Blog Mira Schleinig am 4. April 2020

Buchtipps aus dem Home-Office #15: MSGL – Mein schlecht gezeichnetes Leben

Man kann über das Leben, das Gipi in seinem autobiografischen Werk „MSGL – Mein Schlecht Gezeichnetes Leben“ zeichnet, sicher einiges behaupten, aber schlecht gezeichnet ist es auf jeden Fall nicht. Hätte unsere Herstellerin Alex diese Graphic Novel nicht empfohlen, wäre mir diese absolute Perle wahrscheinlich, auch wegen des etwas sperrigen Titels, entgangen. Damit das euch, liebe Leser*innen, nicht auch widerfährt, schreibe ich diese Empfehlung aus dem Home-Office!

Wir begegnen dem deprimierten Gipi der Gegenwart bei einem von vielen, an Absurdität kaum zu überbietenden, Arztbesuchen. Deprimiert ist er wohl unter anderem, weil er, wie er sagt „Probleme mit seinem Pimmel“ hat. Kann man verstehen. Die starken Kopfschmerzen, die er gelegentlich hat und gegen die er sich nur eine halbe Aspirin erlaubt, sind dabei auch nicht besonders hilfreich. In einer etwas unerwarteten Wendung der Handlung taucht einer der kettenrauchenden Ärzte, den sich selbst die Coen Brüder nicht besser hätten ausdenken können, nachts vor Gipis Haustür auf, um herauszufinden, warum er nur eine halbe Aspirin verträgt.

Gipi erzählt von seiner Kindheit in Italien und seiner No Future Jugend, die hauptsächlich aus Drogenkonsum, Eskapismus und dem beiläufigen Gefängnisaufenthalt besteht. Wann er die Zeit hatte, zeichnen zu lernen, wie ein italienischer Meister, bleibt offen. Zwiebelschichtartig enthüllt er die traumatischen Ereignisse, die ihn und seine Familie geprägt haben. Ohne dabei pathetisch zu werden oder gar Mitleid zu heischen und oft mit unschlagbarer Situationskomik.

Mit wenigen Strichen und fast ungewöhnlich viel Text zeigt Gipi sein zeichnerisches und erzählerisches Können. Immer wieder unterbrochen von einer sagenhaften, in Aquarell gehaltenen Piraten-Fantasiewelt, die man als Allegorie auf sein Leben verstehen kann.

Obwohl er sich und seinen Körper immer wieder an die Belastbarkeitsgrenze zwingt und das Leben angeblich so satt hat, gewinnt Gipi den größten Tiefen auch immer etwas Positives ab. Trotz allen Rückschlägen, negativen Einflüssen und dem kaputten Pimmel, lacht er dem Tod ins Gesicht. Er liebt seine Freunde und Wegbegleiter und obwohl er es vielleicht nicht zugeben mag, liebt er auch das Leben. Wenn man es in seinen Texten vielleicht nur erahnen kann, seine Zeichnungen verraten ihn.

Diese Graphic Novel ist nicht unbedingt leichte Kost, dafür aber unglaublich spannend, fesselnd, unterhaltsam und am Ende auch irgendwie wie ein feel-good Film. Eine unbedingte Leseempfehlung!