Blog Filip Kolek am 29. Juli 2021

“Wie auf unsichtbaren Wogen” – Frederik Peeters (“Sandburg”) im Interview

Seit heute ist er in den Kinos: M. Night Shyamalans “Old” nach dem düster-beklemmenden Comic “Sandburg” von Frederik Peeters und Pierre Oscar Lévy, der 2013 auf Deutsch bei Reprodukt erschienen ist. Zum Filmstart präsentieren wir euch das zweite der beiden Interviews mit dem “Sandburg”-Team, das wir für unseren Blog geführt haben. Gestern kam Filmemacher und “Sandburg”-Autor Pierre Oscar Lévy zu Wort, der verriet, dass er “Sandburg” vor Jahren selbst als Filmprojekt konzipiert hatte. Heute bringen wir das Interview mit Zeichner Frederik Peeters. Die beiden Interviews führte unsere Praktikantin Marie-Hélène Schmit.

Lieber Frederik, Sie zählen zu den erfolgreichsten Comickünstlern der Schweiz, Ihre Comics werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Hätten Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere vorstellen können, dass Sie so erfolgreich sein würden?

Ich bin mir nicht sicher, was Erfolg bedeutet, oder wie man ihn messen kann. Weil Erfolg so flüchtig ist, gebe ich da nicht viel drauf. Was mich noch eher erreicht, sind die greifbaren Aspekte des Erfolgs: Wie viele Bücher haben sich verkauft? Was schreibt die Presse über mein neues Buch? Mein Ziel war es, von meinen Büchern leben zu können, so habe ich mein Leben organisiert, und die Tatsache, dass ich das geschafft habe, begreife ich als große Chance. Aber das Wichtigste ist das Vergnügen am Zeichnen und das Träumen, die Möglichkeit aus nichts Welten zu erschaffen.

Sandburg“ – nach einem Szenario von Pierre Oscar Lèvy – ist schon vor über 10 Jahren erschienen. Wie kam es zu diesem Projekt?

Pierre Oscar kam Anfang der Nuller Jahre auf mich zu. Er hatte mein Buch „Blaue Pillen“ gelesen und wollte es verfilmen. Aus dem Projekt ist schlussendlich nichts geworden, aber im Zuge unserer Zusammenarbeit reichte er mir ein Skript weiter, das mehr was von einem Filmdrehbuch als einem Comicszenario hatte. Ich fand den Grundgedanken von „Sandburg“ faszinierend und wollte mich an der Geschichte ausprobieren. Ich habe ein paar Dinge geändert, vor allem das Ende, aber alles in allem habe ich den Plot zeichnerisch so umgesetzt, wie er ihn geschrieben hatte.

Ihr Stil passt perfekt zur Geschichte, und er trägt zur dunklen und unheilschwangeren Stimmung bei. Jetzt wird „Sandburg“ verfilmt: „Old“ unter der Regie von M. Night Shyamalan.

Ich fühle mich natürlich sehr geschmeichelt und freue mich darauf, den Film zu sehen. Was ich besonders interessant finde, ist dass das Buch wie auf unsichtbaren Wogen seinen Weg zu ihm gefunden hat – ohne Marketing, ohne Literaturagenten, ganz außerhalb der digitalen Welt, langsam. Nicht als PDF zum schnellen Drüberfliegen, sondern als tatsächliches Buch, das er als Geschenk erhalten hat. Allein diese Tatsache macht den Film für mich zu etwas Besonderem und verleiht ihm Bedeutung.

Was macht für Sie gute Adaption aus? Was sind die Fallstricke, die es zu vermeiden gilt?

Das muss ich passen. M. Night Shyamalan ist ein Filmemacher, der die Populärkultur geprägt hat wie kein Zweiter. Wer bin ich, dass ich ihm Ratschläge erteilen oder Ansprüche an ihn stellen würde? Ich sehe das so: Manchmal hat man Erfolg, machmal scheitern man. Das wichtigste ist, dass man versucht. Man sollte sich keine künstlichen Grenzen setzen und auf sein Bauchgefühl vertrauen.

Was sind Ihre Erwartungen für den Film? Wünschen Sie sich, dass der Film sich eng an den Plot und die philosophischen Struktur von „Sandburg“ hält, oder könnten Sie auch damit leben, dass sich die Adaption Freiheiten mit Ihrer Geschichte erlaubt?

M. Night Shyamalan kann machen, was er will. Er hat ja die Rechte gekauft. Ich kenne nur den Trailer, mehr nicht. Aber dem Trailer nach zu urteilen, sieht es so aus, als würde er versuchen, durch einen Plottwist eine Erklärung für die mysteriösen Vorgänge auf dem Strand zu liefern. Das passt ja auch zu seinen sonstigen Drehbüchern. Ich kann schon verstehen, dass man in einer teuren US-Produktion keine Geschichte erzählen kann, die ein so nihilistisches und abstraktes Ende hat wie der Comic. Und letztlich ist es doch so: Ein guter Film hilft der Buchvorlage und ein schlechter Film schadet ihr nicht.