Blog

Anna Haifisch im Museum der bildenden Künste Leipzig

Anna Haifisch hat im Mai 2021 nicht nur den Max-und-Moritz-Preis für die „Beste Comiczeichnerin“ gewonnen, sondern wurde auch mit dem 14. Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung ausgezeichnet.

Traditionell erhalten Preisträger*innen des LVZ Kunstpreises eine Ausstellung im Museum der bildenden Künste Leipzig:

Anna Haifischs Einzelausstellung wird vom 9.März bis zum 3. Juli 2022 im MdbK Leipzig zu sehen sein.

Bei Reprodukt sind „The Artist“ und „The Artist 2: Der Schnabelprinz“ bereits erschienen, der abschließende dritte Band der Reihe, „The Artist 3: Ode an die Feder“ (übersetzt von Marcel Beyer), erscheint im Oktober.

15. Comicfestival Hamburg

Am ersten Oktober-Wochenende (1.-3. Oktober) geht das Comicfestival Hamburg bereits in die 15. Runde! Eine Verlagsmesse im Kölibri und zahlreiche Ausstellungen machen es möglich, bekannte und noch nicht bekannte Künstler*innen und ihre Werke kennenzulernen. Im Fokus des Festivals stehen dabei wie gewohnt neue Comics, Graphic Novels und narrative Zeichnungen mit besonderem künstlerischen Blick.

Gäste sind unter anderem Anna Haifisch, Marc Boutavant, Antonia Kühn und Carolin Walch. Anna Haifisch zeigt außerdem den abschließenden dritten Band ihrer „The Artist“-Reihe, der bei Reprodukt im Oktober erscheinen wird.

(Quelle)

Comicfestival Hamburg
Kölibri
Hein‒Köllisch‒Platz 12
D-20359 Hamburg
comicfestivalhamburg.de

Mährberts große Stunde – Preview auf “Ariol” 13

So ein verregneter Sonntag! Die Reprodukt-Papas und -Mamas nutzen dieses miesegraue Wochenende zum intensiven Comic-Vorlesen. Und weil wir ja direkt an der Quelle sitzen, können wir dem Nachwuchs auch schon Fahnen von noch nicht erschienenen Kindercomics vorlesen, zum Beispiel den neuen Ariol: “Ariol 13: Ententanz”, der Ende Oktober in die Läden kommt.

Damit sich euer Sonntag auch noch ein bisschen aufklart, präsentieren wir euch heute ganz exklusiv diese herzige Geschichte aus dem kommenden Band. Ariols Klasse macht einen Ausflug ins Kunstmuseum, und ausgerecht bei so einer zum Gähnen langweiligen Angelenheit wacht Ariols phlegmatischer Mitschüler Mährbert aus seinem Dauer-Dornröschenschlaf auf…

Viel Spaß mit der Geschichte und schönen Vorlesesonntag!

Tillie Waldens „Auf einem Sonnenstrahl“ ausgezeichnet mit dem LUCHS des Monats August 2021

Alle vier Wochen wählt eine unabhängige Jury – Katrin Hörnlein (Vorsitzende), Benno Hennig von Lange, Klaus Humann, Brigitte Jakobeit, und Anja Robert – den “LUCHS des Monats”. Der “LUCHS des Monats” ist ein Kinder- oder Jugendbuch, das aus dem Gros der Neuerscheinungen herausragt. Das prämierte Buch wird dann im Gespräch auf Radio Bremen und in “Die Zeit” vorgestellt.

Der LUCHS-Preis August geht an Tillie Walden für ihren Comicroman „“Auf einem Sonnenstrahl”“. Wir freuen uns sehr!

“Auf einem Sonnenstrahl” ist sowohl queere Coming-of-Age-Story als auch die Geschichte über den Verlust einer großen Liebe. Mia ist das neueste Mitglied an Bord eines Raumschiffs, dessen Mannschaft zerfallene Weltraumarchitektur restauriert. Für Mia wird die Gemeinschaft schnell zu einer zweiten Familie, doch die Erinnerungen an ihre Zeit im Internat, als sie sich in die geheimnisvolle neue Schülerin Grace verliebte, lassen sie nicht los. Zusammen macht die Crew sich auf zu einer gefährlichen Reise ans Ende der Galaxie…

Aus diesem Anlass verlosen wir auf Instagram insgesamt 3 x “Auf einem SonnenstrahL” + Plakat.

Zum mitmachen:

  • Folge uns (@reprodukt_berlin) auf Instagram
  • Like den Verlosungspost
  • Neben der Geschichte beeindrucken Tillie Waldens Raumschiffe, die allesamt Fischen nachempfunden sind. Verrate uns in den Kommentaren, was Dein Lieblingsraumschiff aus Literatur, Comic oder Film ist.

Diese Verlosung geht bis Sonntag, den 15.08.2021 und ist offen für Menschen, die in Deutschland oder Österreich leben. Die glücklichen Gewinner:innen (zufällig unter den Kommentaren ausgelost) werden in der folgenden Woche per Privatnachricht kontaktiert.

Ausstellung zu Posy Simmonds im Cartoonmuseum Basel

Die Ausstellung „Posy Simmonds. Close Up wird vom Samstag, den 28. August, bis zum Sonntag, den 24. Oktober 2021, im Cartoonmuseum Basel gezeigt. Zu sehen sein werden neben Originalzeichnungen aus allen Graphic Novels und Kinderbüchern auch Illustrationen und Cartoons für Zeitungen und Magazine sowie unveröffentlichte Vorarbeiten.

Am Freitag, dem 27. August (18.30-20.30 Uhr) gibt es die Vernissage mit Paul Gravett (Co-Kurator, aus London), Posy Simmonds (Zeichnerin und Künstlerin), sowie Anette Gehrig  (Direktorin und Co-Kuratorin Cartoonmuseum Basel).

(Cartoonmuseum Basel)

Die 1945 in Bershire, England geborene Posy Simmonds studierte Kunst in Paris und anschließend Grafikdesign in London. Seit den frühen Siebzigerjahren zeichnet sie regelmäßig für die englische Tageszeitung “The Guardian” und wurde für ihre Arbeiten zweifach als Cartoonist of the Year ausgezeichnet. 2002 wurde sie für ihre Verdienste um die Zeitungsindustrie zum Member of the British Empire ernannt. Posy Simmonds ist für ihren entlarvenden und karikierenden Stil bekannt, mit dem sie überaus treffend die britische Mittelklasse ergründet. In ihren gesellschaftsanalytischen Geschichten porträtiert Posy Simmonds gern typische Vertreter der britischen Literaturszene, und bezieht sich auch auf Klassikern von Schriftstellern wie Gustave Flaubert. Mit den drei eigenwilligen Frauenfiguren und gleichnamigen Graphic Novels „Gemma Bovery“ (1999), „Tamara Drewe“ (2007) und „Cassandra Darke“ (2018) -alle drei bei Reprodukt erschienen- hat sie internationale Beachtung gefunden. Ihre Comics wurden in mehrere Sprachen übersetzt, und einige ihrer Bücher wurden auch verfilmt.

Die Ausstellung des Cartoonmuseums Basel ist die umfassendste Retrospektive der bedeutenden britischen Zeichnerin. Übrigens wird Posy Simmonds zum ersten Mal überhaupt im deutschsprachigen Raum mit Originalen ausgestellt.

“Wie auf unsichtbaren Wogen” – Frederik Peeters (“Sandburg”) im Interview

Seit heute ist er in den Kinos: M. Night Shyamalans “Old” nach dem düster-beklemmenden Comic “Sandburg” von Frederik Peeters und Pierre Oscar Lévy, der 2013 auf Deutsch bei Reprodukt erschienen ist. Zum Filmstart präsentieren wir euch das zweite der beiden Interviews mit dem “Sandburg”-Team, das wir für unseren Blog geführt haben. Gestern kam Filmemacher und “Sandburg”-Autor Pierre Oscar Lévy zu Wort, der verriet, dass er “Sandburg” vor Jahren selbst als Filmprojekt konzipiert hatte. Heute bringen wir das Interview mit Zeichner Frederik Peeters. Die beiden Interviews führte unsere Praktikantin Marie-Hélène Schmit.

Lieber Frederik, Sie zählen zu den erfolgreichsten Comickünstlern der Schweiz, Ihre Comics werden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Hätten Sie sich zu Beginn Ihrer Karriere vorstellen können, dass Sie so erfolgreich sein würden?

Ich bin mir nicht sicher, was Erfolg bedeutet, oder wie man ihn messen kann. Weil Erfolg so flüchtig ist, gebe ich da nicht viel drauf. Was mich noch eher erreicht, sind die greifbaren Aspekte des Erfolgs: Wie viele Bücher haben sich verkauft? Was schreibt die Presse über mein neues Buch? Mein Ziel war es, von meinen Büchern leben zu können, so habe ich mein Leben organisiert, und die Tatsache, dass ich das geschafft habe, begreife ich als große Chance. Aber das Wichtigste ist das Vergnügen am Zeichnen und das Träumen, die Möglichkeit aus nichts Welten zu erschaffen.

Sandburg“ – nach einem Szenario von Pierre Oscar Lèvy – ist schon vor über 10 Jahren erschienen. Wie kam es zu diesem Projekt?

Pierre Oscar kam Anfang der Nuller Jahre auf mich zu. Er hatte mein Buch „Blaue Pillen“ gelesen und wollte es verfilmen. Aus dem Projekt ist schlussendlich nichts geworden, aber im Zuge unserer Zusammenarbeit reichte er mir ein Skript weiter, das mehr was von einem Filmdrehbuch als einem Comicszenario hatte. Ich fand den Grundgedanken von „Sandburg“ faszinierend und wollte mich an der Geschichte ausprobieren. Ich habe ein paar Dinge geändert, vor allem das Ende, aber alles in allem habe ich den Plot zeichnerisch so umgesetzt, wie er ihn geschrieben hatte.

Ihr Stil passt perfekt zur Geschichte, und er trägt zur dunklen und unheilschwangeren Stimmung bei. Jetzt wird „Sandburg“ verfilmt: „Old“ unter der Regie von M. Night Shyamalan.

Ich fühle mich natürlich sehr geschmeichelt und freue mich darauf, den Film zu sehen. Was ich besonders interessant finde, ist dass das Buch wie auf unsichtbaren Wogen seinen Weg zu ihm gefunden hat – ohne Marketing, ohne Literaturagenten, ganz außerhalb der digitalen Welt, langsam. Nicht als PDF zum schnellen Drüberfliegen, sondern als tatsächliches Buch, das er als Geschenk erhalten hat. Allein diese Tatsache macht den Film für mich zu etwas Besonderem und verleiht ihm Bedeutung.

Was macht für Sie gute Adaption aus? Was sind die Fallstricke, die es zu vermeiden gilt?

Das muss ich passen. M. Night Shyamalan ist ein Filmemacher, der die Populärkultur geprägt hat wie kein Zweiter. Wer bin ich, dass ich ihm Ratschläge erteilen oder Ansprüche an ihn stellen würde? Ich sehe das so: Manchmal hat man Erfolg, machmal scheitern man. Das wichtigste ist, dass man versucht. Man sollte sich keine künstlichen Grenzen setzen und auf sein Bauchgefühl vertrauen.

Was sind Ihre Erwartungen für den Film? Wünschen Sie sich, dass der Film sich eng an den Plot und die philosophischen Struktur von „Sandburg“ hält, oder könnten Sie auch damit leben, dass sich die Adaption Freiheiten mit Ihrer Geschichte erlaubt?

M. Night Shyamalan kann machen, was er will. Er hat ja die Rechte gekauft. Ich kenne nur den Trailer, mehr nicht. Aber dem Trailer nach zu urteilen, sieht es so aus, als würde er versuchen, durch einen Plottwist eine Erklärung für die mysteriösen Vorgänge auf dem Strand zu liefern. Das passt ja auch zu seinen sonstigen Drehbüchern. Ich kann schon verstehen, dass man in einer teuren US-Produktion keine Geschichte erzählen kann, die ein so nihilistisches und abstraktes Ende hat wie der Comic. Und letztlich ist es doch so: Ein guter Film hilft der Buchvorlage und ein schlechter Film schadet ihr nicht.

“Ich zweifle nicht an M. Night Shyamalans Aufrichtigkeit” – Pierre Oscar Lévy (“Sandburg”) im Interview

Morgen läuft “Old” (Link zum Trailer), der neue neue Film des einstiges Hollywood-Wunderkinds M. Night Shyamalan an, der 1999 mit seinem Debütfilm “The Sixth Sense” einen wahren Popkultur-Meilenstein geschaffen hat. Es folgten “Unbreakable” und “Signs” – beides veritable Hits. In den Nuller hatte sich der Hype um Shyamalan und seine “Twists” am Filmende allerdings ein wenig abgenutzt und seine Karriere kränkelte. Mit dem Low-Budget-Horrorfilm “Split”, den Shyamalan selbst finanzierte, feierte er 2017 sein künstlerisches und kommerzielles Comeback. Nachdem er 2019 mit “Glass” die Fortsetzung zu “Split” ablieferte, machte er sich auf die Suche nach neuen Projekten und stieß auf die Comicerzählung “Sandburg” von Pierre Oscar Lévy und Frederik Peeters, die 2010 auf Französisch und 2013 auf Deutsch bei Reprodukt erschienen ist (und seit ewigen Wochen in einer schicken Neuausgabe vorliegt). Der Comic fiel ihm im wahrsten Sinne des Wortes in den Schoß: er war ein Geschenk seiner Tochter zum Vatertag. Shyamalan war von Lévys und Peeters’ Comic so beeindruckt, dass er sich zusammen mit Universal Pictures gleich die Filmrechte sicherte. Gedreht wurde – u.a. mit Gael García Bernal (“Y tu mamá también”) – im Sommer 2020 zwischen der zweiten und dritten COVID-Welle.

Bei Reprodukt herrscht schon große Vorfreude auf den Film. Um uns und euch die Wartezeit zu vertreiben, haben wir über Sommer verteilt mit den beiden Machern von “Sandburg” gesprochen, dem Filmregisseur Pierre Oscar Lévy, der “Sandburg” ursprünglich selbst als Filmprojekt ersonnen hatte, und den Westschweizer Comickünstler Frederik Peeters. Die Interviews führte unsere Qualitätspraktikantin Marie-Hélène Schmit – vielen Dank, Marie!

Heute präsentieren wir euch das Gespräch mit Pierre Oscar und morgen zum Premieretag folgt das Interview mit Frederik. Wir wünschen viel Spaß!

Lieber Pierre, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Sie arbeiten sehr erfolgreich als Regisseur und Produzent. Ebenso erfolgreich ist Ihre Graphic Novel „Sandburg“, die in mehrere Sprachen übersetzt und nun auch verfilmt wurde. Wie kam es zu diesem Projekt?

Ich habe zu danken, für Ihr Interesse an mir und meiner Arbeit. Zunächst, Erfolg ist natürlich relativ. Auf Papier sieht mein Lebenslauf aufregend aus, aber auf jedes realisierte Projekt kamen unzählige Absagen, berufliche Dürreperioden und geplatzte Träume. Ich habe stets versucht, in meinen Arbeiten die Fakten des Lebens – ob poetisch oder realistisch – in Geschichten zu übersetzen; keine leichte Aufgabe in einer neoliberalen Welt, die auf Einseitigkeit, Lügen und Faktenleugnung aufgebaut ist. Der Klimawandel, zum Beispiel, ist seit 1947 bekannt. Ich bin 1955 geboren und interessiere mich seit 1968 für dieses Thema. Als ich als junger Filmemacher Projekte vorschlug, die sich mit Artensterben und der Klimakrise beschäftigten, schlug man mir die Tür vor der Nase zu. Als ich gemerkt habe, dass trotz Auszeichnungen auf renommierten Festivals die großen Aufträge ausblieben, habe ich gelernt, andere Wege in der Industrie zu beschreiten. Und jetzt, seit ich mir einen Namen gemacht habe, werden die Hindernisse noch größer …

Aber Sie wollten ja über “Sandburg” mit mir sprechen … Die Idee zu dem Stoff hatte ich schon vor sehr langer Zeit gehabt. Zunächst war “Sandburg” ein Drehbuch für einen Kurzfilm. Der Gedanke war, mit einer Gruppe von Schauspieler*innen an einem Strand zu drehen und dann Jahr für Jahr zur selben Jahreszeit für kurze Drehs dorthin zurückzukehren. Als ich mit dem Vorhaben hausieren ging, war die Antwort immer die gleiche: “Zu teuer, zu aufwändig.” Natürlich war das Drehbuch damals in den 1980ern noch was anderes wie der Comic, den Sie heute in den Händen halten. Aber es war die gleiche Parabel: Ich wollte den Zuschauer*innen begreiflich machen, dass man den langsamen Verfall der Erde durch Klimawandel und die Zerstörung der Biodiversität nicht sinnlich wahrnehmen kann, er aber trotzdem passiert. Heutzutage ist es offensichtlich, und immer weniger Akteure der politischen und kulturellen Arena können diese Tatsache abstreiten. 

Auf Fred bin ich rein zufällig gestoßen. Mein Buchhändler hatte mir seinen autobiografischen Comic “Blaue Pillen” empfohlen. Ich habe das Buch noch am selben Tag gelesen und zwei Tage danach habe ich die Filmrechte erworben. Aber dann ging es sich nicht, und acht Jahre später musste ich das Projekt aufgeben. Frederik Peeters und ich sind Freunde geworden, und ich habe ihm gesagt: „Es tut mir sehr leid, ich habe es nicht geschafft, dein Buch zu verfilmen, aber es wäre es toll, wenn du eine Geschichte zeichnen würdest, für die ich die Story geschrieben habe.“ Und so nahm alles seinen Lauf …

Wie ging es dann weiter mit Frederik Peeters? Hat er dann sofort zugesagt? Wie lief die Zusammenarbeit ab? 

Fred hat sich sich die Geschichte angehört und sie hat ihn neugierig gemacht. Er hat gesagt: „Schreib sie, aber wenn sie mir nicht gefällt, werde ich sie nicht zeichnen!“ Ich habe also das Szenario geschrieben und habe es ihm an einem Samstag geschickt; er hat es gelesen, seine Frau hat es gelesen, er hat es an seinen Verleger geschickt, und am Sonntag bekam ich einen Vertrag.

Fred hat darauf bestanden, dass er über die Bildkompositionen und das Tempo zwischen den Panels selbst bestimmen würde. Im Film wären das dann wohl die “Schnitte” – und das aus der Hand zu geben, war für einen Filmemacher wie mich natürlich ziemlich schmerzhaft. Aber ich wollte unbedingt, dass Fred den Comic macht. Das war mir wichtiger als kreative Kontrolle. Ich habe ihm Referenzmaterial zu dem Strand geschickt, an dem ich den Film drehen wollte, und er hat anhand der Fotos wunderschöne realistische Illustrationen gezeichnet, als wäre er selbst dort gewesen. Außerdem hat er mir ein paar Fragen gestellt zu meinen „Regieanweisungen“. Ich hatte zum Beispiel von einer „Geburtsszene wie in der religiösen Malerei“ geschrieben, also habe ich ihm einige Gravuren von Rembrandt geschickt. Ich war zutiefst berührt, als ich gesehen habe, welche Bilder er für die Worte in meinem Skript gefunden hat. Zuvor existierten die Bilder zu der Geschichte nur in meiner Vorstellung und dann haben Freds Zeichnungen diese ersetzt. Ich erinnere mich schon gar nicht mehr, wie ich mir vor dem Comic die Figuren und die Landschaften vorgestellt hatte. Das einzige, was Fred in meiner Story nicht gefiel, war das Märchen, das Kabyle erzählt. Ich habe Fred verschiedene Versionen vorgeschlagen, und am Ende hat er seine eigene Version geschrieben. Da ich dickköpfig bin, ist dies der Teil, den ich am Buch am wenigstens mag. Aber die Zusammenarbeit mit Fred war großartig, und er hat genau das geschaffen, was ich mir vorgestellt hatte.

Nun ist „Sandburg“ von dem amerikanischen Regisseur M. Night Shyamalan verfilmt worden. Was halten Sie von dieser Adaption?

Das sage ich Ihnen, wenn ich den Film gesehen habe, wozu ich noch keine Möglichkeit hatte. (Anm. der Red: Das Interview fand Ende Juni statt, ca. einen Monat vor dem internationalen Release des Films.) Ich wollte an der Adaptation mitwirken – es schien mir selbstverständlich – und ich habe lange in diesem Sinne verhandelt. Aber letztlich hatte ich mit der Filmversion nichts zu schaffen.

Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Adaption aus, insbesondere wenn es um den Übergang von einem Medium zum anderen geht (wie in diesem Fall die Filmadaption eines Comics)?

Ich glaube, jeder Film ist ein Prototyp, jede Geschichte ist anders. Mein Motto ist, dass es nur eine Zutat bei der Entstehung eines Werkes gibt: Aufrichtigkeit. Ich zweifle nicht an M. Night Shyamalans Aufrichtigkeit.

Haben Sie sich gewünscht, dass sich der Film eng an den Plot und die philosophischen Struktur von „Sandburg“ hält, oder können Sie auch damit leben, dass sich die Adaption von der Vorlage entfernt?

Jeder Film, jedes Buch ist in erster Linie die Schöpfung der Leser*innen bzw. der Zuschauer*innen selbst. Ich würde behaupten, dass der/die Zuschauer*in mehr auf die Leinwand projiziert als der Regisseur selbst, deshalb will ich mir da kein Urteil anmaßen. Wenn ich etwas kreiert habe, dann gehört dieses Werk nicht mehr mir, und es soll sein eigenes Leben leben. Die Tatsache, dass diese Geschichte M. Night Shyamalan gefallen aht, ist für mich eine schöne Retourkutsche all jenen gegenüber, die meine Ursprungsidee für unverfilmbar hielten. Obwohl „Old“ sicherlich anders sein als das, was ich selbst gedreht hätte – entscheidend ist, dass es immer noch Filmkunst ist. 

“Sandburg“ liest sich ein bisschen wie ein Theaterstück: ein festgelegtes Figurenensemble in einem klar definierten, räumlich begrenzten Setting. Vor allem denkt man da an das existentialistische Theater eines Jean-Paul Sartre („Geschlossene Gesellschaft“) oder Samuel Beckett („Glückliche Tage“, „Warten auf Godot“, usw.). Würden Sie sagen, dass Beckett und/oder andere Dramatiker*innen einen Einfluss auf Sie gehabt haben?

Sie haben Recht. Ich freue mich sehr über Ihre Frage, dir mir tatsächlich 2010, als der Comic erschienen ist, niemand gestellt hatte. Ich sehe mich in dieser Tradition, auch wenn ein Comic im Vergleich zu einem ein Theaterstuck ein bescheideneres und kleineres Unterfangen ist. Ich glaube an das Scheitern wie Beckett, und wie Giacometti, der vor seinem Tod gesagt haben soll, dass wir alles „für nichts“ machen. Ich bin ganz auf Becketts Seite, wenn er schreibt: „Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern“.

„Die Vunderwollen“ als außergewöhnliches Buch 2021 ausgezeichnet!

Die Vunderwollen“ von Camille Jourdy wird in der Sektion  „Internationale Kinder- und Jugendliteratur“ des 21. internationalen literaturfestival berlin (8.-18. September 2021) als außergewöhnliches Buch 2021 ausgezeichnet – Juhu!

 

Der (undotierte) Preis wird seit 2012 jedes Jahr im September vergeben und würdigt bemerkenswerte Bücher für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Die Jury wechselt jährlich. Sie besteht aus den Gästen der Sektion Internationale Kinder- und Jugendliteratur des ilb, also vor allem aus internationalen Schriftstellern und Illustratoren. Jurymitglieder der vergangenen Jahre waren unter anderem Roddy Doyle, Scott McCloud, und Riad Sattouf. Jeder Juror wählt jeweils ein auszuzeichnendes Buch aus, das laut ihm/sie bemerkenswert sein muss. „Die Vunderwollen“ wurde vom Festivalgast Rebecca Dautremer für die Auszeichnung vorgeschlagen.

Andere außergewöhnlichen Bücher waren z. B. Die Abenteuer des Pinocchio von Carlo Collodi, Charlie und die Schokoladenfabrik von Roald Dahl, Die unendliche Geschichte von Michael Ende, Der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry, usw. Im Zeitraum des internationalen literaturfestivals berlin wird das außergewöhnliche Buch in Originalsprache und deutscher Übersetzung an der Bezirkszentralbibliothek Philipp Schaeffer präsentiert, und nach Ende des Festivals ist das Buch (zusammen mit den vergangenen außergewöhnlichen Büchern) dauerhaft in der Schaeffer-Bibliothek ausleihbar.

 

Über „Die Vunderwollen“:

Jo will ihren Eltern und großen Stiefschwestern entkommen, und macht sich allein in den Wald auf. Dort trifft sie unversehens auf ein Königspaar – in Zwergengröße! Fasziniert folgt sie ihnen durch einen Tunnel in ein Land voller wundersamer Gestalten: aufrecht gehende Füchse und Katzen, Kobolde, Zyklopen, sechsbeinige Hunde und mysteriöse Vunderwollen!

Lewis Carrolls Alice im Wunderland steht unübersehbar Patin für diese fantasiereiche Geschichte voller skurriler Kreaturen und wundersamer Wendungen.

Camille Jourdy schickt ihre bunte kleine Gemeinschaft auf eine Reise voller Überraschungen und lässt kleine und große Leser gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Gewiss ein wundervolles und außergewöhnliches Buch!

 

Vielen Dank an Rebecca Dautremer und an das internationale literaturfestival berlin! Wir freuen uns sehr!