Blog Andrea Cisnado am 31. März 2020

Buchtipps aus dem Home-Office #13: Katze hasst Welt

Von Julia Platonow

Hallo an alle Reprodukt-LeserInnen da draußen!

Hier ist erneut Julia, die Praktikantin aus der Abteilung Vertrieb. Diesmal habe ich mich für meinen absoluten Lieblingstitel entschieden, was früher oder später wohl sowieso geschehen musste. Jeder, der mich auch nur ein wenig kennt, weiß, dass ich Katzen mag und mein Humor auch ruhig bitter wie schwarzer Kaffee sein darf – in „Katze hasst Welt“ von Kathrin Klingner finde ich genau diese beiden Dinge wieder!

Protagonistin der Graphic Novel ist eine Katze namens Katze. In drei Kapitel werden verschiedene Ausschnitte ihres Lebens aufgezeigt. Da wird unter Anderem thematisiert, wie Panda, ihr (Ex-)Freund, mit ihr Schluss macht und was für unterschiedliche Verarbeitungsmethoden einer Trennung möglich sind. Während Panda viel Zeit mit Ausflügen und seinen Freunden verbringt, versackt Katze in ihrem Sessel vorm Fernseher mit Zigaretten und Alkohol.

Dann wäre da noch ihre Arbeit in einem Café im Kiez. Und obwohl ihre Kolleginnen ganz nett sind und die anfängliche Beklommenheit gegenüber den Prostituierten, die gegenüber vom Café arbeiten, sich aufhebt und man sie als das sieht, was sie sind – nämlich ganz normale Personen – ist auch die Arbeit nicht gerade das, was man als erfüllend bezeichnen würde. Aber irgendwie gefällt es Katze ja doch dort. Im letzten Teil erfährt man, dass Katze vor einigen Jahren an einer Kunstschule war. Diese ist ein eigenes Universum für sich. Von Fake-Freund*innen bis zu merkwürdigen Kunstprojekten der Kommilliton*innen, Partys und Kneipenabende, in dieser Graphic Novel wird nichts ausgelassen – dass das einem über den Kopf wächst, fand ich total nachvollziehbar!

….und genau das ist es, was mich an diesem Buch so fasziniert. Es ist lebensnah. Katze ist keine unrealistische Person, die immer übertrieben gute Laune hat und alles perfekt macht und von allen geliebt wird. Sie ist wortkarg und macht einfach ihr Ding. Sie hat Depressionen und vermutlich auch einen Hang zum Alkoholismus. Und das macht sie für mich auf eine absurde Art und Weise sympathisch – sie fühlt sich echt an. Eine Figur mit echten Problemen.
Und der Zeichenstil passt wie die Faust auf’s Auge. Die Figuren sind simpel, teils abstrakt, häufig anthropomorphe Tiere. Kein Strich ist zu viel oder zu wenig. Andererseits gibt es ganzseitige Bilder, die ich mir stundenlang anschauen könnte, weil ich das Gefühl habe, dass man immer wieder etwas Neues in ihnen entdeckt. Generell habe ich bei diesem Zeichenstil das Bedürfnis, mehr davon zu sehen (passenderweise ist dieses Jahr ein neuer Titel von Kathrin Klinger erschienen, nämlich „Über Spanien lacht die Sonne“ – den solltet ihr euch übrigens auch unbedingt mal anschauen!!!).

Wenn ihr „Katze hasst Welt“ noch nicht gelesen habt, dann wäre jetzt doch der perfekte Zeitpunkt dafür. Neben einer sympathischen Protagonistin findet man auch intelligente Beobachtungen. Das können sexistische Kommentare sein, die kein Mensch auf dieser Welt braucht. Oder sexistische Handlungen, auch wenn sie nett gemeint sein können, sind sie immer noch sexistisch (als ob Frauen sich nur für Beauty-Sachen begeistern könnten). Oder auch einfach nur Sätze von Personen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann und hofft, dass es nicht wirklich solche Personen gibt und sie so denken (tragischerweise muss man sich eingestehen, dass das doch der Realität entspricht).

Hamburger Vibes kriegt man auch gratis dazu. Die Geschichte kombiniert mit dem Zeichenstil drückt jedoch etwas aus, was nicht jeder auszudrücken schafft: Einsamkeit. Und dass in der Tragik irgendwo auch Komik zu finden ist.

Viele Grüße,
Julia