Blog Lotte Granau am 15. Februar 2019

Einblicke in die Reprodukt-Bibliothek: „Petit“ von Hubert & Bertrand Gatignol

Hi!

Ich bin Lotte und die dritte im Bunde der Praktikantinnen. Sowie Abril und Andrea mache auch ich ein Praktikum bei Reprodukt. Dank meiner Familie habe ich von klein auf Comics verschlungen, unter anderem viel von Reprodukt.

Ich habe mir als erstes Buch zum Vorstellen „Petit – Riesen wie Götter“ von Hubert und Bertrand Gatignol ausgesucht, weil es wie ein klassisches Märchen anmutet. Also vielleicht ein dunkles Märchen oder eher eine mythologische Geschichte wie die Erzählung der Medusa. Und genau das ist die Art von Märchen, die ich mag.

In diesem Buch geht es um eine Dynastie von Riesenkönigen und den jüngsten Sohn der Riesenkönigin, der kaum größer als ein Mensch ist. Vor Generationen gab es einen König der Riesen, der alle anderen schon vom Kindesalter an überragte. Er war für die Riesen der Gottkönig und strebte danach sogar noch größer zu werden. In der Überzeugung selbst ein Gott zu sein, begann er Menschen zu essen – und nach und nach ahmte es ihm seine ganze Familie nach.
Die gegenwärtige Generation von Riesen scheint sich fast ausschließlich von Menschen zu ernähren und geht brutal mit den menschlichen Bediensteten um. Von ihren Untertanen werden sie zwar als Götter verehrt, aber göttlich sind sie wahrhaft nicht. Und in dieser unwirtlichen Welt lebt Petit.

Zugegeben habe ich dieses Buch zuerst in die Hand genommen, weil ich das Cover einfach schön fand. Als ich das Buch aufgeschlagen habe war ich schon vom ersten Panel begeistert, mit der an eine Kathedrale erinnernde Hochburg der Riesen und die nahezu winzigen Häuser der Menschenstadt darunter. Das Konzept des Sohns der Riesenkönigin, der kaum größer als ein Finger seiner Mutter auf die Welt kommt und somit eigentlich dem Tode geweiht ist, hat mich sofort gefesselt. Die Ästhetik der übermenschlich großen Säulengänge und weiten Landschaften um den vergleichsweise kleinen Petit verzaubert oder flößt Angst ein. Die Landschaft drumherum ist hübsch, mit Bergen die sich dem Himmel entgegen recken und der Burg der Riesen, die langsam vor sich hin zerfällt sowie menschenleeren Ruinen die Teil der Burg sind. Die wunderschönen Zeichnungen erwecken diese düstere Welt zum Leben. Doch das Leben in dieser Welt ist kalt und brutal. Selbst für Petit, der behütet von seiner Großtante und Mutter aufwächst.

Ich mag zwar Geschichten mit dunkleren Themen, doch „Petit“ ist nichts für schwache Nerven. Die menschenfressenden Riesen sind schon überwältigend, mit ihren Essgewohnheiten und ihrer Rücksichtslosigkeit gegenüber allem Kleinerem! Aber es gibt auch viele kleinere, gemeine Details, die mir erst beim zweiten Lesen aufgefallen sind. Durch den Zeichenstil werden die grotesken Gesichter der Riesen deutlich und ihre Emotionen verzerren ihre Visagen noch weiter. Also ist „Petit“ unter Umständen mit Bedacht zu genießen.