Blog Andrea Cisnado am 29. Juni 2020

Lesetipps für den Sommer: “Die Rückkehr aufs Land” 3

geschrieben von Lea Hübner

Umgeben von Tomaten, Bohnen, Kräutern und Blumen im Herzen der Stadt auf dem Balkon ist “Die Rückkehr aufs Land” ein besonderer Lesegenuss.

Um wen oder was geht es in der Reihe? Was bisher geschah: Mariette und Manu haben den Schritt gewagt und die Stadt mit der Pampa vertauscht. Ravenelles, ein Kaff in der tiefen Provinz irgendwo in Nordfrankreich bildet seitdem das Setting für ihre jeweilige persönliche Entwicklung und die Höhen und Tiefen ihrer Paarbeziehung, darin er mehr wie ein großes Kind und sie die übersouveräne Partnerin.

Number One ist ganz klar Manu, der Comiczeichner mit Punkbandvergangenheit, um den sich alles dreht und der ja auch das „eigene“ Leben zeichnet – nach Skript seines Szenaristen. Der seine Erkenntnisse, Errungenschaften und Erfolge lautstark feiert, seine Abgründe, Albträume und Abenteuer (in der Natur natürlich, wo sonst) mitteilsam ausagiert.

Um das gleich zu klären: Ich komme wohl nicht umhin, mich mit diesem Bericht als Sympathisantin der Figur und Fan von Larcenet (u.a. “Der alltägliche Kampf”, “Blast”, “Brodecks Bericht”) zu outen… (Mütze im Bild mit „M“ für Manu, versteht sich!)

Während im zweiten Band bereits immerhin ein Radieschen unter Manus Händen gedeihen konnte, zeigt der dritte Band von „Die Rückkehr aufs Land“ nun einen Manu, der bereits mit den Weihen der Vaterschaft versehen, den Alltag als Zeichner mit Kleinkind locker mit Links stemmt. Extra Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen, erhält er während der wiederholten Abwesenheiten Mariettes, die an die Uni zurück gekehrt ist und dafür in regelmäßigen Abständen mit dem Zug in die Stadt abzwitschert – die Feuerprobe für den jungen Papa.

Der erhält währenddessen Besuch von seinem Szenaristen und Kumpel Jean-Yves Ferri (jaaaa, der, der jetzt Asterix macht,..!) und bei der Gelegenheit gibt es einigen witzigen Comic-Meta-Talk über die Entwicklung des Buches, das die Leserin in den Händen hält. Ganz in bereits aus den vorigen Bänden bekannter Weise wird die Comicwelt liebevoll auf die Schippe genommen – sehr amüsant.

Kartons als Problem oder Lösung

Das Traumpaar ist öfters nicht ganz in Balance: Alte Verdrängungstechniken werden streng gerügt.

Die aus den vorigen Bänden bekannten Kartons in allen Größen, die seit dem Umzug aufs Land vor mehreren Wintern omnipräsent sind, mehrzweckgenutzt als Möbel und Verstecke (vor allem für den kapriziösen Manu, der nicht nur ein Aufräumproblem hat). Das gibt neben den Figuren – Dorfbürgermeister, Nachbarin, Vermieter, Jäger und andere Waldgestalten, sowie die ganze Stadtbagage aus dem Vorleben der Protagonisten, inklusive Comicverleger, die zu bestimmten Anlässen eine Reise in die Provinz auf sich nimmt – eine gewisse Konstanz. Nicht zu vergessen: Familienmitglied Kater Speed, der nach einer sensationellen Eingebung zur Steigerung seiner Arbeitseffizienz von Manu endlich eine praktische Lösung für unabhängige Flucht und Wiederkehr angeboten bekommt, sich aber ungern zu irgendetwas nötigen lässt…

“Die Rückkehr aufs Land” (bietet ein) großartiges Fortsetzungserlebnis mit reichlich Lach-Stoff zum Thema Landleben und Familiengründung und lässt die Comicfreundin über viele kleine Verweise schmunzeln.

In den deutschen Bänden sind jeweils zwei Alben der französischen Ausgabe zusammengefasst, jeder Teil kann für sich, aber am sinnvollsten doch von vorne in chronologischer Folge gelesen werden. Manu Larcenets Kosmos von Ravenelles bietet großes Lesevergnügen – auf dass diesem Band ein weiterer folgen möge, der uns nach Übersetzung (zuletzt von Ulrich Pröfrock) erfreuen kann, hofft Übersetzerin Lea Hübner, die regelmäßig im Reprodukt Shop-in-Shop hinter der Ladentheke steht.