Blog Dirk Rehm am 13. Dezember 2019

Jutta Harms (1962-2019)

Wir trauern um Jutta, unsere liebe Freundin, Kollegin und ein Leben lang Mitstreiterin in Sachen Comics, die gestern nach langer, schwerer Krankheit gestorben ist.

Seit den frühen Neunzigerjahren und ihrem Umzug von Hamburg nach Berlin hat sich Jutta für Reprodukt und unsere Autor*innen engagiert, Pressearbeit gemacht, Veranstaltungen organisiert, aus dem Englischen übersetzt, redaktionell gearbeitet und vieles mehr – gemeinsam haben wir lange Jahre den Verlag geführt und parallel dazu mit anderer Arbeit unseren Lebensunterhalt verdient.

Jutta war eine lustvolle Netzwerkerin, die nicht nur hierzulande viele enge Kontakte zu Zeichner*innen und Journalist*innen gepflegt, sondern darüber hinaus vor allem im europäischen Sprachraum den Austausch gesucht hat. Ihre Begeisterung – für das Comicfestival in Helsinki, das Fumetto in der Schweiz, Angoulême im winterlichen Frankreich – war ansteckend. Menschen kennen- und lieben zu lernen, das war für sie Antrieb für einen leidenschaftlichen Kampf für die Comics.

Und sie hat diesen Kampf gewonnen! Nicht nur sind Comics nun in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern sie haben Leser*innen gefunden, die sie zu Beginn unserer Arbeit kaum mit der Kneifzange angefasst hätten. Der aktuelle Erfolg feministischer Comics ist nicht zu denken ohne die Comics von Julie Doucet, Debbie Drechsler oder Anke Feuchtenberger, die Jutta vor mehr als zwanzig Jahren übersetzt oder redaktionell betreut hat.

Immer war sie uneigennützig bereit für unabhängige Projektarbeit: Sie machte die Pressearbeit für die Zürcher Edition Moderne, leitete Führungen am Fumetto Comicfestival in Luzern, kuratierte Ausstellungen am Comic-Salon Erlangen, war engagiertes Vorstandsmitglied im Berliner Haus Schwarzenberg und zuletzt bei ExRotaprint im Berliner Wedding. Mit Das Sortiment betrieb sie viele Jahre lang ein Schaufenster für selbstverlegte Comics deutscher Autor*innen.

Jutta war forsch, streitlustig, energisch und mitfühlend, großherzig, selbstlos. Sie war stets solidarisch mit ihren Kolleg*innen und unseren Autor*innen und immer ganz bei der Sache. Eine bessere Freundin und Kollegin kann man sich nicht wünschen.

Jutta ist einmalig und unersetzlich. Wir vermissen dich.