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Vorschau Kindercomics Herbst 2021

Mimi und Jakob leben in Riga – wo es auch sprechende Hunde gibt! Alle zusammen kämpfen sie dafür, dass ihr Stadtteil nicht in ein seelenloses Hochhausviertel verwandelt wird. Sanita Muižniece und Elīna Brasliņa haben aus der Vorlage des lettischen Zeichentrickfilms „Mimi, Jakob und die sprechenden Hunde” einen mitreißenden Comic gemacht.

Mawil is back – und gleich mit zwei Kindercomics! In „Power-Prinzessinen-Patrouille” und „Mauer, Leiter, Bauarbeiter” präsentiert er in seinem unverkennbar charmanten Zeichenstil verschmitzte Kinderbuchparodien voller Gags und liebevoller Details, die Rollen- und Geschlechterklischees auf den Kopf stellen. Für Kids und Eltern gleichermaßen empfohlen.

Fortsetzungen gibt es natürlich auch, zum Beispiel von Dorothée de Monfreid: „Doktor Popow” hat sich zum Ziel gesetzt, die Hundebande auf Herz und Nieren zu überprüfen. In „Q-R-T: Im Raumschiff nach New York” von Ferdinand Lutz verschlägt es Lara und Q-R-T in die amerikanische Metropole.

In „Ariol 13: Ententanz” hat der kleine blaue Esel zwölf neue Abenteuer zu erleben, und mit Marc Boutavants „Die große Reise des kleinen Mouk” ist bald auch ein Klassiker unseres Kindercomic-Programms wieder lieferbar. Und zu guter Letzt komplettiert Luke Pearsons „Hilda und der Bergkönig” die gesamte Serie um die blauhaarige Heldin als günstige Softcoverausgabe.

Die aktuelle Kindercomic-Vorschau steht unter folgendem Link zum Download bereit: “Vorschau Kindercomics Herbst 2021” (5,4 MB).

Vorschau Herbst 2021

2021 feiern wir 30 Jahre Reprodukt! Auch im zweiten Halbjahr veröffentlichen wir aus diesem Anlass Neuausgaben unserer Klassiker: Line Hovens „Liebe schaut weg” erscheint als Hardcover, genauso wie Craig Thompsons „Tagebuch einer Reise”, beide erweitert um bislang unveröffentlichte Seiten. Erstmalig bei Reprodukt erscheint Barus „Autoroute du Soleil” in einer Neuausgabe als Taschenbuch mit einem Postskriptum des französischen Zeichners.

Wir freuen uns auf einige Neuheiten von deutschen Comiczeichner:innen, angefangen mit dem Leipziger Matthias Lehmann, der in „Parallel” das zerrissene Leben eines schwulen Familienvaters in den Fünfzigerjahren in der DDR und später in Westdeutschland verfolgt. Max Baitingers „Sibylla”, das von der Berthold Leibinger Stiftung mit einem Stipendium prämierte Epos über das kurze Leben der Dichterin Siyblla Schwarz erscheint genauso wie – endlich! – Anna Haifischs neues Album „The Artist: Ode an die Feder” (übersetzt von Marcel Beyer). Mit Michael Meiers „Das Inferno” legen wir einen seit längerer Zeit vergriffenen Comic rechtzeitig zum 700. Todestag von Dante Alighieri in einer Neuausgabe vor.

Mit Igort reisen wir abermals in die Ferne: Im dritten Band seiner „Berichte aus Japan” geht es um Begegnungen mit Künstlern, die exzentrische Visionen verfolgen. Alle drei Bände bieten wir auch als Set in einem prächtig gestalteten Schuber an! Aus Japan kommen auch zwei neue Manga: „Roter Schnee” ist der erste Gekiga von Susumu Katsumata in deutscher Sprache, und ganz besonders freuen wir uns auf die ersten Taschenbücher des Klassikers von Shigeru Mizuki: Gleich 3 Bände von „Kitaro”, dem einäugigen Monsterjungen, legen wir im Herbst vor!

In neuem Gewand erscheinen „Unerschrocken” von Pénelope Bagieu und „Pirouetten” von Tillie Walden. Ersteres präsentieren wir in einer dicken Gesamtausgabe, Letzteres als Taschenbuch zum günstigen Preis.

Im Italien der Neunzigerjahre spielt Alessandro Totas „Fratelli”, in dem er zwei Brüder beim Erwachsenwerden beobachtet, während Paco Roca uns in „Rückkehr nach Eden” auf den Spuren der Lebensgeschichte seiner Mutter ins Spanien der Vierziger- und Fünfzigerjahre versetzt. Abgerundet wird unser Herbsprogramm durch Fortsetzungen von „Daidalos”, „Donjon”, „Herr Hase” und den lang erwarteten zweiten und abschließenden Band von „Das Goldene Zeitalter”.

Die aktuelle Vorschau steht unter folgendem Link zum Download bereit: “Vorschau Herbst 2021” (14 MB).

Ferdinand Lutz (“Q-R-T”) für den Preis der Jungen Literaturhäuser 2021 nominiert

Wir freuen uns ungemein, nicht nur auf die Ostertage, sondern auch, weil der Kölner Kindercomiczeichner und Herausgeber Ferdinand Lutz („Q-R-T”, „Rosa und Louis”) für den Preis der Jungen Literaturhäuser nominiert worden ist!

Herzlichen Glückwunsch, Ferdinand! So macht die Eiersuche gleich doppelt Spaß!

Der Preis der Jungen Literaturhäuser wird vom Netzwerk der Literaturhäuser verliehen, und zwar zum allerersten Mal! Mit dem Preis der Literaturhäuser werden Autor*innen schon seit 20 Jahren geehrt (2015 ging der Preis mit Nicolas Mahler auch an einen Comickünstler). Mit dem neu geschaffenen Preis der Jungen Literaturhäuser werden ab diesem Jahr auch Kinder- und Jugendbuchautor*innen gefeiert. Mit dem Preis sollen, so die offizielle Pressemitteillung, “Autor*innen ausgezeichnet werden, die nicht nur herausragende Bücher für Kinder und Jugendliche geschaffen haben, sondern die in der lebendigen, interaktiven Begegnung mit ihrem Publikum stark sind, die Kinder und Jugendliche mit ihrer Sprache und ihren Auftritten erreichen, die vielleicht schon experimentiert haben mit digitalen Formaten und die durch ihre Lesungen das einlösen, wofür die Literaturhäuser stehen.”

Neben Ferdinand Lutz sind noch Franziska Biermann und Finn-Ole Heinrich nominiert, denen wir natürlich auch aufs Herzlichste gratulieren. Der Preis der Jungen Literaturhäuser ist mit 5000 Euro dotiert. Das Publikum kann auf der Website des Netzwerks der Literaturhäuser abstimmen, am 23. April, dem Welttag des Buches, wird die Gewinnerin oder der Gewinner bekannt gegeben, die Preisverleihung findet im Sommer statt.

Alle weiteren Informationen auf www.literaturhaus.net.

Comiczeichner Ferdinand Lutz kennen viele junge Leser*innen aus “Dein Spiegel”. Im monatlichen Kinder-Magazins des “Spiegels” erschienen seine Comics „Q-R-T”, und„Rosa und Louis” als Fortsetzungsreihen. Reprodukt sammelt und editiert seine Comics neu und bringt sie im Buchformat heraus. Zuletzt veröffentlichte Reprodukt den dritten Band von “Q-R-T – Nächste Stunde: Außerirdisch”. Für Herbst 2021 ist ein neuer Band in der Mache.

Ferdinand ist zudem Mit-Herausgeber des Kindercomic-Magazins “Polle”, das Comics, Rätsel und Lieder von einigen der besten deutschsprachigen und internationalen Comic- und Kinderbuch-Autor*innen veröffentlicht. Vor wenigen Wochen ist die vierte Ausgabe des Magazins erschienen, für die u.a. Nadia Budde einen exklusiven Beitrag gezeichnet hat.

Zu seinen Comics hat Ferdinand Lutz zusammen mit Musiker Dominik Merscheid unterhaltsame Live-Lese-Musik-Performances erarbeitet, mit denen er auf Kinderbuchfestivals, in Jungen Literaturhäusern, in Bibliotheken und Buchhandlungen auftritt: www.bildklanglesung.de

Hier gibt es ein tolles Youtube-Video von Ferdinand anlässlich seiner Nominierung.

Sprechende Bilder: 9. Hamburger Graphic Novel Tage

Vom 22. bis 25. März 2021 findet im Literaturhaus Hamburg die 9. Ausgabe der Reihe Sprechende Bilder: Hamburger Graphic Novel Tage statt. Zu Gast im Livestream sind nationale und internationale Gäste, darunter  Anke Kuhl (“Lehmriese lebt“), Dorothée de Monfreid (“Die Hundebande”), Nicolas Mahler (“Das Ritual“) und Max Baitinger (“Brigit“).

An den vier aufeinander folgenden Tagen werden im Literaturhaus Podiumsveranstaltungen mit jeweils zwei Künstler:innen stattfinden. Die Gespräche werden von Andreas Platthaus moderiert und live gestreamt.

Montag, 22. März | 19.00 Uhr
“Großmeisterinnen nicht nur für junge Leser”: Anke Kuhl (D) & Dorothée de Monfreid (FR)

Dienstag, 23. März | 19.00 Uhr
“Comics über Kunst sind selbst eine Kunst”: Typex (NL) und Jakob Hinrichs (D)

Mittwoch, 24. März | 19.00 Uhr
“Inhaltliche Vielfalt als Lustprinzip”: Nicolas Mahler (AUT), Jaroslav Rudiš (CZ)und Tina Brenneisen (D)

Donnerstag, März | 19.00 Uhr
“Unbedingter Stil- und Stilisierungswillen”: Rutu Modan (ISR) und Max Baitinger (D)

Ein Livestream-Einzeltickets kosten 5 EUR, das Kombiticket für alle Abendveranstaltungen im Streamingabonnement 12 EUR.

Literaturhaus e. V., Schwanenwik 38, D-22087 Hamburg
Tel. (040) 22 70 20 11, Fax (040) 2 20 66 12
email: info@literaturhaus-hamburg.de
www.literaturhaus-hamburg.de
www.julit-hamburg.de

Instagram-Verlosung : #Girlsplaining

Warum haben wir vor dem Wort “Vulva” mehr Angst als vor “Voldemort”? Müssen wir uns wirklich für unsere Körperbehaarung schämen? Wieso werden im Schulunterricht hauptsächlich männliche Autoren gelesen? Und warum sind die Geschlechterrollen bei Kinderspielzeug in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stecken geblieben?

InGirlsplaininggeht Katja Klengel diesen Fragen auf den Grund und schildert mit Humor und schonungsloser Offenheit ihre persönlichen Erfahrungen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten – und was es für sie bedeutet, heute eine Frau zu sein.

Zum Internationalen Frauenkampftag am 8. März stellen wir Euch zurzeit einige unserer feministischen Stimmen vor. Da ist GIRLSPLAINING von Katja Klengel selbstverständlich nicht wegzudenken! Aus diesem Anlass verlosen wir insgesamt 5x SIGNIERTE GIRLSPLAINING + GOODIE BAG. Mitmachen geht ganz easy:

• folge uns (@reprodukt_berlin) auf Instagram

• like das Verlosungsposting

• verrate uns in den Kommentaren, was auf Deinem Demoschild zum Internationalen Frauenkampftag steht …

Bis Dienstag, den 9.03.2021 hast Du Zeit an der Verlosung teilzunehmen – Viel Glück! 

Am Mittwoch, den 10.03.2021 losen wir die glücklichen Gewinner:innen aus und werden dann per Privatnachricht kontaktiert. Unsere Social Media Teilnahmebedingungen findest Du hier:

1. Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Instagram und wird in keiner Weise von Instagram gesponsert, unterstützt oder organisiert. Die Empfänger:in der von der Teilnehmer:in bereitgestellten Informationen ist nicht Instagram, sondern REPRODUKT, Gottschedstraße 4 / Aufgang 1, 13357 Berlin, Germany, als Betreiber:innen des Reprodukt Instagram Accounts (reprodukt_berlin) (kurz: „Veranstalter:innen“). Die bereitgestellten Informationen werden einzig für das Gewinnspiel verwendet.
2. Eine Teilnahme am Gewinnspiel ist ausschließlich zu den hier aufgeführten Bedingungen möglich. Mit der Teilnahme erkennt die Teilnehmer:in diese Teilnahmebedingungen ausdrücklich an. Die Veranstalter:innen behalten sich vor, das Gewinnspiel zu jedem Zeitpunkt ohne Vorankündigung und ohne Angabe von Gründen abzubrechen oder zu beenden.
3. Das Gewinnspiel beginnt am 5. März und endet am 9. März.
4. Zu gewinnen gibt es 5x signierte “Girslplaining” + Goodie Bags.
5. Die Anmeldung zum Gewinnspiel erfolgt über das Folgen unseres [Instagram Accounts](https://www.instagram.com/reprodukt_berlin/) und einem Kommentar unter unserem Gewinnspielsposting.
6. Bilder und Kommentare, die gegen die Instagram-Richtlinien, deutsches Recht, unsere Netiquette und/oder das Copyright verstoßen, werden nach Kenntnisnahme ohne Ankündigung entfernt. Die Teilnehmer:in ist damit von der Verlosung ausgeschlossen.
7. Die Verlosung des Gewinns erfolgt nach Ablauf des Durchführungszeitraumes unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Teilnahme an der Verlosung setzt für alle Teilnehmenden das Abonnieren des Reprodukts-Accounts voraus und einen Kommentar unter dem zugehörigen Post von Reprodukt.
8. Die Gewinner:in werden über die Direct Message Funktion von Instagram informiert. Gewinner:innen müssen innerhalb von 5 Werktagen (ab Gewinnbenachrichtigung) ihre Kontakt- und Adressdaten per „Direct Message“ an die Reprodukt Instagram-Seite oder per E-Mail an andrea.cisnado@reprodukt.com melden. Sollten Gewinner:innen die Annahme des Gewinnes in dieser Zeit nicht bestätigen, verfällt ihr Anspruch auf den Gewinn ersatzlos. Es wird dann nach gleichem Vorgehen eine Ersatzgewinner:in ermittelt. Eine Verpflichtung zur Annahme des Gewinnes besteht nicht.
9. Soweit im Rahmen des Gewinnspiels personenbezogene Daten von Teilnehmern erfasst werden, werden diese vom Veranstalter ausschließlich zum Zwecke der Durchführung des Gewinnspiels erhoben, verarbeitet und genutzt sowie nach Beendigung des Gewinnspiels gelöscht. Die Teilnehmer:in erklärt sich damit ausdrücklich einverstanden. Die Teilnehmer:in kann diese Zustimmung jederzeit durch Brief oder E-Mail widerrufen. Für die Korrektheit und Vollständigkeit seiner abgeschickten Daten ist die Teilnehmer:in selbst verantwortlich.
10. Die Bilder aller Teilnehmer:innen dürfen während des Gewinnspiels für den Instagram-Account von Reprodukt verwendet werden. Das Bild der Gewinner:in darf für den Instagram Account von Reprodukt verwendet werden.
Die personenbezogenen Daten der Teilnehmer werden von den Veranstalter:innen unter Beachtung der datenschutzrechtlichen Bestimmungen genutzt und erhoben.
Die Einwilligung kann jederzeit durch Löschung des entsprechenden Kommentars widerrufen werden. In diesem Fall erklärt die Teilnehmer:in zugleich, an dem Gewinnspiel nicht mehr teilzunehmen.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Interview mit Max Baitinger (“Sibylla”) zum 400. Geburtstag von Sibylla Schwarz

Am heutigen Sonntag, dem 14. Februar 2021, jährt sich zum 400. Mal der Geburtstag von Sibylla Schwarz. Geboren 1621 in Greifswald, mitten in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, begann sie schon als Kind damit, Gedichte zu verfassen, die für ihr Alter außergewöhnlich tiefgründig und ausgeklügelt waren. Leider starb sie bereits im Alter von 17 Jahren an der Ruhr. Im 17. Jahrhundert als wohl bedeutendste Barockdichterin betrachtet, geriet Sibylla später weitestgehend in Vergessenheit.

Max Baitinger, Autor und Zeichner von BIRGIT (Reprodukt), HEIMDALL und RÖHNER (beide Rotopolpress), arbeitet zurzeit an einer Graphic Novel über Sibylla Schwarz. Darin verbindet er das Leben und Werk des Wunderkindes mit seiner ganz eigenen Betrachtung ihrer Person. Im vorigen Jahr wurde Max Baitinger für SIBYLLA bereits mit dem Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es: “Gewitzt und gekonnt beginnt er ein Erzählgerüst aus verschiedenen Ebenen zu konstruieren, das von bemerkenswerter grafischer Stärke zeugt.”

Anlässlich des 400. Geburtstages von Sibylla Schwarz habe ich mit Max Baitinger über sein aktuelles Projekt und die Person Sibylla gesprochen.

Vielen Dank, Max, dass du dir die Zeit nimmst, mit uns über dein aktuelles Projekt SIBYLLA zu reden. Dein nächstes Buch dreht sich um das Leben von Sibylla Schwarz, einer deutschen Barockdichterin, die früh gestorben und heute eher unbekannt ist. Wie bist du auf Sibylla Schwarz aufmerksam geworden? Warum hast du gerade sie zum Zentrum deines neuen Projektes gemacht? Was fasziniert dich so an ihr?

Bertram Reinecke, der Sibyllas Gesamtwerk neu auflegt, hatte mir vorgeschlagen, eine Graphic Novel über sie zu machen und ich habe ihm keine Hoffnungen gemacht. Barocke Lyrik war (und ist) mir fremd und angesichts der zeitintensiven Arbeit suche ich mir meine Themen lieber selber. Aber ihre Lebensumstände haben mich schon fasziniert. Sie wurde nur siebzehn Jahre, hat diese ausschließlich im dreißigjährigen Krieg verbracht und ein umfangreiches Werk hinterlassen. Allem voran musste ich auch über die Ironie der Geschichte lachen: sie soll “das erste kompromisslos feministische Gedicht” überhaupt verfasst haben, wurde die “pommersche Sappho” genannt und nur von Männern verlegt und erforscht (fast). Und da sitze ausgerechnet ich mit ein paar anderen Kerlen am Tisch beim Bier und plane eine Graphic Novel. Das war der Auslöser. Es geht also um Sibylla und was aus ihr gemacht werden soll.

Wie verlief deine Recherche zu Sibylla?

Bertram hat mich an den Sibylla Schwarz e.V. in Greifswald verwiesen, wo ich Walter Baumgartner, Monika Schneikart und Michael Gratz kennengelernt habe, die zu Sibylla forschen. Mich hat vor allem interessiert, welche Perspektive die drei auf Sibylla haben. Von ihnen habe ich auch die reproduzierte Originalausgabe der Gedichte erhalten, sowie Aufsätze über Sibyllas Werk. Aber ich bin damit nicht systematisch vorgegangen sondern habe eher einzelne Aspekte aus Werk und Gesprächen herausgegriffen, die ich zu Schwerpunkten meines Buches gemacht habe.

Welcher Eindruck von Sibyllas Person entstand bei dir während deiner Recherche?

Für mich war Sibylla vor allem zur falschen Zeit am falschen Ort. Mir scheint, sie war hochbegabt. Verfasste schon mit vierzehn-fünfzehn Jahren die überlieferten Sonette während sie in einem Umfeld lebte, dass nicht viel für ihre Begabungen übrig hatte. Mir gefällt, mit welcher Liebe sie Beziehungen zu ihren Mitmenschen pflegte, indem sie jene in ihre Kunst mit einbezog.

Über Sibyllas Leben ist relativ wenig bekannt und einige Angaben widersprechen sich auch. Wie bist du mit diesen Lücken in ihrem Lebenslauf bei deiner Arbeit zurechtgekommen?

Die Lücken haben mir die Arbeit erst ermöglicht. Gäbe es eine ausführliche Biografie über Sibylla Schwarz, stünde mein Buch unter dem Anspruch, “authentisch” zu sein. So ein Buch würde ich nicht machen wollen.

Sibylla hat sich seinerzeit als Dichterin aktiv gegen eine von Männern beherrschte Domäne widersetzt. Denkst du, dass sie und ihre Gedichte heutzutage wieder stärker in den Fokus gerückt werden sollten? Wie groß ist Sibyllas Einfluss auf die Nachwelt?

Ich möchte vor allem diesen nötigen Widerstand in den Fokus rücken. Und die Kritik an Männerdomänen ist ja heute noch angemessen. Ich wollte ihr auch außerhalb Barock-Lyrik-interessierter Kreise mehr Aufmerksamkeit ermöglichen. Das hat sie verdient. Mir scheint, sie hat ihr kurzes Leben lang nur Gegenwind gehabt und trotzdem einen Umgang damit gefunden.

Du vermischt in dem Buch die Dokumentation deines Arbeitsprozesses mit Episoden aus Sibyllas Leben. Wieso hast du diese Erzählweise gewählt?

Die Textebene des Buchs gibt meine und andere gegenwärtigen Stimmen wieder. Die Bildebene folgt Sibylla. Ich wollte ihr die Möglichkeit geben, sich als Figur zu entfalten und parallel dazu Gedanken zu dem Buch selber zu äußern um unsere Perspektive auf Sibylla zu hinterfragen. Das Zusammenspiel dieser Ebenen hat den Reiz für mich ausgemacht. Mal scheinen es ihre eigenen Gedanken zu sein, mal widersprechen sie ihrem Handeln. Für mich gehört das zu dieser Arbeit dazu: Es ist Sibylla. Und sie ist es nicht.

Vielen Dank für das Gespräch, Max!

“Sibylla” von Max Baitinger erscheint im Herbst 2021 bei Reprodukt.

Mehr von Max Baitingers Arbeit könnt ihr auf www.maxbaitinger.com und auf seinem Instagram-Account @maxbaitinger sehen.