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Instagram-Verlosung : #Girlsplaining

Warum haben wir vor dem Wort “Vulva” mehr Angst als vor “Voldemort”? Müssen wir uns wirklich für unsere Körperbehaarung schämen? Wieso werden im Schulunterricht hauptsächlich männliche Autoren gelesen? Und warum sind die Geschlechterrollen bei Kinderspielzeug in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stecken geblieben?

InGirlsplaininggeht Katja Klengel diesen Fragen auf den Grund und schildert mit Humor und schonungsloser Offenheit ihre persönlichen Erfahrungen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten – und was es für sie bedeutet, heute eine Frau zu sein.

Zum Internationalen Frauenkampftag am 8. März stellen wir Euch zurzeit einige unserer feministischen Stimmen vor. Da ist GIRLSPLAINING von Katja Klengel selbstverständlich nicht wegzudenken! Aus diesem Anlass verlosen wir insgesamt 5x SIGNIERTE GIRLSPLAINING + GOODIE BAG. Mitmachen geht ganz easy:

• folge uns (@reprodukt_berlin) auf Instagram

• like das Verlosungsposting

• verrate uns in den Kommentaren, was auf Deinem Demoschild zum Internationalen Frauenkampftag steht …

Bis Dienstag, den 9.03.2021 hast Du Zeit an der Verlosung teilzunehmen – Viel Glück! 

Am Mittwoch, den 10.03.2021 losen wir die glücklichen Gewinner:innen aus und werden dann per Privatnachricht kontaktiert. Unsere Social Media Teilnahmebedingungen findest Du hier:

1. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Instagram und wird in keiner Weise von Instagram gesponsert, unterstützt oder organisiert. Die Empfänger:in der von der Teilnehmer:in bereitgestellten Informationen ist nicht Instagram, sondern REPRODUKT, Gottschedstraße 4 / Aufgang 1, 13357 Berlin, Germany, als Betreiber:innen des Reprodukt Instagram Accounts (reprodukt_berlin) (kurz: „Veranstalter:innen“). Die bereitgestellten Informationen werden einzig für das Gewinnspiel verwendet.
2. Eine Teilnahme am Gewinnspiel ist ausschließlich zu den hier aufgeführten Bedingungen möglich. Mit der Teilnahme erkennt die Teilnehmer:in diese Teilnahmebedingungen ausdrücklich an. Die Veranstalter:innen behalten sich vor, das Gewinnspiel zu jedem Zeitpunkt ohne Vorankündigung und ohne Angabe von Gründen abzubrechen oder zu beenden.
3. Das Gewinnspiel beginnt am 5. März und endet am 9. März.
4. Zu gewinnen gibt es 5x signierte “Girslplaining” + Goodie Bags.
5. Die Anmeldung zum Gewinnspiel erfolgt über das Folgen unseres [Instagram Accounts](https://www.instagram.com/reprodukt_berlin/) und einem Kommentar unter unserem Gewinnspielsposting.
6. Bilder und Kommentare, die gegen die Instagram-Richtlinien, deutsches Recht, unsere Netiquette und/oder das Copyright verstoßen, werden nach Kenntnisnahme ohne Ankündigung entfernt. Die Teilnehmer:in ist damit von der Verlosung ausgeschlossen.
7. Die Verlosung des Gewinns erfolgt nach Ablauf des Durchführungszeitraumes unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Teilnahme an der Verlosung setzt für alle Teilnehmenden das Abonnieren des Reprodukts-Accounts voraus und einen Kommentar unter dem zugehörigen Post von Reprodukt.
8. Die Gewinner:in werden über die Direct Message Funktion von Instagram informiert. Gewinner:innen müssen innerhalb von 5 Werktagen (ab Gewinnbenachrichtigung) ihre Kontakt- und Adressdaten per „Direct Message“ an die Reprodukt Instagram-Seite oder per E-Mail an andrea.cisnado@reprodukt.com melden. Sollten Gewinner:innen die Annahme des Gewinnes in dieser Zeit nicht bestätigen, verfällt ihr Anspruch auf den Gewinn ersatzlos. Es wird dann nach gleichem Vorgehen eine Ersatzgewinner:in ermittelt. Eine Verpflichtung zur Annahme des Gewinnes besteht nicht.
9. Soweit im Rahmen des Gewinnspiels personenbezogene Daten von Teilnehmern erfasst werden, werden diese vom Veranstalter ausschließlich zum Zwecke der Durchführung des Gewinnspiels erhoben, verarbeitet und genutzt sowie nach Beendigung des Gewinnspiels gelöscht. Die Teilnehmer:in erklärt sich damit ausdrücklich einverstanden. Die Teilnehmer:in kann diese Zustimmung jederzeit durch Brief oder E-Mail widerrufen. Für die Korrektheit und Vollständigkeit seiner abgeschickten Daten ist die Teilnehmer:in selbst verantwortlich.
10. Die Bilder aller Teilnehmer:innen dürfen während des Gewinnspiels für den Instagram-Account von Reprodukt verwendet werden. Das Bild der Gewinner:in darf für den Instagram Account von Reprodukt verwendet werden.
Die personenbezogenen Daten der Teilnehmer werden von den Veranstalter:innen unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen genutzt und erhoben.
Die Einwilligung kann jederzeit durch Löschung des entsprechenden Kommentars widerrufen werden. In diesem Fall erklärt die Teilnehmer:in zugleich, an dem Gewinnspiel nicht mehr teilzunehmen.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Interview mit Max Baitinger (“Sibylla”) zum 400. Geburtstag von Sibylla Schwarz

Am heutigen Sonntag, dem 14. Februar 2021, jährt sich zum 400. Mal der Geburtstag von Sibylla Schwarz. Geboren 1621 in Greifswald, mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, begann sie schon als Kind damit, Gedichte zu verfassen, die für ihr Alter außergewöhnlich tiefgründig und ausgeklügelt waren. Leider starb sie bereits im Alter von 17 Jahren an der Ruhr. Im 17. Jahrhundert als wohl bedeutendste Barockdichterin betrachtet, geriet Sibylla später weitestgehend in Vergessenheit.

Max Baitinger, Autor und Zeichner von BIRGIT (Reprodukt), HEIMDALL und RÖHNER (beide Rotopolpress), arbeitet zurzeit an einer Graphic Novel über Sibylla Schwarz. Darin verbindet er das Leben und Werk des Wunderkindes mit seiner ganz eigenen Betrachtung ihrer Person. Im vorigen Jahr wurde Max Baitinger für SIBYLLA bereits mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es: “Gewitzt und gekonnt beginnt er ein Erzählgerüst aus verschiedenen Ebenen zu konstruieren, das von bemerkenswerter grafischer Stärke zeugt.”

Anlässlich des 400. Geburtstages von Sibylla Schwarz habe ich mit Max Baitinger über sein aktuelles Projekt und die Person Sibylla gesprochen.

Vielen Dank, Max, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über dein aktuelles Projekt SIBYLLA zu reden. Dein nächstes Buch dreht sich um das Leben von Sibylla Schwarz, einer deutschen Barockdichterin, die früh gestorben und heute eher unbekannt ist. Wie bist du auf Sibylla Schwarz aufmerksam geworden? Warum hast du gerade sie zum Zentrum deines neuen Projektes gemacht? Was fasziniert dich so an ihr?

Bertram Reinecke, der Sibyllas Gesamtwerk neu auflegt, hatte mir vorgeschlagen, eine Graphic Novel über sie zu machen und ich habe ihm keine Hoffnungen gemacht. Barocke Lyrik war (und ist) mir fremd und angesichts der zeitintensiven Arbeit suche ich mir meine Themen lieber selber. Aber ihre Lebensumstände haben mich schon fasziniert. Sie wurde nur siebzehn Jahre, hat diese ausschließlich im dreißigjährigen Krieg verbracht und ein umfangreiches Werk hinterlassen. Allem voran musste ich auch über die Ironie der Geschichte lachen: sie soll “das erste kompromisslos feministische Gedicht” überhaupt verfasst haben, wurde die “pommersche Sappho” genannt und nur von Männern verlegt und erforscht (fast). Und da sitze ausgerechnet ich mit ein paar anderen Kerlen am Tisch beim Bier und plane eine Graphic Novel. Das war der Auslöser. Es geht also um Sibylla und was aus ihr gemacht werden soll.

Wie verlief deine Recherche zu Sibylla?

Bertram hat mich an den Sibylla Schwarz e.V. in Greifswald verwiesen, wo ich Walter Baumgartner, Monika Schneikart und Michael Gratz kennengelernt habe, die zu Sibylla forschen. Mich hat vor allem interessiert, welche Perspektive die drei auf Sibylla haben. Von ihnen habe ich auch die reproduzierte Originalausgabe der Gedichte erhalten, sowie Aufsätze über Sibyllas Werk. Aber ich bin damit nicht systematisch vorgegangen sondern habe eher einzelne Aspekte aus Werk und Gesprächen herausgegriffen, die ich zu Schwerpunkten meines Buches gemacht habe.

Welcher Eindruck von Sibyllas Person entstand bei dir während deiner Recherche?

Für mich war Sibylla vor allem zur falschen Zeit am falschen Ort. Mir scheint, sie war hochbegabt. Verfasste schon mit vierzehn-fünfzehn Jahren die überlieferten Sonette während sie in einem Umfeld lebte, dass nicht viel für ihre Begabungen übrig hatte. Mir gefällt, mit welcher Liebe sie Beziehungen zu ihren Mitmenschen pflegte, indem sie jene in ihre Kunst mit einbezog.

Über Sibyllas Leben ist relativ wenig bekannt und einige Angaben widersprechen sich auch. Wie bist du mit diesen Lücken in ihrem Lebenslauf bei deiner Arbeit zurechtgekommen?

Die Lücken haben mir die Arbeit erst ermöglicht. Gäbe es eine ausführliche Biografie über Sibylla Schwarz, stünde mein Buch unter dem Anspruch, “authentisch” zu sein. So ein Buch würde ich nicht machen wollen.

Sibylla hat sich seinerzeit als Dichterin aktiv gegen eine von Männern beherrschte Domäne widersetzt. Denkst du, dass sie und ihre Gedichte heutzutage wieder stärker in den Fokus gerückt werden sollten? Wie groß ist Sibyllas Einfluss auf die Nachwelt?

Ich möchte vor allem diesen nötigen Widerstand in den Fokus rücken. Und die Kritik an Männerdomänen ist ja heute noch angemessen. Ich wollte ihr auch außerhalb Barock-Lyrik-interessierter Kreise mehr Aufmerksamkeit ermöglichen. Das hat sie verdient. Mir scheint, sie hat ihr kurzes Leben lang nur Gegenwind gehabt und trotzdem einen Umgang damit gefunden.

Du vermischt in dem Buch die Dokumentation deines Arbeitsprozesses mit Episoden aus Sibyllas Leben. Wieso hast du diese Erzählweise gewählt?

Die Textebene des Buchs gibt meine und andere gegenwärtigen Stimmen wieder. Die Bildebene folgt Sibylla. Ich wollte ihr die Möglichkeit geben, sich als Figur zu entfalten und parallel dazu Gedanken zu dem Buch selber zu äußern um unsere Perspektive auf Sibylla zu hinterfragen. Das Zusammenspiel dieser Ebenen hat den Reiz für mich ausgemacht. Mal scheinen es ihre eigenen Gedanken zu sein, mal widersprechen sie ihrem Handeln. Für mich gehört das zu dieser Arbeit dazu: Es ist Sibylla. Und sie ist es nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Max!

“Sibylla” von Max Baitinger erscheint im Herbst 2021 bei Reprodukt.

Mehr von Max Baitingers Arbeit könnt ihr auf www.maxbaitinger.com und auf seinem Instagram-Account @maxbaitinger sehen.

Instagram Verlosung – #Kiste

Mattis ist Bastler. Und Erfinder. Da kann er die Kiste natürlich bestens brauchen, die er eines Tages vor dem Haus findet. Er staunt allerdings nicht schlecht, als die ihn plötzlich fröhlich begrüßt. Eine lebende Kiste!

Heute erscheinen im Loewe Verlag neue Loewe Wow! Bücher – diesmal mit dabei: Mattis & Kiste – Abenteuer im Ferienlager. Ein wundervoller Anlass für eine Verlosung. Zusammen mit Loewe verlosen wir insgesamt 6 KISTE Pakete:

1.)  1x Kiste (signiert) + 1x Kiste – Fluchtmücken und Wetterzauber (signiert) + 1x Mattis & Kiste – Abenteuer im Ferienlager
2.) 1x Kiste (signiert) + 1x Mattis & Kiste – Abenteuer im Ferienlager
3.) – 6.) 1x Kiste Band deiner Wahl + 1x Mattis & Kiste – Abenteuer im Ferienlager

Mitmachen geht ganz easy:


• folg @loewe.verlag und uns (@reprodukt_berlin) auf Instagram

• Like das Verlosungsposting

• Verratet uns in den Kommentaren, was bei Euch schon lange in einer Kiste schlummert….

Bis zum 17.02.2021 hast Du Zeit an der Verlosung teilzunehmen – Viel Glück! 

Am Donnerstag, den 18.02.2020 losen wir die glücklichen Gewinner:innen aus und werden dann per Privatnachricht kontaktiert. Unsere Social Media Teilnahmebedingungen findest Du hier:

1. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Instagram und wird in keiner Weise von Instagram gesponsert, unterstützt oder organisiert. Die Empfänger:in der von der Teilnehmer:in bereitgestellten Informationen ist nicht Instagram, sondern REPRODUKT, Gottschedstraße 4 / Aufgang 1, 13357 Berlin, Germany, als Betreiber:innen des Reprodukt Instagram Accounts (reprodukt_berlin) (kurz: „Veranstalter:innen“). Die bereitgestellten Informationen werden einzig für das Gewinnspiel verwendet.
2. Eine Teilnahme am Gewinnspiel ist ausschließlich zu den hier aufgeführten Bedingungen möglich. Mit der Teilnahme erkennt die Teilnehmer:in diese Teilnahmebedingungen ausdrücklich an. Die Veranstalter:innen behalten sich vor, das Gewinnspiel zu jedem Zeitpunkt ohne Vorankündigung und ohne Angabe von Gründen abzubrechen oder zu beenden.
3. Das Gewinnspiel beginnt am 10. Februar und endet am 17. Februar.
4. Zu gewinnen gibt es sechs Buchpakete jeweils mit verschiedenen “Kiste Bänden” und ein mal “Mattis & Kiste – Abenteuer im Ferienlager” (Loewe Verlag).
5. Die Anmeldung zum Gewinnspiel erfolgt über das Folgen unseres [Instagram Accounts](https://www.instagram.com/reprodukt_berlin/) und dem [Instagram Account von Ullstein Buchverlag](https://www.instagram.com/loewe.verlag/) und einem Kommentar unter unserem Gewinnspielsposting.
6. Bilder und Kommentare, die gegen die Instagram-Richtlinien, deutsches Recht, unsere Netiquette und/oder das Copyright verstoßen, werden nach Kenntnisnahme ohne Ankündigung entfernt. Die Teilnehmer:in ist damit von der Verlosung ausgeschlossen.
7. Die Verlosung des Gewinns erfolgt nach Ablauf des Durchführungszeitraumes unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Teilnahme an der Verlosung setzt für alle Teilnehmenden das Abonnieren des Reprodukts und Loewe-Accounts voraus und einen Kommentar unter dem zugehörigen Post von Reprodukt.
8. Die Gewinner:in werden über die Direct Message Funktion von Instagram auf Instagram informiert. Gewinner:innen müssen innerhalb von 5 Werktagen (ab Gewinnbenachrichtigung) ihre Kontakt- und Adressdaten per „Direct Message“ an die Reprodukt Instagram-Seite oder per E-Mail an andrea.cisnado@reprodukt.com melden. Sollten Gewinner:innen die Annahme des Gewinnes in dieser Zeit nicht bestätigen, verfällt ihr Anspruch auf den Gewinn ersatzlos. Es wird dann nach gleichem Vorgehen eine Ersatzgewinner:in ermittelt. Eine Verpflichtung zur Annahme des Gewinnes besteht nicht.
9. Soweit im Rahmen des Gewinnspiels personenbezogene Daten von Teilnehmern erfasst werden, werden diese vom Veranstalter ausschließlich zum Zwecke der Durchführung des Gewinnspiels erhoben, verarbeitet und genutzt sowie nach Beendigung des Gewinnspiels gelöscht. Die Teilnehmer:in erklärt sich damit ausdrücklich einverstanden. Die Teilnehmer:in kann diese Zustimmung jederzeit durch Brief oder E-Mail widerrufen. Für die Korrektheit und Vollständigkeit seiner abgeschickten Daten ist die Teilnehmer:in selbst verantwortlich.
10. Die Bilder aller Teilnehmer:innen dürfen während des Gewinnspiels für den Instagram-Account von Reprodukt verwendet werden. Das Bild der Gewinner:in darf für den Instagram Account von Reprodukt verwendet werden.
Die personenbezogenen Daten der Teilnehmer werden von den Veranstalter:innen unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen genutzt und erhoben.
Die Einwilligung kann jederzeit durch Löschung des entsprechenden Kommentars widerrufen werden. In diesem Fall erklärt die Teilnehmer:in zugleich, an dem Gewinnspiel nicht mehr teilzunehmen.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Mawil ausgezeichnet mit dem Wilhelm-Busch-Preis 2021

© Foto: “Karoline Bofinger

Das Wochenende beginnt mit einer wunderbaren Nachricht: Der Berliner Comickünstler Markus “Mawil” Witzel („Kinderland”, „Lucky Luke sattelt um”) wird für sein Werk mit dem Wilhelm-Busch-Preis 2021 für satirische und humoristische Zeichenkunst und Versdichtung geehrt.

Der Wilhelm-Busch-Preis ist eine der wichtigsten Ehrungen für humoristische Kunst im deutschsprachigen  Raum und wird alle zwei Jahre von der Stiftung Sparkasse Schaumburg, der Schaumburger Landschaft und den Schaumburger Nachrichten verliehen. In der Vergangenheit wurden Künstler*innen wie Hans Traxler, Ralf König, F. W. Bernstein und Loriot mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis bedacht.

Mawil zählt zu den profiliertesten und umtriebigsten Comiczeichner*innen der jungen deutschen Szene, zusammen mit Zeichner*innen wie Flix, Reinhard Kleist und Isabel Kreitz hat er Anfang der Nuller Jahre die deutsche Comiclandschaft erneuert und viele nachfolgende Zeichnerinnen und Zeichner geprägt. Den Reprodukt-Verlag begleiten seine oft autobiografischen, verschmitzen und stets pointierten Comicerzählungen seit bald 20 Jahren: 2003 erschien sein erster Comic bei uns, die bittersüße Schlussmachmär „Wir können ja Freunde bleiben”, gefolgt von dem ebenfalls autobiografischen Comicband „Die Band” über die Mühsal, eine vernünftige Schulband auf die Beine zu stellen (2004).

“Alle seine Comics zeichnet bereits beginnend mit seinen Frühwerken „Strandasafari” und „Wir können ja Freunde bleiben” ein gleichzeitig sehr lockerer wie auch ungemein stilsicherer Zeichenstrich aus – der ganz spezielle Mawil-Stil”, schreibt die  Wilhelm-Busch-Preis-Jury. “Der Künstler selbst siedelt diesen zwischen klassischem Funny und spontanem Krakel an. Die Zeichnungen strahlen so eine ungekünstelte Authentizität aus, die perfekt zu den sehr persönlichen Inhalten seiner Werke passt.”

Für seine Darstellung einer Kindheit in Ost-Berlin am Vorabend des Mauerfalls, „Kinderland”, erhielt er 2015 den “Max und Moritz”-Preis als “Bester deutschsprachiger Comic”. Zwischen 2006 und 2019 gestaltete er über Hundert Comicstrips für die Berliner Tageszeitung Der Tagesspiegel, von den eine Auswahl 2015 in dem Schallplatten-großen Sampler “The Singles Collection” gesammelt wurde. In seinen Tagesspiegel-Strips „konnte er sich – gepaart mit einer unglaublichen Detailfülle in den Zeichnungen – nicht nur in die Tradition der großen amerikanischen Zeitungs-Comics stellen, sondern eroberte sich mit diesem grandiosen Comic-Schaufenster schon in jungen Jahren ein veritables Massenpublikum.” (Pressemitteilung Wilhelm-Busch-Preis)

2019 durfte Mawil als erster deutscher Comiczeichner “Lucky Luke” in Szene setzen. „Wie er diese sich überraschend gut in das Setting des Originals einpassende Aufgabe bewältigte und gleichzeitig einen authentischen Mawil-Comic ablieferte, unterstreicht die Meisterschaft dieses Künstlers, von dem auch in den nächsten Jahren sicherlich noch Großes zu erwarten ist.”

Mawil ist der erste Wilhelm-Busch-Preisträger, der aus den Neuen Bundesländern stammt.

Wir gratulieren Markus aufs Herzlichste und freuen uns mit ihm für diese mehr als verdiente Ehrung.

Zwischen-den-Jahren-Interviews IV: James Sturm

Der Vermonter Zeichner, Autor und Verleger James Sturm gehört zu den einflussreichsten und umtriebigsten Akteuren der US-Independent-Comicszene. Mit AUSNAHMEZUSTAND hat Sturm einen der zeitgeistigsten Comics des Jahres 2020 vorgelegt, schließlich gab es – neben COVID – kaum ein anderes Thema, das die Welt so in Atem gehalten hätte wie die US-Präsidentschaftswahlen im November. AUSNAHMEZUSTAND spielt in den traumatisierenden Wochen vor und nach den US-Wahlen 2016, die den USA und dem Rest der Welt vier Jahre Donald Trump bescherten. In seiner Comicerzählung, die Sturm 2016 quasi in Echtzeit online erstveröffentlicht hatte, verarbeitete er diese niederschmetternde politische Zeitenwende und ihre Auswirkungen auf die kollektive Psyche Amerikas.

Dieses Interview entstand im September 2020, die Wahlen lagen noch zwei Monate in der Zukunft und man spürt die Angespanntheit und die Ernüchterung in James’ Antworten. Für den Autor dieser Zeilen war AUSNAHMEZUSTAND das wichtigste und beste Buch des Jahres. Und dieses Interview hat mir besonders Spaß gemacht. Ich wünsche eine spannende Lektüre, bis morgen an dieser Stelle!

Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über dein neues Buch AUSNAHMEZUSTAND zu plaudern, James. Ich hoffe, dass du meine Einstiegsfrage nicht schon tausendmal gehört hast, aber könntest du uns ein bisschen über deine erste Begegnung mit dem Medium Comic verraten?

Die ersten Comics, die ich selbst gelesen habe, waren Strips in unserer regionalen Tageszeitung. Vor allem die PEANUTS hatten es mir angetan, und ich fing schon in sehr jungen Jahren an, die Buchausgaben der PEANUTS zu sammeln. Als ich ein wenig älter war, entdeckte ich Superhelden-Comics für mich, ich stand vor allen Dingen auf die Marvel-Superhelden. Diese Comics haben mich gefesselt und in mir den Traum geweckt, irgendwann selbst meine eigenen Comicstories zu erzählen.

Du zeichnest und schreibst nicht nur Comics, sondern unterrichtest sie auch – du bist einer der Gründer des Center for Cartoon Studies, einer Comiczeichner-Schule in deinem Heimatstaat Vermont. Hat sich dein Blick auf Comics verändert, seit du selbst ein Comiclehrer bist?

Als Comiczeichner bin ich stets auf der Suche nach Möglichkeiten, mein Können zu verbessern und mich neuen Herausforderungen zu stellen. Ich glaube nicht, dass Unterrichten meine Sicht auf das Medium Comic groß verändert hat, weil ich schon immer der Meinung war, dass Comics endlos viel Potenzial bieten. Wenn überhaupt, dann haben meine talentierten Schülerinnen und Schüler über die Jahre diese Sicht bestätigt.

Hat sich in den 15 Jahren, seit du das Center for Cartoon Studies gegründet hast, der akademische Diskurs um Comics gewandelt? Haben Zeichnerschulen wie das CCS dazu beigetragen, Comics als Fach und als Kunstform auch an anderen Schulen und Institutionen zu verankern?

Das Medium Comic ist in den letzten 15 Jahren regelrecht aufgeblüht. Früher waren Superhelden ein Synonym für Comics, heute sind sie ein „Genre“ und nicht mehr der Mainstream. Eine autobiografische Comicerzählung von Raina Telgemeier (auf Deutsch erscheinen ihre Bücher bei Panini Comics, Anm. des Übersetzers) hat Auflagen, von denen ein Superman-Comic nur träumen kann. Jeder große Publikumsverlag hat inzwischen ein eigenes Graphic-Novel-Segment. Als wir 2005 mit unserer Comicschule angefangen haben, konnte man Einrichtungen wie unsere in den USA an einer Hand abzählen. Heute haben zahlreiche Kunst- und andere Hochschulen Comicschwerpunkte und andere Programme, die den Einstieg in die Comicbranche erleichtern.

Ich will jetzt aber natürlich nicht behaupten, dass diese Entwicklung auch nur im Entferntesten auf unser Engagement zurückzuführen ist. Die Dinge hätten sich sicherlich auch ohne uns so entwickelt. Alles in allem bin ich extrem zuversichtlich, was den Stand und die Zukunft unserer Kunstform anbelangt. Die Szene in den USA strotzt nur so vor Talent. Es ist eine aufregende Zeit.

Viele deiner früheren Arbeit wie MARKTTAG oder auch das leider nicht auf Deutsch übersetzte GOLEM’S MIGHTY SWING sind thematisch in der Vergangenheit angesiedelt. AUSNAHMEZUSTAND ist nun komplett in der Gegenwart verhaftet. Was ist für dich als Erzähler eine größere Herausforderung, Vergangenes zu recherchieren und wieder lebendig werden zu lassen, oder auf die Gegenwart zu blicken und zu versuchen, ihre Essenz und Bedeutung einzufangen?

Als ich AUSNAHMEZUSTAND in Angriff nahm, war es mir wichtig, eine Geschichte in der Gegenwart zu erzählen. Überall um mich herum herrschte eine Art Schockstarre und Fassungslosigkeit in Hinblick auf Trumps politischen Aufstieg. Mir schien, als würde die Hälfte der Bevölkerung sich fragen: „Wie konnte es so weit kommen? Haben wir was verpasst?“ Ich habe mich nur noch mit dem Wahlkampf beschäftigt, hing ständig am Handy und habe die News verfolgt. Ich glaube nicht, dass ich mich auf etwas anderes hätte konzentrieren können, also habe ich meine Geschichte in der Gegenwart platziert. So konnte ich besser verstehen und verarbeiten, was in meinem Land vor sich ging. Und ich konnte das Erlebte festhalten.

Auf den Wahlkampf 2016 und seine Bedeutung für AUSNAHMEZUSTAND würde ich gerne noch zurückkommen. Könntest du uns aber vorher von den Ursprüngen des Projekts erzählen? Ich habe gelesen, dass du erste Ideen schon Jahre vorher skizziert hattest. Was war deine ursprüngliche Idee?

Ich hatte mal ein paar Panels skizziert, über eine Hundefigur am Strand, die mit den Folgen einer Scheidung ringt. Die Seiten lagen dann ein paar Jahre in der Schublade herum, bis ich mich mal während eines „Artist in Residence“-Aufenthalts vor einem Projekt drücken wollte, bei dem ich nicht weiterkam, und dann diese Zeichnungen wieder rauszog. Irgendwie packte mich die Figur wieder und ich schrieb ein AUSNAHMEZUSTAND-Kapitel auf mehrere Karteikarten, eine kleine Kurzgeschichte in 20 Panels oder so. Und dann entwarf ich ein anderes Kapitel, und ehe ich mich‘s versah, war ich mitten in meinem nächsten Buch.

AUSNAHMEZUSTAND wurde 2016 kapitelweise vorveröffentlicht, im US-Online-Magazin SLATE. Wie hat sich diese Erscheinungsweise auf das Endergebnis ausgewirkt? Hattest du ein fixen Plot-Fahrplan oder hat sich die Story organisch entwickelt?

Die Handlung hat sich recht organisch entwickelt. Einige der Kapitel verweisen auf aktuelle Ereignisse (wie die Wahlkampfdebatten), andere sind eher zeitlos. Etliche Kapitel wurden auch nicht in der Reihenfolge geschrieben, in der sie später erschienen sind. Ein fixes Ende für meine Geschichte hatte ich im Vorfeld nicht im Kopf. Aber dadurch, dass ich die Geschichte von Mark und Lisa quasi in Echtzeit entwickelte und veröffentlichte, fühle sich alles irgendwie dringlicher und lebensnaher an.
Die Geschichte von Mark und Lisa ist, wie schon erwähnt, eingebettet in die Zeit des oft schrillen und dauerpräsenten Präsidentschaftswahlkampfs zwischen Donald Trump und Hillary Clinton, und damit auch eingebettet in den Zusammenbruch des politischen und gesellschaftlichen Miteinanders in den USA.

Du erzählst davon, wie Politik in die private Sphäre eindringt und Paare und Familien spaltet. Wie hast du persönlich diese Zeit erlebt?

In meiner Erinnerung überwiegt vor allem ein Gefühl: Fassungslosigkeit. Ich verstand erst im Nachhinein, wie verachtenswert und skrupellos Donald Trump als Mensch wirklich ist. Vor der Wahl hatte ich nur eine vage Ahnung. Ich habe nie seine Fernsehshows geguckt oder mich sonderlich mit ihm als öffentlicher Person auseinandergesetzt. Ich hatte keine Ahnung, welche Untiefen da noch zutage kommen würden. Die Arbeit an AUSNAHMEZUSTAND hat mir geholfen, das alles zu verarbeiten. An einer Comicgeschichte zu arbeiten, hilft mir auch, mich mit Ängsten und Sorgen zu befassen, es gibt mir das Gefühl, als hätte ich ein Mindestmaß an Einfluss auf Ereignisse, die sich in Wirklichkeit komplett meiner Kontrolle entziehen.

Inzwischen haben die USA und der Rest der Welt fast vier Jahre Donald Trump hinter sich und die nächsten Wahlen liegen knappe zwei Monate entfernt. Wie ist das jetzt für dich, auf 2016 zurückzublicken? Und wie zuversichtlich blickst du in die Zukunft?

Ich hoffe, dass 2016 ein Umdenken bewirkt hat und dass genug Leute begreifen, was mit diesem Land nicht stimmt, und etwas dagegen unternehmen. Keiner kann jetzt behaupten, dass er nicht wüsste, wer Donald Trump ist und was er repräsentiert. Das Widerwärtige, wofür Trump einsteht – der Rassismus, die Korruption, die Ignoranz, der Sexismus … –, waren schon immer Teil unseres politischen Diskurses, und die Republikanische Partei hat das alles nur ans Tageslicht gebracht. Was früher Subtext war, ist jetzt eine offene, dreiste Forderung. Ich hoffe, dass die Medien und die Demokraten aus 2016 ihre Lehren gezogen haben, aber ich bin mir nicht sicher, ob das der Fall ist. Man kann nur hoffen, dass sie Trumps Verdorbenheit nicht ein zweites Mal unterschätzen.
Was die Wahlen im November anbelangt, fällt es schwer, zuversichtlich zu sein. Trump wird alles in seiner Macht Stehende tun, um sich an sein Amt zu klammern. Während ich diese Zeilen schreibe, versucht er die US-Postbehörde lahmzulegen, um Briefwahlen in Pandemiezeiten zu erschweren. Was die Zukunft des Landes anbelangt, versuche ich trotz allem optimistisch zu bleiben. Man darf die Hoffnung nicht verlieren, dass sich die Dinge auch mal zum Besseren wenden können. Letztes Jahr habe ich an einem Comic über Demokratie und Regierungswesen gearbeitet, der an Schulen im ganzen Land verteilt wurde. Ich werde mich auch weiter dafür einsetzen, zu lehren und aufzuklären, und dabei auf das Beste zu hoffen. Das Handtuch in den Ring zu werfen, ist keine Option.

Woran arbeitest du gerade?

Ich arbeite aktuell zusammen mit dem Zeichner Joe Sutphin an einer Graphic-Novel-Adaption des Jugendbuchs „Watership Down“. Und ich arbeite an Comics über geistige Gesundheit und das US-Gesundheitssystem, die sich ähnlich wie mein Demokratie-Comic an Schülerinnen und Schüler richten. Ich poste regelmäßige Work-in-Progress-Bilder undSkizzen auf meinem Instagram-Account:
@james_sturmish.

Vielen Dank für das Gespräch, James.

Zwischen-den-Jahren-Interviews III: Mariko & Jillian Tamaki

Für dieses Interview haben wir ein bisschen in der digitalen Mottenkiste des Pressearchivs gewühlt. Das Gespräch mit den kanadischen Comickünstlerinnen Mariko und Jillian Tamaki entstand bereits 2015 zum Erscheinen der deutschen Ausgabe von EIN SOMMER AM SEE, dem sicherlich schönsten Jugendcomic im Portfolio von Reprodukt. 2020 erschien eine verkleinerte, kostengünstigere und formschöne Taschenbuch-Ausgabe von EIN SOMMER AM SEE. Aus diesem Grund veröffentlichen wir an dieser Stelle das fünf Jahre alte, aber nach wie vor charmante Gespräch mit den beiden vielfach prämierten Künstlerinnen. Viel Spaß dabei!

Liebe Mariko, Sie haben bereits mehrere Graphic Novels veröffentlicht. Wie sind Sie dazu gekommen, Comicautorin zu werden?

Mariko Tamaki (TM): Es fing damit an, dass ich die Möglichkeit bekam, für ein Literaturmagazin namens „Kiss Machine“ in Toronto einen Comic zu schreiben. Die Redakteurin, Emily Pohl-Weary, lud neue Künstler ein, gemeinsam an einem Kurzcomic zu arbeiten. Dieser Minicomic, SKIM, war mei erster Comic mit Jillian Tamaki. Als Groundwood Books Interesse daran signalisierte, wurde das schließlich unsere erste gemeinsame Graphic Novel.

Wie sieht der Schaffensprozess aus, wenn Sie an einem Buch arbeiten? Wie ist die Arbeit aufgeteilt?

MT: Comics entstehen auf eine ganz eigene Art, die sich sehr von Prosa unterscheidet. Bei Comics liegt der Fokus auf dem Skript und der Erzählung. Mein persönliches Ziel ist es, alles sehr offen zu halten, denn das meiste, was auf der Seite passiert, was der Leser sieht, sind schließlich die Illustrationen. Es ist eine ungewöhnliche Art, eine Geschichte zusammenzufügen, aus diesen ganzen Einzelteilen. Ich versuche mir vorzustellen, wie sich die Geschichte abspielt, als wäre ich eine Fliege, die an der Wand sitzt und beobachtet, wie sich die Dialoge entspinnen. Der Erzähler ist wie eine zweite Version von mir selbst und beobachtet die Entwicklung der Geschichte, während „ich“ zugleich ein Charakter in der Erzählung bin. Mir gefällt die Vorstellung, dass das nur eine begrenzte Perspektive ist, und ich versuche immer, damit zu spielen, was die Charaktere zu einem bestimmten Zeitpunkt wissen oder eben noch nicht. Wenn ich damit fertig bin, habe ich im Wesentlichen ein Theaterskript (die Erzählweise, Dialoge, Schauplätze) für Jillian beisammen, und dann ist es ihre Aufgabe, das Ganze zu interpretieren und auszufüllen. Was ein riesen Haufen Arbeit ist, das weiß ich. Ein. Riesen. Haufen. Also versuche ich zu helfen, so gut es geht. Und ich warte auf das Unvermeidliche: die Veränderungen. Denn sobald man die visuelle Ebene hinzufügt, fängt das Ganze an, wie von selbst zu laufen. Das ist witzig, denn die Gespräche, die wir führten, nachdem ich das Skript fertig hatte, waren fantastisch. Es ist so, als würde man über diese fiktionale Familie sprechen, die sich fast wie die eigene Familie anfühlt, und sich dann denken “Was ist mit Alice los?”. Ich hatte das Gefühl, dass die Frage “Wie können wir Alice helfen?” immer wieder auftauchte, und ich glaube, sie trug wesentlich zur endgültigen Geschichte bei.

Jillian Tamaki (JT): Die Leute sind oftmals erstaunt, dass unsere Bücher in Zusammenarbeit entstehen, denn für sie erweckt es oft den Anschein, als seien die Bücher von einer einzelnen Person gemacht. Das ist ein riesiges Kompliment. Ich versuche immer, der Arbeit von Mariko (oder von anderen generell) gerecht zu werden, obwohl ich auch meine eigene Note in die Entwicklung der Charaktere und der Geschichte einfließen lasse.

Womit beginnen Sie, wenn Sie einen Charakter entwickeln?

MT: Ich versuche mir vorzustellen, was die Figuren sagen, wie sie sprechen würden. Sobald ich verinnerlicht habe, wie sich jemand ausdrückt, habe ich das Gefühl zu verstehen, wie er oder sie tickt.

JT: Ich überlege mir einen Charakter, den ich aus verschiedensten Perspektiven zeichnen kann. Da bin ich sehr pragmatisch.

Was hat Sie zu EIN SOMMER AM SEE inspiriert?

MT: In meiner Kindheit habe ich fast jeden Sommer in einem Landhaus in Northern Ontario verbracht, woher ein großer Teil der Inspiration rührte. Es ist ein sehr eindrucksvoller, wunderschöner Ort, und ich dachte mir, das wäre eine gute Kulisse für eine Geschichte. Außerdem wurden mir als Kind viele von diesen seltsamen „So und so wirst du schwanger“ oder „Pass bloß auf, dass du nicht schwanger wirst“-Mythen erzählt, und etwas in der Art wollte ich schon immer in eine Geschichte einbauen. Ist es also eine autobiografische Geschichte?

MT: Als SKIM herauskam, vermuteten viele Leute aufgrund der Ähnlichkeiten zwischen dem Hauptcharakter und mir, dass das keine fiktionale Geschichte sein kann. Tatsächlich aber ist die Geschichte fiktional. Als ich dann EIN SOMMER AM SEE“ schrieb, versuchte ich mich wirklich von dem zu entfernen, was mich unmittelbar selbst betrifft, was mich selbst ausmacht. Trotzdem: Kindheitserinnerungen sind eine unbezahlbare Inspirationsquelle. Man braucht Erinnerungen, um schreiben zu können. Es geht aber auch darum, was man in seinem gegenwärtigen Leben beobachtet. Die kindlich-naive Komponente in EIN SOMMER AM SEE ist zum Großteil von Kindern inspiriert, die ich später kennenlernte und die ich faszinierend fand.

Warum haben Sie für EIN SOMMER AM SEE blaue Tusche gewählt?

JT: In erster Linie dachte ich, es würde cool aussehen. Es ist zugleich eine Bezugnahme auf klassische Manga und Risographie. Aber ich glaube, dass es den Zeichnungen auch eine undefinierbare Melancholie und Nostalgie und somit eine zusätzliche Bedeutungsebene verleiht.

Wie würden Sie Rose und Windy jemandem beschreiben, der den Comic nicht gelesen hat? Gibt es Ähnlichkeiten zwischen Ihnen und diesen beiden Figuren?

MT: Rose ist schon fast ein Teenager. Sie verbringt viel Zeit damit, die Dinge um sich herum zu verstehen, vor allem die Menschen in ihrem Umfeld. Sie ist unglaublich neugierig, aber auch unglaublich frustriert über ihre Eltern, die gerade eine schwere Phase in ihrer Beziehung durchmachen. Windy ist jünger. Sie ist ein Kind mit viel Freigeist. Sie ist ziemlich zufrieden mit der Welt um sich herum, auch mit den Dingen, die sie eigentlich doof findet. Am liebsten tanzt sie und macht alles, was Kinder eben gerne machen. Die Erwachsenen um sie herum interessieren sie nicht sonderlich. Ich glaube, ich war in meinem Leben sowohl Rose als auch Windy.

Ein wesentliches Thema Ihrer Arbeit sind die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Was verbinden Sie persönlich mit dieser Lebensphase?

MT: Ich glaube, ich interessiere mich vor allem dafür, worin sich das Erwachsensein konkret äußert. Zum einen stellt sich die Frage, woher man weiß, dass man erwachsen ist: Jobs, Steuern, Beziehungen, Verpflichtungen. Dann ist da die Frage, wie man das Erwachsensein angeht. Für mich ist das besonders in der Jugendliteratur ein großes Thema, denn das ist es, was man als Teenager tut, man versucht, erwachsen zu werden. Vielleicht bin ich einfach nur unreif und mache mir deshalb ständig Notizen zu solchen Fragen.

EIN SOMMER AM SEE handelt auch von mehreren Frauen, die mit dem Thema ‚Schwangerschaft und Kinder‘ auf sich gestellt sind. Warum war es Ihnen beiden so wichtig, verschiedene Facetten dieses Themas aufzuzeigen, oder vielmehr verschiedene Lebensentwürfe?

MT: Ich glaube, Mutterschaft ist ein ziemlich wichtiges Thema. Wenn man noch ein Kind ist, wird viel über Mütter gesprochen und wie Frauen Babys bekommen, doch als Teenager ist es dann das Wichtigste, auf keinen Fall schwanger zu werden. Davon abgesehen gibt es noch viele weitere Aspekte. Als ich für eine kommunale Elterngruppe in Toronto arbeitete, las ich eine Statistik über Fehlgeburten, und ich hatte keine Ahnung, wie viele Frauen diese Erfahrungen gemacht haben. Ich bekam das Gefühl, dass dieser Aspekt von Mutterschaft – der erfolglose Versuch, schwanger zu werden – in die Debatte mit einfließen könnte.

EIN SOMMER AM SEE hat zahlreiche literarische Preise gewonnen, u.a. die Caldecott Honor Medal. Was bedeuten Ihnen diese Auszeichnungen?

MT: Künstler zu sein, ist eine oft undankbare Arbeit, die gleichzeitig von den Reaktionen der Leser, Betrachter und so weiter getragen wird. Natürlich ist es gut zu wissen, dass einige „wichtige“ Leser (Bibliothekare) deine Arbeit so gut finden, dass sie sie auszeichnen. Es bedeutet, dass man auf dem richtigen Weg ist oder zumindest etwas richtig macht. Ich glaube, der Trick ist, dass man sich davon nicht hinreißen lässt, nur noch Dinge zu tun, für die man Anerkennung bekommt, oder Dinge, von denen man glaubt, dass sie Anerkennung einbringen werden. Das ist also eine tolle Sache, aber ich will mich nicht darauf ausruhen oder es als Aushängeschild benutzen.

JT: Sehe ich genauso!

Hatten Sie beim Verfassen von EIN SOMMER AM SEE eine bestimmte Zielgruppe im Kopf?

MT: Ich wusste, dass EIN SOMMER AM SEE in einem Verlag für Jugendbücher erscheinen wird. Und ich wusste, dass es, zumindest teilweise, von Jugendlichen handeln wird. Aber ich glaube nicht, dass ich es für jemand bestimmten gemacht habe, abgesehen von Jillian und mir. Darüber hinaus denke ich, das wäre nur ein Ratespiel gewesen. Und wer mag so etwas schon?

JT: Ich versuche, Bücher zu machen, die Erwachsene ansprechen, auch wenn sie technisch gesehen als „Jugendbuch“ definiert werden. Ich mache mir eigentlich weniger Gedanken darüber, was Kindern gefallen würde.

Wie denken Sie darüber, dass EIN SOMMER AM SEE als ‚Kinderbuch‘ bezeichnet wird?

MT: Nun, es ist kein Kinderbuch. Ich würde sagen, es ist ein Buch für Leser ab 12 Jahren. Ich würde gern glauben, dass das keine kontroverse Angelegenheit ist, obwohl ich weiß, dass es das für manche Leute ist, denn Leser suchen sich, soweit ich weiß, ihre Bücher selbst aus. Als junger Leser wird man dieses Buch entweder von einem Lehrer, dem Bibliothekar oder von den Eltern bekommen, oder aber man findet es selbst irgendwo, schaut es sich an und entscheidet, ob man es lesen möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass einem Kind ein Comic wie EIN SOMMER AM SEE gefallen würde. Das heißt, seit wir etwas Anerkennung von Bibliothekaren bekommen haben und ich noch ein paar mehr Artikel gelesen habe, gefällt mir die Vorstellung, dass man das Buch als Kind lesen kann, dass es auch einen Platz in der Jugendliteratur hat, weil es nicht explizit für junge Leute gemacht ist, aber von diesen handelt. Abgesehen davon geht es darin um Themen, über die ich als Kind nachdachte, also warum nicht?

Ist es ein feministisches Buch?

MT: Ja. Weil es von Feministinnen geschrieben wurde.

Was ist die größte Herausforderung, wenn man an einem Comic arbeitet?

MT: Ich finde, das Redigieren ist ein seltsamer Teil des Entstehungsprozesses. Es braucht eine Menge Vertrauen seitens des Verlages, der letztendlich nur das „Skelett“ der Geschichte kennt und einem freie Hand lässt, den ganzen Körper drumherum zu formen.

JT: Abgesehen von den ewig gleichen Problemen, mit denen sich jeder herumschlägt, der Bücher macht? Die Arbeit. Die Langatmigkeit. Es ist kein besonders lukratives Unterfangen, wenn man sich den Stundenlohn ausrechnet. Die Herausforderungen für Comiczeichner sind oft ökonomischer Natur.

Was raten Sie Leuten, die neu in dieser Branche sind? Die Comics machen wollen?

MT: Legt einfach los!

JT: Um Comics zu machen, braucht man fast nichts: Ihr benötigt einen Bleistift und etwas Kopierpapier und schon kann es losgehen. Ihr müsst die Seiten nicht einmal mehr kopieren, sondern sie lediglich auf Tumblr, Twitter oder Instagram posten – oder welche Plattform auch immer gerade angesagt ist, wenn ihr das lest.

Werden Sie ein weiteres Buch zusammen machen?

MT: Klar, wenn sich ein passendes Projekt ergibt. Ich glaube, dass sich unsere Arbeit stetig weiterentwickelt, also müsste sich das auch in einem neuen Buch widerspiegeln.

JT: Genau.

Zwischen-den-Jahren-Interviews II: Kathrin Klingner

Als Kathrin Klingners neues Buch ÜBER SPANIEN LACHT DIE SONNE Frühjahr 2020 erschien, nahm das COVID-Jahr gerade erst Fahrt auf. Die Buch-Release auf der Leipziger Buchmesse und die anschließende Lesereise fielen ins Wasser, keine Woche nach Erscheinen waren wir im Lockdown. Und es zeichnete sich auch schon früh ab, wie relevant die Themen aus Kathrin Klingners zweiter Comicerzählung – Internet-Trolle, Hate Speech und digitale Verschwörungstheorien – für dieses Jahr werden würden.

Dieses Interview entstand Februar 2020 für unser PDF-Press-Kit. Wir wünschen eine spannende Lektüre und bis morgen an dieser Stelle!

Liebe Kathrin, vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Dein neuer Comic Über Spanien lacht die Sonne erzählt von der Arbeit von Online-Moderator*innen und fusst auf deinen eigenen Erfahrungen. Wie deine Protagonistin Kitty arbeitest auch du als Moderatorin für Kommentare im Netz. Warum und wann hast du dich dazu entschlossen, das Thema in Comicform zu verarbeiten?

Eigentlich war mir schon früh klar, dass ich irgendetwas in Comicform zu diesem Job machen werde, ich wusste nur nicht, dass es gleich ein ganzes Buch wird. Ich hatte in der Vergangenheit sehr viele und teils auch etwas bizarre Nebenjobs und das war immer wieder ein Thema in meinen Comics. Die Einblicke, die man bei der Arbeit in verschiedene Lebensbereiche erhält, sind teilweise so speziell, dass es sich einfach lohnt, sie zu dokumentieren. Einer meiner ersten Comics handelte von den vier Jahren, in denen ich als Weihnachtsdekorateurin arbeitete, in meinem letzten Comic, Katze hasst Welt, war der Schauplatz ein Kaffeeladen, in dem ich während des Studiums gejobbt habe. Tatsächlich habe ich davon beim Vorstellungsgespräch für den Moderatorenjob erzählt, also dass ich in einem Kaffeeladen auf St.Pauli arbeite und darüber einen Comic mache. Meine zukünftigen Chefs fragten dann scherzhaft, ob ich als nächstes einen Comic über sie machen werde. Als ich meinem Chef dann endlich letztes Jahr erzählte, dass ich wirklich an einem Comic über Kommentarmoderatoren arbeite, fragte er nur: „Und soll ich mir jetzt aussuchen, welches Tier ich darin sein will?”

Die Handlung von Über Spanien lacht die Sonne spielt im Jahr 2015, mitten in der so genannten „Flüchtlingskrise“. Kitty wird als Aushilfe in der Moderator*innenagentur eingestellt, bis „es mit den Kommentaren wieder ruhiger wird.“ Wie hast du selbst als Moderatorin diese Monate wahrgenommen? Wie beurteilst du die Zeit im Nachhinein, was die Verschiebungen innerhalb der Online-Diskurse anbelangt?

Im Gegensatz zu Kitty war ich schon fast zwei Jahre Kommentarmoderatorin, als die so genannte “Flüchtlingskrise” losging. In meiner Erinnerung gab es ab dem Sommer 2015 fast kein anderes Thema mehr, zu dem kommentiert wurde. Die nächste Eskalationsstufe waren die Übergriffe an Silvester 2015, als die Anzahl der zu moderierenden Kommentare noch einmal richtig in die Höhe schoss. Neben den Intensivpostern und Hassbürgern meldeten sich nun auch viele User zu Wort, die nicht per se Flüchtlingshasser waren und auch nicht in dem typisch rechten, polemischen Jargon schrieben, sich aber gegen den Islam aussprachen. Hier waren auch auffallend viele Frauen dabei. Oder solche, die sich als Frauen aus gaben, man weiß es ja einfach nicht.
Aber eigentlich kann ich objektiv nicht mehr so richtig sagen, wie das im Einzelnen war. Wir waren einfach zu beschäftigt damit, diese Berge an Kommentaren abzuarbeiten, um uns darüber Gedanken zu machen, was das jetzt im größeren Kontext zu bedeuten hat.
Ich erinnere mich allerdings noch, dass ich einmal von einer Nachtschicht ziemlich aufgewühlt nach Hause kam und in einem Chat-Forum, in dem ich damals viel Zeit verbrachte, so etwas schrieb wie: “Ich moderiere Kommentare und die zunehmende Fremdenfeindlichkeit und der Tonfall machen mich echt fertig und ich weiß nicht, wie es mit der Gesellschaft weitergehen soll.” Ein anderer User schrieb dann zurück, so einen Job gäbe es doch überhaupt nicht und ich sei ein Troll, der sich wichtig machen will.

„Angry White Steuerzahler“, „Tacheles“, „Migrantenschreck“ – das sind einige der Usernames der Leute, deren Tiraden, Mordaufrufe, Umsturzfantasien und Beleidigungen Kitty und ihre Kolleg*innen den ganzen Tag lesen müssen. Was treibt solche Intensivposter an? Hast du das Gefühl, dass die Zahl der Hass-Kommentatoren über die Jahre zunimmt oder hält sich die Zahl des harten Kern konstant?

Was die Motive der User angeht, kann ich natürlich nur raten. Es gibt sicherlich viele klassische Trolle, denen es darum geht, zu provozieren und Grenzen zu übertreten. Da geht es um Aufmerksamkeit, um Freude daran, Empörung ausgelöst zu haben und irgendwie „krass” zu sein. Leute, die dank der Anonymität die Sau rauslassen können, was sie im Alltag wahrscheinlich nicht hinkriegen.
Dann sind auch viele User auf politischer Mission unterwegs und versuchen gezielt, den Diskurs immer weiter nach rechts zu verschieben und testen aus, was man schreiben kann, ohne das es gelöscht wird.
Und natürlich geht es darum, zu einer gefühlten Mehrheit zu gehören. Viele AfD-Sympathisanten sind sehr aktiv in Foren, man hat teilweise beim Lesen den Eindruck, die Kanzlerschaft von Björn Höcke stünde kurz bevor. Und trotzdem ist es in der Realität eine Partei mit einem Ergebnis von 13% bundesweit. Das ist nicht wenig, aber entspricht in keinster Weise der Präsenz, die diese Partei im Internet hat.
Ob die Zahl der Hasskommentatoren zunimmt, kann ich nicht sagen. Wichtiger finde ich allerdings die Frage: Warum interessiert uns denn überhaupt so brennend, was diese Leute schreiben? Wenn irgendwer, über den man überhaupt nichts weiß, unter einem beknackten Fantasienamen im Internet gegen den Islam hetzt oder eine Person des öffentlichen Lebens beleidigt – warum soll man sich eigentlich dafür interessieren?

Hast du das Gefühl, dass du in den Jahren, in denen du den Job machst, schon alles gelesen hast, oder können dich die User immer noch überraschen?

Zuletzt gab es einen User, der über mehrere Monate fast täglich bis zu 20 mal hintereinander gepostet hat, zwar unter verschiedenen Namen, aber eindeutig als dieselbe Person erkennbar. Inhaltlich war jeder Post so absurd rassistisch beleidigend, dass von vornherein eine Veröffentlichung ausgeschlossen war. Das muss diesem User auch klar gewesen sein, spätestens nach ein paar Wochen. Trotzdem hat er einfach immer weiter gepostet, monatelang. Das fand ich schon ein verrückte Vorstellung, dass er diese ganze Energie quasi nur für uns Moderatoren aufwendet.

Trotz des ernsten Themas ist Über Spanien lacht die Sonne ein bisweilen urkomisches Buch. Der Humor entsteht vor allem aus dem Zusammenprall aus stinknormalem Büroalltag und dem bizarren Job, den Kitty und die anderen ausüben. Wie wichtig ist Humor für dich als Erzählerin und welche Rolle spielt Komik in deinem aktuellen Projekt?

Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, „Humor” wäre die Lösung in dieser ganzen vertrackten Thematik von Hass im Internet. Aber Humor ist meine Art, Geschichten zu erzählen, weil man sich als Erzähler auch unangenehmen Dingen so einfacher annähern kann. Das gilt natürlich auch für die Leser, denen durch Komik auch scheußliche Themen serviert werden können, ohne dass sie sofort davor zurückschrecken und dichtmachen. Und mit etwas Distanz betrachtet, gibt die Hassposter-Szene einfach auch viel an unfreiwilliger Komik her: Angefangen bei den selbstgewählten Usernamen bis zur Faszination für Bürgerkriegs- und Untergangsfantasien, die geradezu lustvoll ausgebreitet werden.
Allerdings geht es im Buch wirklich nicht nur darum, möglichst viele Witze über rechte Trolle zu machen. Die Komik geht auch auf Kosten der anderen Figuren, die alle etwas spleenig und mit Schwächen behaftet sind. Normale Leute halt. Und eigentlich die falsche Besetzung, um die Welt vor der Verrohung aus dem Internet zu retten.

In deine Erzählung streust du immer wieder kurze One-Pager ein, auf denen die Agenturmitarbeiter*innen auf vergangene Jobs zurückblicken, die oft kaum weniger absurd sind als ihre aktuelle Tätigkeit. So verankerst du die Arbeit, die Kitty und anderen machen, nicht nur im Kontext des Rechtsrucks der letzten Jahre, sondern auch als Beispiel für die bizarren Auswüchse des Arbeitsmarkts im Internetzeitalters. Warum war dir dieser Aspekt wichtig?

In Kommentaren, besonders zu Migration, ist “Arbeit” immer ein großes Thema: Steuern zahlen, wer nimmt wem die Arbeit weg, wie können Geflüchtete in den Arbeitsmarkt integriert werden, und so weiter. Also fand ich es nur passend, mir diese “Arbeit” mal genauer anzuschauen.
Außerdem gehören die Figuren im Comic, so wie ich, zu einer Altersgruppe, die in den jungen Jahren des Internets ins Arbeitsleben gestartet ist. Wir hatten einerseits die Vorstellung, das Internet würde jetzt irgendwie Jobs für alle generieren und andererseits wurden wir auf maximale Flexibilität und Selbstausbeutung eingeschworen.
Wie diese Internet-Jobs dann in der Realität aussahen, hätten wir uns nicht ausmalen können. Ein paar dieser Jobs wollte ich auch deshalb im Comic erwähnen, weil sie einfach überholt sind und es sie nicht mehr gibt. Nostalgiegründe, sozusagen.

In jüngster Zeit geraten Plattformen wie Facebook und Twitter immer mehr unter Druck, gegen die Flut an Hate-Speech und Falschmeldungen vorzugehen. Hast du das Gefühl, dass sich die öffentliche Wahrnehmung auf das Thema ändert? In welche Richtung wird sich, glaubst du, der Diskurs um Hasskommentare im Netz entwickeln?

Ich habe keine Ahnung, wie sich der Diskurs entwickeln wird. Aber eins ist inzwischen klar: Plattformen wie Facebook oder Youtube haben gar kein Interesse daran, gegen Hate Speech vorzugehen. Und warum auch: Die Aufmerksamkeit, die dadurch generiert wird, ist das, womit riesige Mengen Geld verdient wird. Solange Leute es sich anschauen, und auch wenn sie es nur tun, um sich darüber zu empören, wird es Hate Speech weiterhin geben. Das ganze Konzept entspricht halt der menschlichen Lust am Spektakel: In den frühen Jahren des Internets gab es rotten.com und heute eben den Twitteraccount von Alexander Gauland. Das Internet ist – um es mit den Worten Schlecky Silbersteins zu sagen – die größte Verarschungsmaschine aller Zeiten.

Zwischen-den-Jahren-Interviews I: Lukas Jüliger

Hohoho bzw. Yippee-ki-yay: die Zwischen-den-Jahren-Interviews auf dem Repro-Blog sind wieder da! In den kommenden Tagen werden wir euch an dieser Stelle die besten Zwiesprachen, die wir mit unseren Autor*innen in diesem Jahr für unsere Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehalten haben, präsentieren. Den Anfang macht ein Comic, der 2020 mit der größten Presseaufmerksamkeit bedacht wurde: Lukas Jüligers Influencer-Thriller UNFOLLOW, der diesen Sommer erschienen ist und den DIE ZEIT mit dem begehrten LUCHS-Jugend- und Kinderbuch-Preis ausgezeichnet hat. Für unser Pressedossier sprach Lukas im Interview mit uns über sein Aufwachsen im Schatten der Klimakrise, Cloud Rap, digitale Avatare und die inspirierenden und deprimierenden Aspekte sozialer Medien.

Viel Spaß mit dem Interview!

Lieber Lukas, UNFOLLOW ist deine dritte Veröffentlichung bei einem Comicverlag. Dein Debüt hast du 2013 mit der atmosphärischen Charakterstudie VAKUUM hingelegt. Kannst du ein bisschen über die Zeit davor erzählen? Wann ist dein Interesse am Comiczeichnen und Geschichtenerzählen erwacht? Wie lange (und steinig?) war der Weg zu deinem ersten buchlangen Projekt?

Ich habe als Kind immer gezeichnet. Ich glaube, mein erster Kontakt mit dem Medium Comic waren die TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES, dann kamen irgendwann TIM UND STRUPPI und dann stand auch recht bald fest, was ich werden möchte, wenn ich groß bin. Rückblickend hat meine Mutter sehr früh die einzigen potenziellen Hindernisse für mich aus dem Weg geräumt, indem sie Stimmen von Lehrern ignoriert hat, die von den Themen meiner frühen Arbeiten sehr beunruhigt waren. Als ich dann irgendwann, viele Jahre später den Vertrag für VAKUUM unterschrieben habe, war ich 21. Der Weg zu meiner ersten Veröffentlichung war also zum Glück nicht allzu lang.

Zwischen VAKUUM 2013 und UNFOLLOW haben sich dein Strich, die Texturen, Perspektiven und Figurenzeichnungen gewandelt, aber viele charakteristische Elemente, die schon VAKUUM ausgemacht haben, sind immer noch vorhanden: dein Auge fürs Detail, deine überbordenden Naturszenen, die Einflüsse fernöstlicher Malerei und Comickunst … In welcher Hinsicht hat sich dein Zeichenstil entwickelt?

Die einzige bewusste Entscheidung für das Projekt war die, meinen Stil etwas herunterzubrechen, um ökonomischer arbeiten zu können. Im Vergleich zu VAKUUM ist mir das auch gelungen, vor allem indem ich die Größe der Zeichnungen relativ nahe am Endformat des Buches angelegt habe.
In Sachen Ästhetik finden weiterhin eher unterbewusst äußere Einflüsse ihren Weg in das Buch: Vordergründiger sind in diesem Fall visuelle Elemente aus Musik wie Cloud Rap und Vaporwave. Das können aber auch Einflüsse aus Videospielen, Büchern, Filmen und Serien und natürlich dem Internet generell sein. Eben das, was ich in der Zeit so konsumiere. So etwas sehe ich meistens erst später mit Abstand.

Nach VAKUUM hast du 2018 mit der kürzeren Comicerzählung BERENICE wieder von dir hören lassen. Der Comic ist eine moderne Adaption von Edgar Allan Poe und erschien in der Reihe DIE UNHEIMLICHEN von Isabel Kreitz, in der namhafte deutsche Comickünstler*innen Comic-Adaptionen von klassischen und modernen Gruselgeschichten umsetzen. Wie kam es zu dieser Kooperation, und was hat dich an dem Projekt gereizt?

Isabel Kreitz kenne ich, seit ich mit 17 am Comicseminar Erlangen teilgenommen habe, bei dem sie Dozentin war. Sie wollte mich bei dem Projekt dabei haben und hat nicht lockergelassen. Nach VAKUUM war ich sehr erschöpft und hatte lange Zeit nicht die Absicht, an einer weiteren Graphic Novel zu arbeiten. Aber das DIE UNHEIMLICHEN-Projekt war die perfekte Möglichkeit, mich dem Medium wieder anzunähern: Eine Geschichte von überschaubarem Umfang, in die ich nicht all meine Emotionen hineinlege. Es war spannend, meine eigene Geschichte auf dem Grundgerüst einer existierenden Erzählung aufzubauen und dabei die zentralen Motive zu ehren und in unsere Gegenwart zu übertragen. Außerdem war die formelle Vorgabe, mit nur einer einzigen Farbe zu arbeiten eine Herausforderung, die mich stilistisch weitergebracht hat, was sich jetzt in UNFOLLOW abbildet.

Bleiben wir bei der Kolorierung. Bei BERENICE hattest du dich für einen sandgrünen Farbton entschiedenen. Bei UNFOLLOW changieren alle Farben zwischen Blau- und Rottönen. Kannst du uns ein bisschen über deinen Umgang mit Farben erzählen? Welche Wirkung wolltest du mit der Farbe in BERENICE erzeugen und welche Rollen spielen die Farbtöne in deinem neuen Buch?

Ein zentrales Motiv meiner Version von BERENICE ist die Projektion menschlicher Bedürfnisse auf digitale Avatare, in dem Buch repräsentiert durch Hatsune Miku, einer digitalen Popsängerin. Sie durchzieht das Bewusstsein des Erzählers und somit das ganze Buch. Deswegen das Grün: Es ist die Farbe ihrer Haare und ihres Kostüms. In UNFOLLOW unterstützen die Farben die Stimmung und die Idee des Buches: Fast alle Szenen spielen sich bei Dämmerung ab. Das hat etwas Schönes und Unheilverkündendes. Es ist aber das Sinnbild der nahenden ökologischen Katastrophe. Wir leben in Endzeiten und das wollte ich fühlbar machen.

Kannst du uns ein bisschen mehr über UNFOLLOW an sich erzählen? Wie kamst du auf die Idee zu dem Projekt und warum wolltest du die Geschichte von Earthboi und seinem Aufstieg als Öko-Influencer/Messias erzählen?

Ich bin mit dem Klimawandel groß geworden. Seit ich denken kann, sieht die Zukunft nicht rosig aus.  Wir stehen an einem Punkt unserer Geschichte, an dem unsere Entscheidungen und unser Verhalten die Zukunft von allem bestimmen wird, was wir als unsere Realität bezeichnen. Nichts sollte in unseren Köpfen präsenter sein. Dieser Aspekt des Buches hat seine Wurzeln also in einem Bedürfnis, mit meiner Arbeit eine Art Beitrag zu leisten und meine Frustration zu kanalisieren. Unabhängig davon umtreibt mich schon immer eine Faszination für religiöse Kulte bzw. Personenkult an sich. Und natürlich habe ich wie wir alle die Evolution der Influencer-Kultur über die letzten Jahre beobachtet, was ja einen klaren Bezug hat. Die Geschichte fußt also in diesen Kernelementen, die vielleicht in der abstrakten Fragestellung münden: Was würde die Natur tun, wenn sie eine Stimme und verifizierte Social-Media-Accounts hätte?

In allen deinen Büchern, selbst der Poe-Adaption BERENICE, erzählst du von Heranwachsenden oder jungen Männern, die außerhalb der gesellschaftlichen Normen stehen, Außenseitern, Suchenden. Was fasziniert dich an diesem Charaktertypen? Und wie würdest du Earthboi beschreiben?

Ich werde im Sommer 32. Vielleicht sind andere da weiter aber die letzten Jahre war ich definitiv noch mit Erwachsenwerden und Suchen beschäftigt. Und mit der Wahl meines Lebensstils stehe ich nicht allzu weit entfernt von deinen Beschreibungen meiner Charaktere: Das ist wahrscheinlich weniger Faszination als easy emotional access. Earthboi ist eher eine Idee als ein greifbarer Protagonist. Und so aktiv er sich, seine Marke und Ideen etabliert, wird er im Verlauf der Geschichte immer mehr zur Projektionsfläche für das, was seine Follower in ihm sehen wollen. Der Erzähler aus BERENICE wiederum ist konsumierender, passiver Geist, der sich im digitalen Raum auflöst. Beide sind Symptome unserer Zeit und beide sind so menschlich, wie der Junge aus VAKUUM. Daran erkennt man, wie schnell sich die Welt verändert. In der Figur von Earthboi treibst du das „Greta Thunberg“-Phänomen auf die Spitze. Earthboi ist der prototypische Öko-Aktivist der Y-Generation, der fast intuitiv die Social-Media-Klaviatur spielt, um mittels Internet seine Botschaft zu kommunizieren. Die Grenze zwischen Influencer, Lifestyle-Ideologe und Sektenführer ist so fließend wie die die zwischen Follower, Anhänger und Fanatiker. Ist es der Internet-Skeptiker, der da aus der dir spricht? Wie stehst du zu den Möglichkeiten, von Social Media, Influencer-Kultur und sozialen Kämpfen?

Das Buch bildet meinen Zwiespalt in dieser Frage ab. Die Chancen und Gefahren von Social Media, die inspirierenden und deprimierenden Erscheinungen und Auswüchse scheinen einander aufzuwiegen. Das kann ich auf meine Gefühle für die Spezies Mensch an sich ausweiten. Aber das Schreiben und Konzipieren des Buches war Ende 2018 abgeschlossen, als es noch keine Spur von Greta Thunberg oder
Rezos Video gab. 2019 habe ich ausschließlich gezeichnet und von meinem Tisch aus beobachtet, wie sich das Weltgeschehen immer mehr meiner Erzählung annähert. Deswegen glaube ich, dass dieses Buch wichtig ist: Es ist wirklich ein Produkt und Zeugnis unserer Zeit.

UNFOLLOW kommt komplett ohne Dialoge und Sprachblasen aus, du erzählst deine Geschichte mittels eines belletristischen Off-Texts aus der Perspektive der „Wurzeln“, einer „harter Kern“-Gruppe von Anhängern, die Earthbois Aufstieg von Anfang an begleiten, in den Bildern selbst aber fast nie auftauchen. Warum hast du diese Erzählperspektive gewählt?

Die „Wurzeln“ erzählen die Geschichte aus der Wir-Perspektive. Eine Art Stilmittel, das ein Phänomen oder einen Mechanismus transportiert, der Kulten zu eigen ist: Das Individuum, das individuelle Denken wird aufgelöst. Das Ergebnis ist eine fast ätherische, losgelöste Stimme, die etwas Größeres zu erzählen scheint als nur eine Geschichte. Denn gleichzeitig ist die Erzählung eine Kampfschrift, ein Evangelium. Ihre Erzähler erschaffen einen Mythos, auf dem sie ihre Bewegung aufbauen. Diese Bewegung trägt Earthbois Gesicht aber ihre Mitglieder und Akteure sind gesichtslos. Wie es bei vielen Bewegungen der Fall ist. Am Ende wissen wir nicht, wie viel von dem, was sie uns erzählen der Wirklichkeit entspricht, weil sie seine Worte und Geschichte nutzen, um ihr eigenes Narrativ zu formulieren.

Neben Earthboi folgt UNFOLLOW der Lebensgeschichte der Social-Media-Influencerin Yu, die gemeinsam mit ihm für die Rettung des Planeten kämpft. Was kannst du uns über diese Figur erzählen? Welche Rolle spielt sie für die Ereignisse in UNFOLLOW?

Yu ist für mich der wichtigere Charakter in der Geschichte, sie ist am realsten. Natürlich ist auch sie keine greifbare Figur, was der Form der Erzählung geschuldet ist. Aber sie bricht am Ende durch die Stimmen hindurch, die Earthboi zum Mythos verklären lassen und ihn vereinnahmen. Sie hat Lösungsansätze und repräsentiert das individuelle Denken. Und eine realistischere Version vom Beitrag des einzelnen Menschen im Kampf gegen den Klimawandel, jenseits des Eifers und Fanatismus der Erzähler.

Die Corona-Krise hat das Thema Klimawandel aus der kollektiven und medialen Wahrnehmung verdrängt, aber über kurz oder lang werden die „Fridays for Future“-Proteste sicher wieder zurückkehren. Wie blickst du denn auf die Zukunft? Bist du zuversichtlich und hoffnungsvoll wie Yu in ihrer Videobotschaft im Epilog von UNFOLLOW? Oder überwiegt die Sorge?

Natürlich ist es gut, dass zur Zeit weniger Flugzeuge abheben, aber am Ende wird ja das Geld gewinnen. Der Klimawandel begünstigt virale Pandemien und was wir gerade erleben, ist wahrscheinlich ein Vorgeschmack. Im besten Fall rüttelt Covid-19 also mehr und vor allem die Menschen wach, die etwas ändern können. Ich blicke nicht hoffnungsvoll in die Zukunft. Gleichzeitig weiß ich, dass Wut, Frustration und Zynismus nirgendwohin führen und der einzig sinnvolle Weg nach vorne ein konstruktiver sein muss. Genau diesen Zwiespalt bildet mein Buch ab.