Blog Klara Groß am 30. Juli 2016

Literaturstipendium des Freistaats Bayern für Yi Luo

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Vor Kurzem wurde Yi Luo ein Literaturstipendium des Freistaats Bayern für ihr Projekt „Running Girl“ verliehen. Das Arbeitsstipendium von je 6.000 Euro wird alle zwei Jahre im Namen des Bayerischen Staatsministers für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst durch eine Jury an bis zu sechs Autorinnen und Autoren verliehen.

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Der Festakt fand im Königsbau der Münchner Residenz statt, mit Blick auf die Oper, das Residenztheater und – hier im Hintergrund – auf die Frauenkirche. Yi Luo erhielt den Preis für ihre Erzählungen mit stark autobiografischem Bezug, deren erster Teil im Mai unter dem Titel „Running Girl“ erschien. Barbara Yelin (rechts im Bild, selbst Autorin – „Irmina“ – und Kulturförderpreisträgerin) unterstützte und beriet Yi Luo im Lektorat.

In der Begründung der Jury für das Stipendium schreibt Thomas von Steinaecker: „Yi Luo schenkt uns in „Running Girl“ etwas, was uns heute oft fehlt: einen Blick, der nicht der unsere ist. Dabei fasst sie die Themen Geldsorgen, Heimweh und das Herantasten an die fremde Kultur in präzise und dennoch höchst poetische Aquarellbilder. Ein lehrreiches, ein berührendes Buch.“

Die Protagonistin in „Running Girl“ – Li – lebt seit einem Jahr in Deutschland, geht zur Uni und arbeitet als Kellnerin in einem Sushi-Restaurant. Aufgrund ihrer Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache zieht die junge Frau sich in ihre eigene Welt zurück und telefoniert täglich über Stunden mit ihrem Freund in China. Nur im Restaurant fühlt Li sich wohl. Hier denkt sie sich Geschichten über die Gäste aus – wie zum Beispiel „Manfred“, der stets allein isst.

Geplant ist nun eine etwas umfangreichere Graphic Novel mit weiteren Episoden um die aufmerksame und fantasievolle Li.

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Gemeinsam mit Yi Luo wurden fünf weitere Autorinnen und Autoren ausgezeichnet. Im Lauf der feierlichen Vergabe der Stipendien konnte das Publikum über kurze Lesungen und Werkstattgespräche einen Eindruck von den erst teilweise oder oft noch gar nicht publizierten Arbeiten gewinnen.

Im kurzen zeitlichen Abstand bekam man so einen Einblick in sehr unterschiedliche Texte, Arbeitsweisen und Ansätze im Umgang mit Sprache. Das war total spannend! Die Beschäftigung mit Sprache schien auf vielen Ebenen in den Abend hinein verwoben. Und unbewusst hatte Yi Luo bei ihrer Lesung Ausschnitte ausgewählt, die Sprache und Sprachlosigkeit thematisieren.

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Im Werkstattgespräch fragte die Moderatorin, was im Arbeitsprozess für einen Comic zuerst käme: die Worte oder die Bilder? Yi Luo antwortete, dass das schwer zu trennen sei und immer wieder anders. Das Zeichnen habe Ihr als Sprache aber immer zur Verfügung gestanden und so begann sie bei ihrem Anfang in Deutschland vor neun Jahren das Comiczeichnen.

Deutlich wurde an dem Abend: Comic ist eine Sprache an sich und kann sich in der Vielfalt der jungen Literatur behaupten. Einige der ersten feierlichen Redner in diesem “gestandenen” Literaturkontext schienen darüber noch etwas verwundert, aber spätestens die Lesung von Yi Luo wird alle Zweifel in Neugier umgewandelt haben.

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Die Entscheidung der Jury, Yi Luo auszuzeichnen und zu fördern ist auf jeden Fall herausragend: es ist wichtiges Signal für die stärker werdende kulturelle Akzeptanz des Mediums Comic und ein wichtiger Schritt für eine frische, junge und vielseitige Literatur, die die Sprache der Bilder mit einschließt.

Vielen Dank an die Jury, auch von uns als Verlag, und einen herzlichen Glückwunsch an Yi Luo!