Blog Filip Kolek am 26. Juni 2021

Ferdinand Lutz (“Q-R-T”) im Gespräch mit Schülerpraktikantin Charlotte

Die zwei Wochen, in denen die pfiffige Schulpraktikantin Charlotte in unseren Verlag reingeschnuppert hat, sind auch schon wieder vorübergezogen. Wir bedanken uns bei Charlotte für ihre engagierte und hilfsbereite Art – es war uns ein großes Vergnügen und wir wünschen dir für deinen weiteren Weg viel Erfolg!

Als Teil von ihrem Praktikum hat Charlotte ein Interview mit dem Kölner Kindercomiczeichner Ferdinand Lutz geführt. Ferdinand sitzt gerade am vierten Band von “Q-R-T”, den wir diesen Oktober veröffentlichen werden. Für Charlotte hat er  den Zeichenstift kurz beiseite gelegt – vielen Dank auch an Ferdinand, dass er sich die Zeit dafür genommen hat. Illustriert haben wir das Interview übrigens mit einigen exklusiven Panels aus dem kommenden Band: “Q-R-T: Im Raumschiff nach New York”.

Viel Spaß mit dem Gespräch!

Charlotte: Wie wurde dein Interesse am Comiczeichnen geweckt?

Ferdinand Lutz: Durch das Lesen von Comics – als allererstes „Lucky Luke“. Ich musste sofort auch eigene Geschichten davon zeichnen und produzierte mit sieben Jahren wie am Fließband neue Abenteuer von Lucky Luke und Jolly Jumper. Erst heute verstehe ich, dass ich dadurch diesem wunderbaren Gefühl, das ich beim Lesen der Bücher hatte, noch näher sein wollte: Indem ich selber welche gemacht habe.

Wie hast du dich für dein Genre entschieden und würdest du gern andere Genres ausprobieren?

Zu Kindercomics bin ich durch Zufall gekommen: Durch eine Anfrage der Kinderausgabe des SPIEGELS. Davor hatte ich nicht wirklich daran gedacht, mit (damals) Anfang zwanzig unbedingt Geschichten für Kinder erzählen zu wollen. Aber es hat mir dermaßen Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin und mit Freunden sogar ein eigenes Magazin für Kindercomics gegründet habe, das ich auch verlege: POLLE.

Ich möchte allerdings auch gern so viele Facetten des Comics wie möglich ausloten. Begonnen hab ich mit einem abstrakten Mini-Comic für Erwachsene, der von einem italienischen Dorf handelt, das im Lotto gewinnt.

Welcher Teil der Entwicklung eines Comics macht dir am meisten Spaß und welchen magst du gar nicht?

Am meisten Spaß macht mir, wenn ich mir die Dialoge ausdenke und die Handlung ganz schnell aufzeichne. Dabei muss ich mich konzentrieren, aber es ist ein echter Flow – alles ist möglich. Das Reinzeichnen mag ich auch sehr, dabei kann ich dann Podcasts oder Hörbücher hören. Am Mühsamsten finde ich das Vorzeichnen, sodass ich künftig so weit wie möglich darauf verzichten will.

Was magst du lieber: alleinstehende Kapitel oder ganze Bücher schreiben und zeichnen?

Beides!

Welches deiner Werke gefällt dir am meisten?

Ich kann mir meine eigenen Arbeiten nur ganz schwer selber angucken, weil sich mein Blick auf die Zeichnungen ständig ändert. Ich hab dann immer Lust, lieber sofort etwas Neues zu machen. Aber von den Geschichten her mag ich „Rosa und Louis“ sehr gern, weil es – natürlich in sehr abgewandelter Form – sehr viel Persönliches aus meiner eigenen Kindheit versammelt.

Wie viele von deinen eigenen Erfahrungen fließen in deine Werke ein und woher kommen deine Ideen für die einzelnen Kapitel?

Es kommt nie vor, dass mir etwas passiert und ich denke: Ach, guck mal an, daraus mach ich gleich eine Geschichte. Sondern es sind eher Verhaltensweisen von Menschen, Gesichtsausdrücke, Gesten, die sich in mir ansammeln – und woraus ich dann unbewusst schöpfen kann, wenn ich vor dem weißen Blatt Papier sitze.

Wie entscheidest du dich für die Namen deiner Charaktere? Woher kommt zum Beispiel der Name Q-R-T?

Ich sammele immer Namen, die ich schön finde – ähnlich, wie wenn man Namen sammelt, um sie später mal seinem Kind zu geben. Q-R-T sollte einen exotischen Namen haben, der gleichzeitig auch missverstanden werden kann, nämlich als „Kurt“. In der mexikanischen Übersetzung heißt er „A-L-X“, also Alex, im Französischen „U-B-R“, ausgesprochen „Ühbähr“, also Hubert.

Was ist das Beste und was ist die größte Herausforderung am selbstständigen Künstlerdasein?

Das Beste ist die Freiheit. Das merke ich umso mehr, als ich nun Vater bin, und meine Frau und ich sehr davon profitieren, dass ich nahezu komplett flexibel bin mit meiner Arbeitszeit. Das ich aber natürlich auch die Herausforderung: dem Umfeld gegenüber klarzumachen, dass auch ich Zeit brauche, selbst wenn niemand meine Arbeitsstunden zählt.

Im Herbst erscheint bereits der vierte „Q-R-T“-Band. Kannst du uns schon verraten, worum es darin gehen wird?

Zunächst mal ist es erstmals ein komplett durchgehend erzähltes Abenteuer. Die bisherigen Bücher bestanden aus Kapiteln, die mal mehr, mal weniger aufeinander aufbauten. Im neuen Band wird Lara auf einen Kongress für Nachwuchsforscher in New York eingeladen, aber ihre Mutter erlaubt ihr nicht, dort hinzufliegen. Deswegen fliegt sie mit Q-R-T und Flummi in einer Nacht- und Nebelaktion einfach auf eigene Faust los – im Raumschiff. Logischerweise heißt der Band dann auch „Im Raumschiff nach New York“.