Blog Michael Groenewald am 10. September 2015

Zehn Fragen an Ferdinand Lutz

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Seit 2011 können die jungen Leserinnen und Leser des Kinder-Nachrichtenmagazins “Dein SPIEGEL” allmonatlich den Außerirdischen Q-R-T auf einer ganz besonderen Mission begleiten: Q-R-T stammt von einem fernen Planeten, auf dem man sein Leben lang Kind bleibt. Auf der Erde nun möchte er die Menschen und ihre seltsames Verhalten genauer unter die Lupe nehmen und das Geheimnis ergründen, warum bei uns alle Kinder zu schlecht gelaunten Erwachsenen werden.

Ende September kommt mit “Der neue Nachbar” endlich eine erste Sammlung von “Q-R-T”-Abenteuern in die Läden. Für das Buch hat Autor und Zeichner Ferdinand Lutz seine Geschichten nicht nur umfangreich überarbeitet, sondern zudem um brandneue Kapitel ergänzt und mit einem übergreifenden Handlungsbogen angereichert. Wir freuen uns auf satte 136 Seiten eines der schönsten und unterhaltsamsten deutschen Comics für kleine wie auch große Leserinnen und Leser.

Zur Einstimmung aufs Buch hat Ferdinand Lutz der Reprodukt-Qualitätspraktikantin Cassandra Yousef  eine Reihe von Fragen zu “Q-R-T” und seiner Arbeit beantwortet.

Schreibtisch

Du machst Comics und Trickfilme und bist als Szenarist tätig. Hast du zu jedem Medium eine spezielle Beziehung?

Ja, mit jedem Medium kann ich unterschiedlich erzählen. Und jedes Medium hat seinen eigenen Reiz: Wenn ich nur schreibe, kann ich sehr schnell arbeiten. Habe diesen kurzen Glücksmoment, den man hat, wenn man eine gute Idee bekommt – und gebe die Sache auch schon wieder aus der Hand. Auf die endgültige Form der Geschichte habe ich dann aber wenig bis keinen Einfluss mehr, das ist Sache des Zeichners. Wenn ich die Geschichte selber zeichne, wird alles langwieriger, aber auch viel formbarer. Dann bin ich Schauspieler, Beleuchter, Ausstatter, Kameramann in einer Person. Animation ist dann noch einmal eine andere Sache, noch zeitaufwendiger. Und beinahe hypnotisch, die Zeit fliegt nur so vorbei. Die eigenen Zeichnungen zum Leben zu erwecken, zu bewegen, das ist magisch.

Wie sieht deine Arbeit aus? Gibt es so etwas wie einen typischen Tagesablauf?

Eigentlich nicht. Ich brauche Abwechslung. Mal schreibe ich einen ganzen Tag lang nur an einer Geschichte, mal mache ich viele unterschiedliche Dinge nacheinander – schreibe, zeichne, koloriere über den Tag verteilt. Mal arbeite ich zu Hause, mal im Gemeinschaftsatelier, mal in einem Café. Mal arbeite ich gar nicht.
Ich genieße es, das jeden Tag selber neu entscheiden zu können.

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Könntest du anhand einer “Q-R-T”-Folge kurz beschreiben, wie ein Comic bei dir entsteht?

Bei jedem Projekt ist der Prozess ein anderer, ist auch meine Technik anders. Bei “Q-R-T” habe ich immer zehn, zwölf kurz umrissenen Ideen auf Lager. Ich wähle dann eine davon aus, mache eine kurze Synopsis, was auf den einzelnen Seiten passieren wird. Dann schreibe ich am Computer ein Szenario, eine Art Drehbuch, dessen Regieanweisungen allerdings sehr knapp sind, weil ja nur ich selbst es lesen muss. Anschließend zeichne ich alles vor, scanne es ein – und mache Reinzeichnung und Kolorierung dann am Computer.

Vorzeichnung

Sowohl “Q-R-T” als auch deine Arbeiten für “Käpt’n Blaubär” sind Kindergeschichten. Du bist selbst erst Ende 20, arbeitest aber schon seit einigen Jahren an den Kindergeschichten, “Q-R-T” erscheint seit 2011 in “Dein Spiegel”. Gab es dieses Interesse an Kinder- und Jugendgeschichten bei dir schon immer?

Mich interessiert eigentlich alles, so lange es gut erzählt ist und mich berührt. Dass ich bislang viele Geschichten für ein jüngeres Publikum veröffentlicht habe, hat sich einfach so ergeben, kam mir aber sehr gelegen: Während des Studiums war das eine gute Abwechslung zu Regressionsanalysen und Systemtheorie. Jetzt, da ich mich als Comiczeichner selbstständig gemacht habe und meinen Tag so gestalten kann, wie ich will (keine Regressionsanalysen mehr und nur sehr, sehr wenig Systemtheorie), brüte ich automatisch auch über Geschichten, die sich nicht speziell an Kinder richten.

Hast du selbst Kinder? Oder weißt du einfach, was sie lustig finden?

Weder noch, ich vertraue auf mein Bauchgefühl. Und hoffe, dass ich damit richtig liege.

Q-R-T kommt von Planeten RZZZ, bei dem die BewohnerInnen ein Leben lang Kind bleiben. Hast du als Kind gerne “Peter Pan” gelesen?

Nein.

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Q-R-T, der auf der Erde ist um die Menschheit zu erforschen, macht sich an einer Stelle die Notiz: “Erwachsene sehen Dinge, die ich nicht sehe”. Hat das viel mit deinem eigenen Lebensgefühl als Kind zu tun? Verstehen sich Kinder und Erwachsene einfach nicht?

Bei “Q-R-T” geht es viel um den Unterschied zwischen einer kindlichen und einer erwachsenen Sicht auf die Dinge. Der Blick der Kinder auf die Erwachsenen ist natürlich ambivalent: Einerseits ist die Welt der Erwachsenen verlockend, man darf alles, ist autonom. Andererseits ist diese Welt der Erwachsenen aber auch verschroben, kompliziert und seltsam ernst. Bei “Q-R-T” haben die einzelnen Kinder unterschiedliche Einstellungen dazu.

Ich habe mich als Kind schon oft gewundert und tue das auch heute noch. Erwachsensein heißt ja oft, Frageketten abzukürzen.

Für die Buchausgabe von “Q-R-T” hast du deine Geschichten, die zuvor in “Dein SPIEGEL” erschienen sind, komplett überarbeitet. Warum hast du nicht einfach die veröffentlichten Seiten gesammelt?

Meine Sicht auf die Dinge ändert sich schnell, besonders bei Zeichnungen: Ich finde Sachen, die ich vor zwei, drei Wochen gezeichnet habe, schnell ungelenk oder plump und möchte alles noch mal neu machen. Hinzu kam, dass die Episoden für “Dein SPIEGEL” immer für sich alleine stehen müssen, ich in einem Buch aber eine größere Rahmenhandlung erzählen und Kapitel miteinander verknüpfen kann. Ich wollte mir also die Vorteile eines Buches zunutze machen. Auch wollte ich immer mal erzählen, wie Q-R-T überhaupt auf der Erde landet, wie er in die Wohnung zieht, in der er lebt. Der gewichtigste Grund war allerdings, dass sich Q-R-Ts Charakter im Laufe von dreieinhalb Jahren stark gewandelt hat. All das sprach dafür, alles neu zu machen – umzuarbeiten, zu erweitern und neu zu zeichnen.

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Was sind für nächste größere Projekte geplant?

Ich sitze an einer ernsten, langen, vielschichtigen Geschichte, von der ich bereits 80 von etwa 250 Seiten geschrieben habe. Daran arbeite ich immer mal wieder zwischendurch. Fast fertig geschrieben habe ich einen anderen Comic für Kinder, den ich jetzt demnächst zeichnen werde. Das wäre dann wieder eine Serie, die sich allerdings an ein etwas jüngeres Publikum richtet als “Q-R-T”.

Hast du vor, auch mal ein Comicalbum zu verfassen, welches nicht als Serie erscheint?

Ja. Allein schon der Abwechslung wegen.

Wir sind gespannt! Und freuen uns nun erst einmal auf “Der neue Nachbar”.

Weitere schöne Einblicke in den Entstehungsprozess des Buchs gewährt Ferdinand Lutz auf Instagram.

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