Blog Jonathan Büning am 5. Juni 2019

Einblicke in die Reprodukt-Bibliothek: „Ralph Azham“

Hallo, hallo! Ich bin Jonathan und als neuer Praktikant bei Reprodukt im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit freue ich mich, die von meinen Vorgänger*innen eingeführte Tradition des Backlist-Einblicks fortzuführen. Die Menge und Vielfalt in den Regalen hat mich zwar anfangs ziemlich überrumpelt, doch nach einem mehrwöchigen Leserausch ist die Entscheidung gefallen: auf Lewis Trondheims „Ralph Azham“. Die Reihe ist elf Bände lang, und von der ersten Seite an faszinierend, spannend, lustig und dramatisch.

Der erste Band, „Belügt man jene die man liebt?“, hat mich als fast kompletter Trondheim-Neuling (nicht mehr als ein kurzes Durchblättern von „Die neuen Abenteuer von Herrn Hase: Das verrückte Unkraut“) in seinen Bann geschlagen. Auf flappsige Art und Weise reagiert der titelgebende „Held“ Ralph Azham auf die zahlreichen Ungerechtigkeiten, die sein Leben zeichnen. Als einer der auserwählten „Blauen“ ist der entenköpfige Ralph mit einer übernatürlichen Gabe gesegnet. Oder in seinem Fall eher verflucht, da seine Fähigkeit sich darauf beschränkt, festzustellen, ob Frauen schwanger sind (und wer der Vater ist). Eine Kraft, die nicht wirklich hilfreich ist, wenn es darum geht, den schrecklichen Vom Syrus zu besiegen – oder den Dorffrieden zu wahren.

So lernt man Ralph also als Paria des Dorfes kennen – durch die Prüfung, ob er der Erwählte ist, ist er als Kind durchgefallen und nun schwankt sein Leben zwischen Strafsitzen im Schweinepferch und sardonischen Kommentaren über die anderen Dorfbewohner (was wiederum seine Aufenthalte bei den Schweinen erklärt). Natürlich bleibt es nicht dabei, das verrät schon der Titel der Geschichte, seine Situation verändert sich schnell, und gemeinsam mit Ralph erfährt der Leser die Geschichten und Geheimnisse dieser Welt.

Wie bei jedem Comic wirkt auch bei „Ralph Azham“ zuerst das Bild; und Lewis Trondheims Mischung aus realistisch gehaltenen Landschaften und im „funny animal“-Stil gezeichnetem Personal hat schnell meine Neugier geweckt und mich im Laufe der Lektüre des Öfteren überrascht. Denn der Stil, in dem die Personen gezeichnet sind, gekoppelt mit den häufig humorvollen Dialogen und der Absurdität der Geschichte, lässt einen gerne einmal die Grausamkeit dieser Welt vergessen. Bis diese einem dann mit einer Prise schwarzem Humor wieder vor Augen geführt wird.

Dass diese Welt in vielerlei Hinsicht eine Satire auf klassische Fantasy-Geschichten ist, nutzt Lewis Trondheim voll aus, ohne dabei den dramatischen Faden zu verlieren und schafft es dabei immer wieder, Erwartungen gleichzeitig zu erfüllen und zu untergraben. Ab dem zweiten Band nimmt die Geschichte Fahrt auf. Lewis Trondheim versteht es, eine Geschichte zu schaffen, die den Leser in ihren Bann zieht, durch ihre innere Logik und geniale Absurdität.

Lewis Trondheim wird vom 20. bis 25. Juni auf Dreiländer-Tour sein und in München (Comicfestival München), Stuttgart, Wien und Basel vorbeischauen, zusammen mit seiner Frau Brigitte Findakly, die als Koloristin für die Farben in „Ralph Azham“ und vielen weiteren Trondheim-Comics verantwortlich ist.