Blog Lukas Jantzen am 11. Oktober 2021

Ein (zu) kurzer Besuch auf dem Comicfestival Hamburg

Da reist man aus dem Norden in die große Hauptstadt, um das lang ersehnte Verlagspraktikum anzutreten nur um wenige Tage später zurück nach Hamburg zu fahren… ganz schön umständlich.

Aber ich falle mit der Tür ins Haus und habe vergessen mich vorzustellen: ich bin Lukas und der Neue hier. Für die nächsten Monate freue ich mich, ganz viel Comicverlagsluft schnuppern zu dürfen. Dafür bin ich extra nach Berlin gezogen, um im Hause Reprodukt an vorderster Front mitzuerleben, wie feinste Comicliteratur entsteht. Endlich Berlin! Endlich „was-mit-Medien“! Hauptstadt der Republik, Hauptstadt des deutschen Comics. Wer was mit Comics machen will, muss da hin, haben sie gesagt. Und was mache ich am ersten Wochenende?! Zurück nach Hamburg fahren. Doch dazu habe ich allen Grund: in der Hansestadt öffnet das 15. Comicfestival Hamburg seine Pforten, und das lasse ich mir natürlich keinesfalls entgehen!

Lange Schlange vor dem Stadtteilzentrum Kölibri, Ausgangspunkt für Besucher:innen – man müsse etwas auf die Personenanzahl achten, erklärt die nette Frau am Eingang und bittet kurz zu warten – man kennt das inzwischen, Pandemie und so. Ich und meine Begleitung treten einige Schritte zurück auf den Gehweg und vertreiben uns die Zeit mit der Ausstellung, die praktischerweise im Schaufenster aushängt. Beim Comicfestival in Hamburg ist man krisenerprobt: als im vergangenen Jahr die Corona-Pandemie ausbrach plante man kurzerhand um und rief den Panel Walk ins Leben. Schaufenster von Ladenlokalen, Cafés und Galerien wurden zu Ausstellungsflächen, die Straße zum Festivalgelände. Abenteurer:innen, die alle Stationen erkundeten, belohnte die Comicsafari mit diversen Stickern zum Sammeln, die sich in kleinen Schachteln an den Schaufenstern fanden. Auch dieses Jahr ist das wieder so. Wir stehen also vor der Tür und sind doch mittendrin.

Aber auch innen lohnt der Besuch, wie wir wenig später erfahren. Das Kölibri gleicht einer Schatzkiste, bestückt mit allem, was das Comicherz begehrt: ob Comicband oder -heft, Zines, Drucke in klein und groß, Sticker, Postkarten und Ausmalcomicbücher. Neben Comicverlagen präsetieren hier auch Studierende und Selbstverleger:innen allerlei Kunstfertigkeiten, die zum Stöbern und Staunen einladen.

Von hier spazieren wir weiter und landen schließlich in der Wohlwillstraße. Nach einem Besuch bei Strips&Stories, der Comicbuchladen, den man auf diesem Festival natürlich nicht auslassen darf, einer kurzen Pause im benachbarten Kaffee Stark (während der wir unpassenderweise eine große Apfelschorle trinken) schauen wir uns die Ausstellung von Joe Joe Kessler im Art Store St. Pauli an. Jutta Bauer und Tanja Esch stellen ein paar Meter weiter aus. Die gemeinsame Arbeit der beiden Illustratorinnen lässt uns herzlich lachen und so wünschen wir uns schließlich, wir hätten mehr Zeit mitgebracht.

Doch nach dem Festival ist vor dem Festival. Bis nächstes Jahr darf diese Pandemie dann hoffentlich vorüber sein, aber klar ist, ob mit oder ohne Panel Walk: wir kommen wieder!