Blog Filip Kolek am 28. Dezember 2016

Last-days-of-2016-Interviews IV – Anna Haifisch & „The Artist“

2016 war ein geschäftiges Jahr für Anna Haifisch. Mit „Von Spatz“ bei Rotopolpress und „The Artist“ bei Reprodukt debütierte die Leipziger Zeichnerin im ersten Halbjahr gleich mit zwei Büchern. Beide Bände sind tragikkomische Innenaufnahmen von kränkelnden Künstlerseelen – in „Von Spatz“ von prominenten Kreativen in einer skurillen Nervenheilanstalt und in „The Artist“  von einem namenlosen, prekären Großstadtkünstler. „Von Spatz“ war für den „Max und Moritz“-Preis auf dem diesjährigen Comic-Salon Erlangen nominiert, und im September ehrte die e.o.plauen-Gesellschaft Anna Haifisch mit dem „e.o.plauen-Förderpreis“ und einer Ausstellung. Für April 2017 ist bereits der zweite Band von „The Artist“ in der Arbeit: „Der Schnabelprinz“.

Für unsere Pressemappe wollten wir die rührige Anna Haifisch also gar nicht allzu lange aufhalten und stellten ihr nur drei Fragen, die sie uns charmant und geistreich beantwortete.

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„The Artist“ erzählt Leben und Innenleben einer Künstlerseele. Wie kamst du dazu, dies zu deinem Thema zu machen? Ist die Serie zu großem Teil autobiografisch inspiriert?

AnnaHaifisch©JayGard„The Artist“ hat ganz viel mit mir zu tun. Ich habe in den Episoden aber maßlos übertrieben. So schlecht wie dem Artist geht es mir dann doch nicht. Eigentlich geht es mir ziemlich gut. Ich versuche, das Künstlerleben zwischen Hybris und Frustration zu erzählen. Das gipfelt in der Folge, wo der Artist seine Eltern besucht und die versehentliche Beschämung durch die Mutter in einem Nervenzusammenbruch endet. Die profane Realität kollidiert da mit seinem innigsten Wunsch eines Tages ein großer Künstler zu werden.

Du arbeitest mit dreiseitigen Kapiteln und auch in deinem Buch „Von Spatz“, das kürzlich bei Rotopolpress herausgekommen ist, erzählst du in sehr kurzen Kapiteln. Was ist der Vorteil von diesem Format?

Die drei Seiten kamen zustande, weil „The Artist“ zuerst online auf vice.com erschien. Für ein wöchentliches Pensum fand ich drei Seiten optimal. In Kapiteln und Episoden zu erzählen erspart es mir, zu vieles erklären zu müssen. Durch die Zeitsprünge zwischen den Episoden, fragt man sich, was dem Künstler in der Zwischenzeit zugestoßen ist. Die Sprünge in seinem Gemütszustand muss ich so nicht im Detail erklären.

Wie hast du zu dem Erscheinungsbild deiner Hauptfigur, dem „Artist“, gefunden – diesem ausgemergelten, spärlich behaarten Schnabelwesen? Ist das die verdichtete und visualisierte Essenz des Künstlerdaseins in deinen Augen?

Seine Erscheinung musste seinem Charakter angepasst sein. Der Artist ist schwächlich, hat einen Hang zum Größenwahn und neigt zur Verweigerung – genau wie ich. Der Artist sieht mir ziemlich ähnlich. Ich habe allerdings mehr als 4 Haare.