Medium?

Ich bin ein sehr visueller Mensch. Selbst wenn ich schreibe, denke ich oft zuerst in Bildern. Außerdem bin ich schon seit meiner Kindheit ein begeisterter Comicleser. Diese Geschichte mit versunkenen Schätzen, modernen Piraten und Spionen hat alle Elemente eines Comics meiner Kindheit, vor allem „Tim und Struppi”. Einen Comic zu schreiben war daher von Anfang an eine klare Entscheidung.

Paco Roca hat schon mehrere selbst verfasste Graphic Novels veröffentlich, in denen es sowohl um persönliche als auch politische Geschichten geht. Wie kam es zu eurer Kooperation?

Wir trafen uns in Washington DC. Ich war für das spanische Kulturprogramm zuständig und wir luden Paco ein, seine Arbeit dort vorzustellen. Wir verstanden uns vom ersten Moment an und als ich ihm erzählte, ich hätte eine gute Geschichte für eine Graphic Novel, zeigte er sich interessiert. Ich schickte ihm einen ersten Entwurf und er mochte ihn. Von da an war unsere Kooperation ziemlich einfach.

Gab es etwas, dass dich am für Comics schreiben oder an der Zusammenarbeit mit einem Künstler besonders überrascht hat?

Tatsächlich waren wir beide überrascht, wie einfach es war, zusammenzuarbeiten. Paco ist ein großartiger Künstler und Erzähler. Wir verstanden uns blendend, und letztlich fühlen wir uns beide zu 100% verantwortlich für das ganze Buch. Es war eine große Freude und ein wahres Abenteuer.

Das Interview führte Jonathan Büning. Übersetzt wurde es von Andrea Cisnado.