Blog Lukas Jantzen am 8. November 2021

Vernissage: Mawil-Werkschau und 30 Jahre Reprodukt in der Galerie Neurotitan

„Kannst du das nochmal an der Fensterbank anbringen?“, sagt er zu mir und hält mir ein Stück Pappe und eine fast leere Rolle Kreppband ins Gesicht. „Du bist doch gut in so was.“ Mein Blick wandert zwischen der Pappe und der Fensterbank hin und her. Säufzend mache ich mich ans Werk, während um mich herum die letzten hektischen Vorbereitungen zur Ausstellung getroffen werden, die in fünf Minuten ihre Türen öffnen soll und ich darüber nachdenke, ob es eigentlich positiv gemeint ist, wenn dem Praktikanten im Comicverlag das Label „gut“ im Fach Klebebandprovisorien verliehen wird. Hätte man das nicht lieber gehört, als es um die letzte Pressemappe ging, die es vorzubereiten galt?! Doch nun knie ich vor einer Fensterbank in Berlin-Mitte und schneide an einem Pappkarton herum.

Seit Dienstag sind wir hier, ein kleine Verlagsgesandtschaft, die sich in Ausstellungsgestaltung versucht und dem erfahrenen Künstler zur Seite steht, der uns Amateuren ins Sachen Galeriebau mit routinierten Handgriffen in den Schatten stellt. Der erfahrene Künstler ist Berliner Comicurgestein Mawil. Gemeinsam wollen wir einen Monat lang die Galerie Neurotitan< im Haus Schwarzenberg (Rosenthaler Straße 39, 10178 Berlin) mit einer 30-Jahre-Jubiläumsausstelung bespielen. Während der Ausstellungsveteran die letzten Tage im vorderen Teil der Galerie gekonnt gebastelt, geklebt und geschnippelt hat, ist hinten regelmäßig Team „Wasserwaage“ mit Team „Pimaldaumen“ aneinander geraten.

Doch irgendwie klappt es jetzt doch: Die letzten Handgriffe sind getan und jemand ruft: „So, ich mache jetzt auf! Die Leute stehen auch schon bis unten in den Hof.“ Ein paar Augenblicke später herrscht munteres Treiben um uns herum und wir sind ein wenig überwältigt, aber vor allem sehr glücklich angesichts der vielen Besucher*innen. Als schließlich der erste Programmpunkt, eine Mawil-Lesung der Neuerscheinungen „Mauer Leiter Bauarbeiter“ und „Die Power-Prinzessinen-Patroullie“ beginnt, drängt sich eine bunte Mischung aus Comicnerds, alten Weggefährten und natürlich Mawil-Fanclub von jung bis alt um die kleine Galerie-Bühne. Niemand scheint bemerkt zu haben, dass eins der Bilder von Nicolas Mahler ein wenig schiefer hängt als die anderen und auch wir beginnen, diesen Auftakt zu genießen. Erstmals können wir uns so richtig über die Ausstellung freuen und über die tollen Programmpunkte, die in den kommenden Wochen folgen werden und zu denen natürlich auch die Leserschaft dieses Blogs herzlich eingeladen ist!