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Reprodukt 2010

Zum Ende des Jahres geben wir wieder eine Rückschau auf unsere Veröffentlichungen im vergangenen Jahr. 2010 hatten wir das bislang produktivste – und damit auch arbeitsreichste – Jahr seit Bestehen des Verlages. Wir haben vierunddreißig Neuheiten veröffentlicht und neun Zweit-, Dritt- und Viertauflagen gedruckt.

Zum Vergleich: 2009 haben wir neunzehn Neuheiten veröffentlicht und fünf Zweitauflagen gedruckt, wir haben die Menge an Neuerscheinungen gegenüber 2009 also fast verdoppelt. Auch unsere mittlerweile recht umfangreiche Backlist erfreut sich großer Beliebtheit. So konnten im vergangenen Jahr mehr als 80.000 Comics von Reprodukt über die Ladentheke gereicht werden.

Ein stetig steigender Anteil der Verkäufe findet dabei vor allem im Buchhandel statt, eine Entwicklung, in der wir sowohl Bestätigung wie Konsequenz unseres Bestrebens sehen, Comics für Leserinnen und Leser auch und gerade jenseits einer Fan- und Sammlerklientel zu veröffentlichen. Ein Publikum im übrigen, zu dem wir auch im Zeitalter der sozialen Netzwerke bei vielen Gelegenheiten den persönlichen Kontakt suchen, um unsere Begeisterung für einzigartige Comics zu vermitteln.

Gemeinsam mit fünfzehn weiteren deutschsprachigen Comicverlagen initiierte Reprodukt im Mai 2010 jedoch auch eine Aktion zur Unterstützung des Comicfachhandels, der uns seit vielen Jahren als konstanter und verlässlicher Partner begleitet: Am ersten “Gratis Comic Tag” nach US-amerikanischen Vorbild haben wir uns mit einer Heftausgabe von “Donjon – Zenit 1: Das Herz einer Ente” (Joann Sfar & Lewis Trondheim) sowie der exklusiven “Supa-Hasi”-Geschichte “Mendriso” von Mawil beteiligt. Der nächste “Gratis Comic Tag” ist für den Mai 2011 bereits in Planung.

Wir freuen uns besonders über das anhaltende Interesse, das ausländische Verlage an Comics von deutschen Zeichnerinnen und Zeichnern zeigen: 2010 konnten Lizenzen von Arne Bellstorf, Sascha Hommer, Line Hoven, Mawil, Peer Meter & Barbara Yelin nach Dänemark, England, Frankreich, Italien, Polen, Russland, Schweden und Spanien verkauft werden.

Hier der Rückblick auf die Titel, die von Januar bis Dezember 2010 erschienen sind:

Januar 2010

“Agrippina – Allergien” von Claire Bretécher
ISBN 978-3-941099-03-6, 52 Seiten, farbig, 31 x 23,5 cm, Klappenbroschur, 15 EUR

“Tamara Drewe” von Posy Simmonds
ISBN 978-3-941099-31-9, 136 Seiten, farbig, 26 x 23,5 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

Februar 2010

“Gus 2 – Der schöne Bandit” von Christophe Blain
ISBN 978-3-941099-38-8, 80 Seiten, farbig, 29,5 x 24 cm, Softcover, 15 EUR

“Donjon -83 – Der letzte Ritter” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Christophe Gaultier
ISBN 978-3-941099-34-0, 48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 12 EUR

“Donjon Monster 9 – Das Buch des Erfinders” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Keramidas
ISBN 978-3-941099-25-8, 48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 12 EUR

“Pornografie und Selbstmord” von Nicolas Mahler
ISBN 978-3-941099-33-3, 128 Seiten, schwarzweiß, 21 x 14 cm, Klappenbroschur, 14 EUR

“Unterwegs mit Samuel” von Tommi Musturi
ISBN 978-3-941099-29-6, 136 Seiten, farbig, 20,5 x 20,5 cm, Hardcover, 20 EUR

“Kunsttheorie versus Frau Goldgruber” von Nicolas Mahler (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-938511-32-9, 128 Seiten, schwarzweiß, 21 x 14 cm, Klappenbroschur, 14 EUR

“Die Zumutungen der Moderne” von Nicolas Mahler (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-938511-54-1, 128 Seiten, schwarzweiß, 21 x 14 cm, Klappenbroschur, 14 EUR

März 2010

“Im Museum 2 – Archive des Zerfalls” von Jan-Frederik Bandel & Sascha Hommer
ISBN 978-3-941099-40-1, 128 Seiten, farbig, 24 x 20,2 cm, Klappenbroschur, 18 EUR

“Gift” von Peer Meter & Barbara Yelin
ISBN 978-3-941099-41-8, 200 Seiten, schwarzweiß, 23 x 19 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

April 2010

“Maria und ich” von Maria Gallardo & Miguel Gallardo
ISBN 978-3-941099-29-8, 64 Seiten, zweifarbig, 24 x 17 cm, Hardcover, 14 EUR

“Die wundersamen Abenteuer von Robin Hood – Die Legende von Robin Hood” von Manu Larcenet
ISBN 978-3-941099-37-1, 48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 12 EUR

“Donjon Monster 10 – Der Herr der Automaten” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Stanislas
ISBN 978-3-941099-35-7, 48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 12 EUR

Mai 2010

“Le Monde diplomatique – In 50 Comics um die Welt” von Karoline Bofinger (Hg.)
ISBN 978-3-941099-45-6, 68 Seiten, farbig, 34 x 23 cm, Hardcover, 29 EUR

“Die erstaunlichen Abenteuer ohne Herrn Hase 4 – Endkrass” von Lewis Trondheim
ISBN 978-3-941099-52-4, 48 Seiten, farbig, 29,5 x 22 cm, Softcover, 12 EUR

“Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase 1 – Slaloms” von Lewis Trondheim
ISBN 978-3-941099-54-8, 48 Seiten, farbig, 29,5 x 22 cm, Softcover, 12 EUR

Juni 2010

“Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An 1 – Die Jungfrau im Freudenhaus” von Hubert & Kerascoët
ISBN 978-3-941099-43-2, 48 Seiten, farbig, 29,5 x 22 cm, Softcover, 12 EUR

“Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An 2 – Blut an den Händen” von Hubert & Kerascoët
ISBN 978-3-941099-44-9, 48 Seiten, farbig, 29,5 x 22 cm, Softcover, 12 EUR

“Gott höchstselbst” von Marc-Antoine Mathieu
ISBN 978-3-941099-59-3, 128 Seiten, s/w, 25,5 x 19 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

“Rembetiko” von David Prudhomme
ISBN 978-3-941099-56-2, 104 Seiten, farbig, 29 x 22,5 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

“Der Geschmack von Chlor” von Bastien Vivès
ISBN 978-3-941099-48-7, 144 Seiten, farbig, 27 x 18,5 cm, Klappenbroschur, 18 EUR

Juli 2010

“Donjon 104 – Das fliegende Meer” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Kerascoët
ISBN 978-3-941099-36-4, 48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 12 EUR

September 2010

“Donjon Parade 1 – Noch ein Donjon” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Manu Larcenet (Neuauflage)
ISBN 978-3-938511-52-7, 32 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 8 EUR

“Donjon Parade 2 – Der Weise aus dem Ghetto” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Manu Larcenet (Neuauflage)
ISBN 978-3-938511-53-4, 32 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 8 EUR

“Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase 2 – Blacktown” von Lewis Trondheim
ISBN 978-3-941099-55-5, 48 Seiten, farbig, 29,5 x 22 cm, Softcover, 12 EUR

“Pjöngjang” von Guy Delisle (Dritte Auflage)
ISBN 978-3-938511-31-2, 184 Seiten, schwarzweiß, 24,5 x 16,5 cm, Klappenbroschur, 18 EUR

“Shenzhen” von Guy Delisle (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-938511-07-7, 152 Seiten, schwarzweiß, 24,5 x 16 cm, Klappenbroschur, 18 EUR

“Paul Austers Stadt aus Glas” von Paul Karasik & David Mazzucchelli (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-938511-06-0, 144 Seiten, schwarzweiß, 21 x 14 cm, Softcover, 14 EUR

Oktober 2010

“Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe” von Arne Bellstorf
ISBN 978-3-941099-12-8, 216 Seiten, schwarzweiß, 23 x 16 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

“Am falschen Ort” von Brecht Evens
ISBN 978-3-941099-57-9, 176 Seiten, farbig, 26 x 21 cm, Flexcover, 24 EUR

“Meine Beschneidung” von Riad Sattouf
ISBN 978-3-941099-60-9, 100 Seiten, farbig, 22 x 15 cm, Klappenbroschur, 14 EUR

November 2010

“Mumins” 3 von Tove Jansson
ISBN 978-3-941099-49-4, 112 Seiten, 23,5 x 31 cm, schwarzweiß, Hardcover, 24 EUR

“Bigbeatland 2 – Der Kampf geht weiter” von Andreas Michalke
ISBN 978-3-941099-67-8, 100 Seiten, farbig, 19 x 26,5 cm, Hardcover, 15 EUR

“Donjon Monster 11 – Die schöne Mörderin” von Joann Sfar, Lewis Trondheim & Carlos Nine
ISBN 978-3-941099-63-0, 48 Seiten, farbig, 29 x 21 cm, Softcover, 12 EUR

“Gott höchstselbst” von Marc-Antoine Mathieu (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-941099-59-3, 128 Seiten, s/w, 25,5 x 19 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

“Gift” von Peer Meter & Barbara Yelin (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-941099-41-8, 200 Seiten, schwarzweiß, 23 x 19 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

Dezember 2010

“David Boring” von Daniel Clowes
ISBN 978-3-931377-75-5, 128 Seiten, schwarzweiß & farbig, 26 x 19 cm, Softcover , 20 EUR

“Fräulein Rühr-Mich-Nicht-An 3 – Der Märchenprinz” von Hubert & Kerascoët
ISBN 978-3-941099-65-4, 48 Seiten, farbig, 29,5 x 22 cm, Softcover, 12 EUR

“Nichtigkeiten 1 – Der Fluch des Regenschirms” von Lewis Trondheim
ISBN 978-3-941099-62-3, 128 Seiten, farbig, 21 x 15 cm, Klappenbroschur, 16 EUR

“In meinen Augen” von Bastien Vivès
ISBN 978-3-941099-58-6, 136 Seiten, farbig, 27 x 18,5 cm, Klappenbroschur, 18 EUR

“Baby’s in Black – The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe” von Arne Bellstorf (Zweite Auflage)
ISBN 978-3-941099-12-8, 216 Seiten, schwarzweiß, 23 x 16 cm, Klappenbroschur, 20 EUR

“Wir können ja Freunde bleiben” von Mawil (Vierte Auflage)
ISBN 978-3-938511-16-9, 64 Seiten, schwarzweiß, 22,5 x 17 cm, Softcover, 10 EUR

“Sheridan Le Fanus Carmilla” von Dominik Kolodzie & Thomas Wellmann

Carmilla

Autor Dominik Kolodzie und Zeichner Thomas Wellmann (“Der Ziegensauger”, rotopolpress) arbeiten derzeit für Reprodukt an einer Umsetzung von Sheridan Le Fanus “Carmilla” (wie hier schon einmal kurz berichtet). Die Arbeit am Storyboard schreitet langsam voran, und vor ein paar Tagen hat Thomas erste Zeichnungen der drei Hauptfiguren geschickt: Carmilla, Laura und General Spielsdorf, ein Freund von Lauras Vater.

Genaueres zur Originalvorlage, “Carmilla”, geschrieben von Sheridan Le Fanu und veröffentlicht im Jahre 1872, lässt sich auf Wikipedia finden. Eine deutsche Ausgabe der Novelle ist unter dem Titel “Carmilla, die Vampirin”, übersetzt von Helmut Degner, bei Diogenes erschienen. Aus der Inhaltsangabe:

Laura

Die hübsche Laura bewohnt mit ihrem Vater und wenigen Bediensteten das prunkvolle, aber abgelegene Schloss in der idyllischen Steiermark. Das Leben ist beschaulich – bis eines Nachts eine wundersame junge Frau ins Leben der Schlossbewohner tritt. Niemand weiß, wer die schöne Carmilla ist; sie selbst muss sich auf Geheiß ihrer Mutter in Schweigen hüllen. Schnell wächst zwischen den jungen Frauen eine tiefe Freundschaft, deren wahre Natur jedoch vorerst im Verborgenen bleibt. Erst als Laura von einer mysteriösen Mattigkeit heimgesucht und von Tag zu Tag schwächer wird, sucht ihr Vater verzweifelt nach den Gründen – und kommt ungewollt der dunklen Vergangenheit Carmillas auf die Spur.

“Die Erzählung zählt zu den besten Vampirgeschichten der Weltliteratur und ist eines der Vorbilder von Bram Stokers ‘Dracula’.” – Kindlers Neues Literatur Lexikon

Spielsdorf

Zeichnungen: Thomas Wellmann

Kai Wilksen (1962–2011)

Kai_Leipzig_2007

Wir trauern um unseren Freund und Kollegen Kai Wilksen, der mit 48 Jahren am 1. Juli 2011 nach langer Krankheit verstorben ist.

Wir vermissen nicht nur einen herausragenden Übersetzer, sondern vor allem einen stets gut gelaunten und aufgeschlossenen Kai, der uns mit seiner Begeisterung und seiner Liebe zu den Comics in unserer Arbeit motiviert hat.

Nicht zuletzt durch die räumliche Nähe seines Heimatortes Freiburg zum französischen Sprachraum und seiner Affinität zur französischen Kultur war Kai ein wichtiger Verstärker der französischen Comicszene und ein Botschafter der Bandes Dessinées. Seine Kenntnis und sein Wissen über aktuelle Trends und Klassiker, seine Tipps und Hinweise zu spannenden neuen Comics, sind unersetzlich. Mit dem Verlust von Kai hat die deutsche Comicszene einen ihrer kenntnisreichsten und engagiertesten Mitstreiter verloren.

Viele Impulse hat Kai zum Programm von Reprodukt beigetragen. Als Inhaber des französischen Buchservice Passe-Partout und Mitarbeiter im Freiburger Comicladen X für U war er genau an der richtigen Stelle, um einen steten Überblick über Neuigkeiten und Neuheiten aus dem Nachbarland zu haben.

Für Reprodukt hat Kai in mehr als fünfzehn Jahren unzählige Comics aus dem Französischen ins Deutsche übertragen. Nicht nur Werke von Guy Delisle, Killoffer, Pascal Rabaté oder Bastien Vivès hat er übersetzt, sondern auch viele Comic-Alben, darunter das Mammutwerk “Donjon” von Joann Sfar und Lewis Trondheim, wo er mit kühlem Kopf den Überblick über hunderte Charaktere und viele Haupt- und Nebenstränge der Handlung in einer komplexen Chronologie verwahrte. Kai hat es außerdem gewagt, die Reihe “Agrippina” von Claire Bretécher zu übersetzen. Für die eigenwillige Sprache Claire Bretéchers eine angemessene Übertragung zu finden, gilt zu Recht als fast unmöglich.

Wir vermissen unseren guten Freund und überzeugten Gauloises Brunes-Raucher. Ein Erlangen oder Angoulême ohne die langen Nächte mit Kai können wir uns nicht vorstellen.

– Heike Drescher, Michael Groenewald, Jutta Harms, Claudia Jerusalem-Groenewald, Christian Maiwald, Sebastian Oehler und Dirk Rehm

* Kai auf der Leipziger Buchmesse 2007 | Foto: Mawil

Reprodukt 2011 – Thomas Wellmann

Carmilla_2010

Das Programm für das erste Halbjahr 2011 haben wir nun in der Vorschau Frühjahr 2011 bekannt gegeben, aber das ist natürlich längst nicht alles… Für das zweite Halbjahr sind weitere spannende Projekte in Planung, auch mit weiteren jungen deutschen Autoren und Zeichnern wie Dominik Kolodzie und Thomas Wellmann.

Neben diesem ersten visuellen Vorgeschmack auf “Carmilla” lohnt vor allem ein Blick auf Thomas’ Website und auf die Präsentation von “Rex and Pimo” (“Anthology Project”) auf seinem Flickr-Photostream.

Comics machen: Lettering

In Zukunft wollen wir an dieser Stelle versuchen, verschiedene Arbeitsbereiche bei Reprodukt genauer vorzustellen, damit man einen Eindruck von den täglichen Abläufen im Verlag bekommt. Denn bis sie im Comicladen oder in der Buchhandlung stehen, liegen einige Arbeitsschritte hinter den vielen Bildern und Buchstaben, die man ihnen ohne Vorkenntnisse des Produktionsprozesses vermutlich gar nicht ansieht.

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Heute soll es um ein sehr comicspezifisches Element der grafischen Bearbeitung gehen: Das Lettering und wie es in das Buch gelangt. Wir legen besonderen Wert auf dieses Gestaltungselement, weshalb das Lettering von Hand erstellt wird (wenige Ausnahmen im Verlagsprogramm bestätigen diese Regel). Wir benutzen also für die Gestaltung der deutschsprachigen Texte und Soundwords keine Computerfonts, sondern beauftragen zumeist freie Letterer mit dieser Aufgabe, wie es vor der digitalen Revolution allgemein üblich war.

Michael Hau, Hartmut Klotzbücher oder Michael Möller haben schon in den Achtziger- und frühen Neunzigerjahren erste Letteringjobs vorgelegt und leisten nach wie vor hervorragende Arbeit. Auch bei der Edition Moderne und vereinzelt bei Carlsen (hauptsächlich im Segment “Graphic Novel”) wird nach wie vor Wert auf echte Handarbeit gelegt.

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Zunächst einmal besteht für den Letterer die Herausforderung darin, sich der Schrift der Originalausgabe anzunähern, damit die jeweilige “Handschrift” des Zeichners, die nicht unerheblich zu Stil, Ausdruck und Atmosphäre der Zeichnungen beiträgt, so weit wie möglich gewahrt bleibt.

Im Gegensatz zur Verwendung von Computerfonts bleiben im Schriftbild des Handletterers immer kleine Unregelmäßigkeiten vorhanden, die Lebendigkeit erzeugen. Viele Computerfonts sind heute allerdings so ausgereift, dass es ein geübtes Auge braucht, um zu erkennen, ob mit einer lebendigen oder einer toten Schrift gearbeitet wurde. Oft kann man den feinen Unterschied daran erkennen, ob zwei gleiche Buchstaben nebeneinander gleich verlaufen oder ob es Abweichungen im Strich gibt. (Viele Fonts bieten mittlerweile aber auch schon mehrere Varianten des gleichen Buchstabens zur Auswahl an, um so durch die Verwendung von Variablen eine sterile Anmutung des Schriftbilds zu unterlaufen.)

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Die verschiedenen Arbeitsschritte sollen am Beispiel einer Seite der Neuauflage von “Monsieur Jean 1 – Die Liebe im Zeichen der Concierge” von Dupuy-Berberian gezeigt werden (die Erstauflage wurde bei Salleck Publications veröffentlicht). Band 4 bis 6 der Serie sind bereits bei Reprodukt erschienen und wurden von Dirk Rehm gelettert.

Um eine Einheitlichkeit der redaktionellen als auch der grafischen Gestaltung der gesamten Serie – also auch der Neuauflagen – zu gewährleisten, wurde “Monsieur Jean” 1 zunächst neu übersetzt und redigiert und wird nun auch noch einmal neu gelettert. Ausgangsmaterial für die Produktion des Lettering ist der französische Originalband, den man leider meist zerschneiden muss, um die einzelnen Seiten besser bearbeiten zu können und Passungenauigkeiten zu vermeiden.

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Für das Lettering wird ein halbtransparentes Papier verwendet, das auf die Vorlage gelegt und mit Tesastreifen befestigt wird. Dann wird der Text von Hand geschrieben, kleine Korrekturen werden dabei in diesem Fall schon angemerkt.

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Zum Lettering gehören natürlich auch die Soundwords oder “Onomatopöien” und weitere Schriftelemente, in diesem Fall das “con” (kurz für “connard”, hier übersetzt mit “Idiot”) auf Monsieur Jeans Stirn. (Ihm fällt ein, dass er die Schlüssel daheim liegen gelassen hat.) Das Wort “Idiot” wurde zwei Mal geschrieben – auch wenn das erste “Idiot” gepasst hätte, schien dem Letterer eine etwas fettere Version besser.

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Das Lettering wird nun hochaufgelöst eingescannt und die Datei in einem Bildbearbeitungs- oder Layoutprogramm geöffnet. Bevor das Lettering als separate Bildebene auf die Seite gelegt wird, wird es noch von Flecken und anderen Unsauberkeiten befreit, auch eventuelle Anmerkungen des Letterers werden gelöscht. In diesem Fall gilt das auch für das nicht so fette “Idiot”.

Beim Prüfen der Originaldaten fällt auf, dass Monsieur Jeans Stirn noch ein Rest des “con” ziert, der erst noch entfernt werden muss (diese Art der Aufhübschung per Photoshop-Retusche kennt man sonst vor allem aus der Werbung).

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Jetzt können beide Seiten übereinander gelegt werden, was in diesem Fall recht einfach ist, manchmal aber auch kompliziert sein kann, wenn zum Beispiel das Format geändert wird oder das Lettering auf Kopien gemacht ist, die zum Zwecke besserer Lesbarkeit vergrößert wurden (wie gesagt, die Leute arbeiten alle schon seit den Achtzigern). Da kann es passieren, dass von Sprechblase zu Sprechblase individuell nach dem passenden Maßstab gesucht werden muss.

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Wenn nun die Bild- und Textebenen fehlerfrei bearbeitet und zueinander passend ausgerichtet sind, ist die Seite vorerst fertig. So entsteht eine einzelne Comicseite aus Bilddaten und handgeschriebenem Text.

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Weiter geht es dann mit den restlichen siebenundvierzig Seiten des Bandes – oder wie im Fall von Guy Delisles “Aufzeichnungen aus Birma” auch mal 271 Seiten – und dem Cover.