Blog Jutta Harms am 3. Juli 2013

“Habibi” im Konflikt um Plakatausstellung an der Uni Duisburg-Essen

9783941099500In Medien und Social Media wird derzeit ein Vorfall an der Uni Duisburg-Essen diskutiert. In der Universitätsbibliothek waren Kollagen aus einem Anglistik-Seminar ausgestellt worden, in dem untersucht werden sollte “What Comics can do”. Eine oder mehrere dieser Kollagen erregten den Unmut muslimischer Studierender, eine Studentin zerstörte und entfernte schließlich eines oder zwei Plakate aus der Ausstellung. Diese wurde dann von der Leitung der Universität vollständig abgehängt, deutlich vor dem eigentlich geplanten Ausstellungsende.
Bei der darauf folgenden Debatte ging es immer wieder um das Blatt mit Auszügen aus “Habibi” von Craig Thompson.

Wir weisen hier nachdrücklich darauf hin, dass ohne Zustimmung Craig Thompsons und ohne, dass wir als sein deutscher Verlag informiert worden wären, mit Material aus “Habibi” gearbeitet wurde. Die dabei entstandenen Aussagen haben weder Craig Thompson noch Reprodukt autorisiert.

Auszüge aus der Graphic Novel sind aus dem Zusammenhang gerissen neu kollagiert worden, wodurch offenbar eine extrem provokante und zugespitzte Aussage erzielt wurde. Dabei ist das Urheberrecht von Craig Thompson komplett ignoriert worden.

Erstaunlich ist dabei der lässige Umgang der Uni Duisburg-Essen mit dem Verstoß gegen das Urheberrrecht. In der Pressemeldung der Uni wird der zwar Hergang des Konflikts erläutert und eine Diskussion über die Reaktionen auf die Ausstellung angekündigt. Weder die Pressestelle der Uni noch der Professor, in dessen Seminar die Kollagen entstanden sind, halten es aber bislang für notwendig, die Frage der Urheberschaft richtigzustellen.

Das führt zu Berichten wie dem in der FAZ von gestern, in dem die Rede ist von einem “Blatt mit drei Zeichnungen von Craig Thompson”. Gleich darauf geht die Autorin auf “Habibi” ein, sodass der Eindruck entsteht, das Exponat sei ein Auszug aus dem Buch. Die Pressemeldung der Uni Duisburg-Essen trägt nicht dazu bei, diesen Irrtum zu korrigieren. Allerdings blieb auch die Bitte um Richtigstellung an die FAZ-Redakteurin und Verfasserin ohne Erfolg.

Wir sind auch erstaunt darüber, wie die Universität ihren Bildungsauftrag wahrnimmt. Dazu sollte auch gehören, einen korrekten Umgang mit geistigem Eigentum zu vermitteln. Davon ist man hier derzeit weit entfernt. Es ist eine Sache, mit Comics in einem Seminar zu experimentieren, um die Wirkung der Bildsprache zu untersuchen. Die Resulate dieser Übung ohne Zustimmung der Autoren, deren Stoffe man verfremdet hat, öffentlich auszustellen, verbietet sich.

Uns wurde von der Pressestelle der Uni zugesichert, dass man in der nächsten Pressemitteilung zu dem Konflikt auch auf die Frage nach dem Urheberrrecht eingehen werde. Es könne allerdings noch einige Tage dauern, bis diese veröffentlicht werde. Wir sind gespannt!