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Comic-Salon-Special: Comics + Zeichnung + Widmung

Wir haben uns alle schon riesig auf den 19. Internationalen Comic-Salon Erlangen gefreut, allerdings musste das gesamte Festival leider aufgrund von Corona abgesagt werden. Um dennoch etwas Comicfestival-Feeling aufkommen zulassen, starten wir heute mit einer Special-Digitalen-Comic-Salon-Signieraktion!

Ihr könnt bis Montag, den 13.07. um 10:00 Uhr: Comics mit einer persönlichen Widmung und Zeichnung unserer deutschprachigen Autor*innen über unsere Webseite bestellen. Mit dabei sind:

Aisha Franz“Shit is real”, “Brigitte und der Perlenhort”, “Alien”
Anke Feuchtenberger“Das Haus”, “Somnambule”, “Die Hure H wirft den Handschuh”, “Die hollandische Schachtel”
Anna Haifisch“The Artist”,“The Artist: Der Schnabelprinz”
Barbara Yelin“Irmina” !!! exklusive nur 10 Widmungen !!!
Fil“Stups & Krümel – Mega-Sammelband”, “Didi & Stulle – Die Gesamtausgabe”, “Mädchenworld”
Kathrin Klingner„Über Spanien lacht die Sonne“, “Katze hasst Welt”
Katja Klengel“Girlsplaining”
Lukas Jüliger“Unfollow”, „Vakuum“
MawilAlle Titel
Max Baitinger “Birgit”
Moki“Sumpfland” , “Wandering Ghost”
Ferdiand Lutz„QRT“,“Rosa und Louis”
Sandra Brandstätter “Paula: Liebesbrief des Schreckens”
Sascha HommerAlle Titel

So funktionierts:
Ihr sucht Euch eure Lieblingscomics in unserem Webshop aus und fügt der Bestellung eine kleine Notiz hinzu: “Mit Widmung ‘Für xxx’“ oder „nur eine Zeichnung“. Sobald alles signiert wurde, schicken wir Euch eure Wunschtitel zu. Da unsere Autor*innen in ganz Deutschland verteilt leben, kann es ein paar Tage dauern bis Deine Bestellung bei dir ankommt – das Warten lohnt sich 😉

Falls ihr noch Fragen habt, schreibt uns gerne: service@reprodukt.com.

Ab jetzt geht’s los, Deadline für die letzte Bestellung ist Montag 13.07. um 10:00 Uhr.

Wir freuen uns über eure Wünsche und habt eine tolle Zeit auf dem digitalen Comic-Salon 2020!

Lesetipps für den Sommer: “Die Rückkehr aufs Land” 3

geschrieben von Lea Hübner

Umgeben von Tomaten, Bohnen, Kräutern und Blumen im Herzen der Stadt auf dem Balkon ist “Die Rückkehr aufs Land” ein besonderer Lesegenuss.

Um wen oder was geht es in der Reihe? Was bisher geschah: Mariette und Manu haben den Schritt gewagt und die Stadt mit der Pampa vertauscht. Ravenelles, ein Kaff in der tiefen Provinz irgendwo in Nordfrankreich bildet seitdem das Setting für ihre jeweilige persönliche Entwicklung und die Höhen und Tiefen ihrer Paarbeziehung, darin er mehr wie ein großes Kind und sie die übersouveräne Partnerin.

Number One ist ganz klar Manu, der Comiczeichner mit Punkbandvergangenheit, um den sich alles dreht und der ja auch das „eigene“ Leben zeichnet – nach Skript seines Szenaristen. Der seine Erkenntnisse, Errungenschaften und Erfolge lautstark feiert, seine Abgründe, Albträume und Abenteuer (in der Natur natürlich, wo sonst) mitteilsam ausagiert.

Um das gleich zu klären: Ich komme wohl nicht umhin, mich mit diesem Bericht als Sympathisantin der Figur und Fan von Larcenet (u.a. “Der alltägliche Kampf”, “Blast”, “Brodecks Bericht”) zu outen… (Mütze im Bild mit „M“ für Manu, versteht sich!)

Während im zweiten Band bereits immerhin ein Radieschen unter Manus Händen gedeihen konnte, zeigt der dritte Band von „Die Rückkehr aufs Land“ nun einen Manu, der bereits mit den Weihen der Vaterschaft versehen, den Alltag als Zeichner mit Kleinkind locker mit Links stemmt. Extra Gelegenheit, dies unter Beweis zu stellen, erhält er während der wiederholten Abwesenheiten Mariettes, die an die Uni zurück gekehrt ist und dafür in regelmäßigen Abständen mit dem Zug in die Stadt abzwitschert – die Feuerprobe für den jungen Papa.

Der erhält währenddessen Besuch von seinem Szenaristen und Kumpel Jean-Yves Ferri (jaaaa, der, der jetzt Asterix macht,..!) und bei der Gelegenheit gibt es einigen witzigen Comic-Meta-Talk über die Entwicklung des Buches, das die Leserin in den Händen hält. Ganz in bereits aus den vorigen Bänden bekannter Weise wird die Comicwelt liebevoll auf die Schippe genommen – sehr amüsant.

Kartons als Problem oder Lösung

Das Traumpaar ist öfters nicht ganz in Balance: Alte Verdrängungstechniken werden streng gerügt.

Die aus den vorigen Bänden bekannten Kartons in allen Größen, die seit dem Umzug aufs Land vor mehreren Wintern omnipräsent sind, mehrzweckgenutzt als Möbel und Verstecke (vor allem für den kapriziösen Manu, der nicht nur ein Aufräumproblem hat). Das gibt neben den Figuren – Dorfbürgermeister, Nachbarin, Vermieter, Jäger und andere Waldgestalten, sowie die ganze Stadtbagage aus dem Vorleben der Protagonisten, inklusive Comicverleger, die zu bestimmten Anlässen eine Reise in die Provinz auf sich nimmt – eine gewisse Konstanz. Nicht zu vergessen: Familienmitglied Kater Speed, der nach einer sensationellen Eingebung zur Steigerung seiner Arbeitseffizienz von Manu endlich eine praktische Lösung für unabhängige Flucht und Wiederkehr angeboten bekommt, sich aber ungern zu irgendetwas nötigen lässt…

“Die Rückkehr aufs Land” (bietet ein) großartiges Fortsetzungserlebnis mit reichlich Lach-Stoff zum Thema Landleben und Familiengründung und lässt die Comicfreundin über viele kleine Verweise schmunzeln.

In den deutschen Bänden sind jeweils zwei Alben der französischen Ausgabe zusammengefasst, jeder Teil kann für sich, aber am sinnvollsten doch von vorne in chronologischer Folge gelesen werden. Manu Larcenets Kosmos von Ravenelles bietet großes Lesevergnügen – auf dass diesem Band ein weiterer folgen möge, der uns nach Übersetzung (zuletzt von Ulrich Pröfrock) erfreuen kann, hofft Übersetzerin Lea Hübner, die regelmäßig im Reprodukt Shop-in-Shop hinter der Ladentheke steht.

Max & Moritz-Preis für Anke Feuchtenberger und fünf nominierte Reprodukt-Comics

Die Absage des Internationalen Comic-Salons Erlangen war ein schwerer Schlag für die deutschsprachige Comicbranche, ein Herzstück des Comic-Salons bleibt uns aber auch im COVID-Jahr erhalten: die Vergabe des Max und Moritz-Preises, der wichtigsten Ehrung für grafische Literatur im deutschsprachigen Raum. Die Preisgale wird dieses Jahr digital stattfinden, am 10. Juli im Rahmen einer Live-Stream-Veranstaltung. Seit gestern sind die Nominierten und auch gleich zwei Preisträgerinnen bekannt.

Wir freuen uns von ganzen Herzen mitzuteilen, dass der Max und Moritz-Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk dieses Jahr an Anke Feuchtenberger geht, die wie keine Zweite seit Jahrzehnten – ob als Künstlerin, Verlegerin oder Professorin und Mentorin – die deutschsprachige Comiclandschaft mitgestaltet und vorantreibt.

Anke Feuchtenberger wurde 1969 in Ostberlin geboren und machte ihren Abschluss an der Kunsthochschule Weißensee. Nach dem Abschluss arbeitete sie als Theatergrafikerin für verschiedene Berliner Ensembles und engagierte sich zusammen mit Detlef Beck, Holger Fickelscherer und Henning Wagenbreth in der Künstler*innengruppe PGH Glühende Zukunft. In den Umbruchszeit der Wende prägte die Gruppe das Berliner Stadtbild mit selbst gestalteten Plakaten und Flugblättern und organisierte Ausstellungen. In dieser Zeit kam Anke Feuchtenberger auch mit der Comickunst in Kontakt, die sie organisch in ihr Werk integrierte. Ihre Comicerzählungen erschienen im Berliner Verlag Jochen Enterprises, später bei Reprodukt, der Edition Moderne und im selbst gegründeten MamiVerlag.

Ihre abstrakten, oft wortlosen Geschichten erzählen von Körperlichkeit und der Auseinandersetzung mit Weiblichkeit und Geschlechterkonstrukten im Allgemeinen. Ihre meist weiblichen Figuren erscheinen oftmals gestaucht und nackt, verhandeln reale Situationen und Erlebtes mit Traumlogik. So hat die Zeichnerin nicht nur mit der ihr eigenen Ästhetik die Bildsprache des Comics radikal erweitert, sondern auch für neue Inhalte erobert. Seit 1997 lehrt Anke Feuchtenberger als Professorin für Illustration und Zeichnen an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) und hat dort unzählige Zeichnerinnen und Zeichner, deren Arbeiten bei Reprodukt, avant-verlag, Carlsen und anderen Verlagen erscheinen, ausgebildet und gefördert. In ihrer Laudatio schreibt Max und Moritz-Jurorin Brigitte Helbling:

“Schaffen und Fördern. Und dabei immer die Herausforderung an sich selbst im Blick behalten, tiefer eintauchen, weitersuchen, das graphische Erzählen nochmal neu und anders denken: Die Essenz einer Laufbahn, 30 Jahre einer Comic-Künstlerin, die jetzt hochverdient den Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk von der Max und Moritz-Jury erhält.”

Von Anke Feuchtenberger sind jüngst bei Reprodukt Wiederveröffentlichungen ihrer früheren Arbeiten “Somnambule” und “Das Haus” erschienen. Für 2021 ist ihre lang erwartete biografische Arbeit “Ein deutsches Tier im deutschen Wald” in Vorbereitung, die 2015 bereits auf der Shortlist des Leibinger-Comicbuchpreises stand.

Eine von Anke Feuchtenbergers ehemaligen Studentinnen an der HAW ist die Hamburger Zeichnerin Kathrin Klingner, deren Debüt “Katze hasst Welt” in Anke Feuchtenbergers und Stefano Riccis MamiVerlag erschienen und später bei Reprodukt in überarbeitetet Ausgabe nachgedruckt worden ist. Kathrin Klingners neues Buch “Über Spanien lacht die Sonne” ist dieses Frühjahr erschienen und wurde nun für den Max und Moritz-Preis nominiert. Glückwunsch also auch an Kathrin! (Daumen gedrückt für den 10. Juli!)

Neben “Über Spanien lacht die Sonne” sind noch folgende Reprodukt-Titel für den Max und Moritz-Preis nominiert: “Cassandra Darke” von Posy Simmonds, “Hexen hexen” von Pénélope Bagieu, “Ariol: Wo ist Petula? von Marc Boutavant und Emmanuel Guibert und “Tante NonNon” von Shigeru Mizuki.

Wir gratulieren allen nominierten Autor*innen! Danke an Andrea Heinze, Christian Gasser, Brigitte Helbling, Katinka Kornacker, Andreas C. Knigge, Isabel Kreitz, Christine Vogt und Bodo Birk von der Max und Moritz-Jury und dem Team des Comic-Salons dafür, dass sie diese Preisverleihung trotz aller Umstände möglich gemacht haben.

Unter diesem Link könnt ihr euch alle Infos zu den Preisträgerinnen und allen nominierten Comics runterladen.