Blog Lukas Jantzen am 28. März 2022

Gut für die Work-Life-Balance: Eine Lesung mit Aisha Franz

Hallo liebe Leser:innnen,
Ich bin Lisa, eine Potsdamer Masterstudentin im Fach Kulturwissenschaft und jetzt auch Praktikantin bei Reprodukt. Von mir werdet ihr in nächster Zeit öfter hören, aber heute freue ich mich, euch von der letzten Veranstaltung berichten zu können:

Donnerstag, 24. März 2022:

Eine moderne Bibliothek mitten in Berlin. Ein paar Gäste kommen mit dem Fahrrad an. Andere stehen vor dem Gebäude und rauchen noch eine Zigarette bevor es losgeht.

Der WerkRaum in der Pablo Neruda Bibliothek ist gemütlich eingerichtet: Eine Couch für die Autorin, ein Pult mit Buch für den Moderator und Stuhlreihen in corona-konformen Abständen. Am Reprodukt-Tisch gibt es Getränke und Bücher zu erwerben.

Eine rosa schillernde Gestalt hüpft fröhlich durch den Raum, am Bein klebt ihr ein kleiner Mensch. Aisha Franz hat sich die Veröffentlichung ihres neuen Comics „Work-Life-Balance“ zum Anlass genommen, ihren Glitzer-Ganzkörperanzug auszuführen. Das Outfit zieht die Aufmerksamkeit der Kameras und Besucher auf sich: Es werden Fotos gemacht – ein Gast bewundert die durchsichtigen Stiefeletten, durch welche knallrote Socken leuchten – und man kommt ins Gespräch, denn man kennt sich in der Berliner Comicszene. Die freundschaftliche Atmosphäre fühlt sich nach Wohnzimmer an.

Was dann passiert, ist allerdings alles andere als ein gewöhnliches Wohnzimmerprogramm. Moderator Thomas Gottschalk, normalerweise verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit in der Bezirkszentralbibliothek, begrüßt seine Gäste mit einem warmen Lächeln und ist mindestens so vorfreudig wie die Besucher:innen. Aisha Franz nimmt auf der Therapeutinnen-Couch platz, vor ihr liegen 2 Tablets und einem Mikro steht bereit.

Das Licht wird gedimmt, bunte Strahler werfen Schatten, der Boden reflektiert die Regenbogenfarben. Auf dem Bildschirm erscheint das Buchcover, der Titel wabert im Rhythmus psychedelischer Musik, die die Künstlerin dazu abspielt. Virtuos mischt Aisha Franz Bild mit Bewegung, bedient dazu Musik und Soundeffekte, während sie die Texte live einliest. Sie gibt Einblicke in die Geschichten der drei jungen Hauptcharaktere, die sich durch die moderne Arbeitswelt kämpfen. In den Anekdoten aus hippen Start-up-Büros und dem digitalen Alltag findet sich das Berliner Publikum oft selbst wieder (Wer fühlt sich nicht von Marie Kondo unter Druck gesetzt !?)

Aishas Performance ist ein multimediales Gesamtkunstwerk, das mit seinem Inhalt verschmilzt, denn im Comic geht es auch um die digitale Welt, in der wir Leben, und um das Kreativmillieu, dessen Situation in letzter Zeit besonders präker war.

Das Licht wird heller und alle kommen so langsam aus dem bunten, gezeichneten Paralleluniversum zurück in den Raum der Bibliothek. Thomas Gottschalk steigt in das Gespräch ein und stellt interessiert Fragen. Die muntere Aisha erzählt von ihrer Arbeit an dem Buch und die ein oder andere private Anekdote. Ein Besucher rettet den riesigen Touchscreen mit seiner Berührung vor dem automatischen Ausschalten – passend zum selbstironischen Charakter der Veranstaltung. Nun darf das Publikum Fragen stellen, wobei der erste Beitrag aus den Stuhlreihen ein aufrichtiges Lob an die Arbeit der Künstlerin ist. Der Alarm-Sound, der in der Lesung noch das Ende der Therapiesitzung signalisierte, läutet schließlich das Ende der Veranstaltung ein.

Die meisten bleiben noch, unterhalten sich, tauschen ihre Eindrücke aus. Aisha Franz signiert fleißig Bücher und nimmt sich Zeit für jede:n Einzelne:n, bis alle versorgt sind. Beim Rausgehen, nimmt man sich noch einen Work-Life-Balance Sticker mit, denn an diesen Abend will man sich erinnern. Wir freuen uns schon auf den Nächsten.

Hier ein kleines Video von der Performance.