Blog Andrea Cisnado am 21. März 2020

Julie Doucet on Tour

Wir haben uns sehr gefreut, dass Julie Doucet in Deutschland auf Tour war. Für alle, die es nicht zu einer der Veranstaltungen geschafft haben, folgt hier ein kleiner Rückblick.

In der letzten Woche war Julie Doucet mit ihrer bei uns publizierten Novität “Julie Doucets allerschönste Comic Strips” in ganz Deutschland unterwegs: Frankfurt am Main, Stuttgart, Hamburg und Berlin. Der letzte Stopp Leipzig auf der Buchmesse und dem The Millionairs Club musste leider aufgrund von Covid-19 ausfallen. Das letzte Mal, dass Julie Doucet in Deutschland war, ist schon lange her – Umso spannender für sie, die Tour anzutreten und die verschiedenen Städte in neuem Licht kennenzulernen.

Eine Woche voller Künstleringespräche und Interviews. Alle wollten wissen, wie es war, bereits in den Neunzigern Gedankenspiele, Träume und autobiografisch inspirierte Episoden über Sex, Körperflüssigkeiten, Geschlechterdebatten, eine Analyse der weiblichen Psyche und ihrer Beobachtung der Männlichkeiten in unbekümmert-wüste Comicstrips umzusetzen – eine wahnsinnige Pionierarbeit, die thematisch heute aktueller denn je ist. Mit ihrer Heftreihe „Dirty Plotte“ betrat Julie Doucet Anfang der 1990er-Jahre in vielerlei Hinsicht neues Terrain. Die Verspieltheit ihrer Zeichnungen, ihre Umkehrung und Neufindung von Stereotypen brachen Dämme und öffneten Comics plötzlich auch für ein weibliches Publikum. Und noch wichtiger, Julie Doucet wurde Vorreiterin für viele Zeichner*innen, die das Bild der Comics vollständig veränderten:

„Ohne Julie Doucet würden viele von uns heute keine Comics zeichnen. Sie ist die Königin der Independent Comics!“ – Anna Haifisch

Nach einer langen Anreise aus Montréal konnte Julie Doucet in Frankfurt am Main zum ersten Mal die deutsche Ausgabe von Julie Doucets allerschönste Comic Strips in den Händen halten, welches ihr sofort ein großes Lächeln ins Gesicht zauberte. Nach einem Tag zum Verschnaufen und Erkunden startete ihre Lesereise mit einer voll gepackten ersten Abendveranstaltung im basis Frankfurt, moderiert von Jakob Hoffmann. Am nächsten Tag war es nur ein Katzensprung nach Stuttgart. Innerhalb von zwei Stunden war Julie Doucet mitten im Herzen von Baden-Württemberg, wo sie vor ihrer eigenen Veranstaltung der Staatsgalerie einen Besuch abstattete und eine kleine Führung durch die moderne Stadtbibliothek Stuttgart und deren Graphothek erhielt. Früh am Morgen des nächsten Tages ging es weiter nach Hamburg, die längste Strecke auf ihrer Tour. Bevor es zum Veranstaltungsort Barboncino im Golden Pudel ging, zeigte Hans von Strips&Stories Julie Doucet seine persönlichen Lieblingsorte in Hamburg. Mit einigen Hindernissen und einer obligatorischen Zugverspätung von vier Stunden schaffte es Julie Doucet am Donnerstag nach Berlin – ein ganz besonderer Moment für sie, wieder in der Stadt zu sein, in der sie Mitte der 90er Jahre zwei Jahre lang gelebt hat. Leider mussten wir aufgrund der Zugverspätung die Signierstunde im Modern Graphics in Kreuzberg kurzfristig absagen. Dennoch hat es Julie Doucet im Nachhinein noch geschafft, alle hinterlassenen Wünsche für Euch zu signieren – juhuu! In der Bezirkszentralbibliothek Frankfurter Allee/ Pablo-Neruda-Bibliothek feierten wir abends noch ihre Berlin-Premiere. Die Veranstaltungen und Interviews mussten ab Freitag dann leider ausfallen….

Es war richtig schön, einen Einblick in ihre Welt als Comicautorin zu erhalten. An dieser Stelle danken wir noch mal ganz herzlich allen Veranstalter*innen und der Regierung von Kanada/ der Botschaft von Kanada für die Unterstützung. Die Lesereise war Teil des Literaturprogramms von Kanadas Auftritt als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2020.

Wir hoffen sehr, dass wir bald wieder weitere tolle Lesereisen starten können. Bis dahin… bleibt gesund und munter!