Blog Dirk Rehm am 5. März 2014

Mawils “Kinderland”, Teil 2

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Hier der zweite Teil vom Interview, das Filip Kolek Anfang des Jahres mit Mawil anlässlich des Endspurts zur Arbeit an “Kinderland” geführt hat. Teil 1 findet sich unter folgendem Link: “Mawils ‘Kinderland’”

Auch wenn es manchmal den Anschein hat, dass Mirco und seine Freunde nichts anderes als Tischtennis im Kopf haben, zeigst du immer wieder, wie die Erwachsenenwelt in ihr “Kinderland” einbricht, sei es durch Propagandafilme an der Schule oder belauschte Gespräche über Republikflucht. Wie bist du vorgegangen, um in deiner Erzählung die Balance zwischen diesen zwei Welten zu halten?



Die DDR war für mich das Land meiner Kindheit. Deshalb sollte “Kinderland” ursprünglich auch nur von den Kindern handeln – ohne jegliche Erwachsenen – so wie bei den “Peanuts”. Dort weiß man zwar, dass es irgendwo Erwachsene gibt, aber man kriegt sie nicht mit. Am Ende drängeln die sich zwangsweise aber doch immer wieder in die kindliche Welt. 


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Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind, werden in deiner Erzählung viel aus ihrer eigenen Kindheit wiedererkennen, u.a. ein russisches “Wolf und Hase”-LCD-Spiel. Ist das alles aus der Erinnerung gezeichnet oder hast du für all die Details, Uniformen, Straßenzüge eine Menge recherchiert? 



Die meisten Dinge hatte ich noch im Kopf, aber sicherheitshalber hab ich ganz viel in Fotobüchern und im Internet recherchiert. Zum Glück gibt es auf der ganzen Welt Sammler zu den absurdesten Fachgebieten. Und bei manchen gesellschaftlichen Fragen konnte ich mich an den Autor Jochen Schmidt wenden. Er ist sozusagen ein bisschen der historische Berater des Comics. Die DDR-Autos im Hintergrund haben großen Spaß gemacht, aber ich hatte extreme Schwierigkeiten mit den ganzen Klamotten aus den Achtzigern. Für einen weiblichen Zeichner-Nerd wäre es wahrscheinlich genau andersrum gewesen.

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Im Zentrum der Handlung von “Kinderland” steht ein von langer Hand vorbereitetes Tischtennisturnier, das Mirco und seine Freunde zum “Pioniergeburtstag” organisieren. Ist Tischtennis eine deiner Leidenschaften? Wie muss man vorgehen, um ein Tischtennisturnier als Comic dynamisch und spannend abzubilden? 



In der DDR meiner Kindheit gab es nur zwei Sportarten. Fußball für die Jungs ohne Brillen und Tischtennis für alle anderen. Zumindest war es die Sportart, in der man eine Chance hatte mitzuhalten – und dadurch kam dann die Leidenschaft. Und um so etwas dann noch möglichst dynamisch zeichnen zu können, muss man sich einfach nur fragen: Wie würde ein Mangazeichner so was machen?

Und zum Schluss noch 3 Quickies:

a) Lieblingstischtennisspieler?



Ich kenne gar keine bekannten Spieler. Wir haben eher so in der Straßenliga auf Beton gespielt.


b) Der legendärste Tischtennisschläger?



Der erste Westschläger 1989 einer Marke namens “Sunflex”(?) von Woolworth
.

c) Der beste DDR-Feiertag?



Schulfest. Wir konnten mit einer Art Gutschein durchs ganze Gebäude laufen, und in allen Klassenräumen wurden Kurse, Spiele oder andere kreative Sachen angeboten. Ich habe einen Alf-Aufkleber gewonnen und konnte im Werken-Raum eine indianermäßige “Bärenkralle” aus Holz feilen, die man dann an einem Lederband um den Hals trug.

Mehr Mawil gibt es auf www.mawil.net!