Blog Klara Groß am 3. März 2015

In die Tiefen des Meeres entführte uns Matthias Picard in Angoulême! Ausstellungs-Rückblick No. 1

Das Comicfestival in Angoulême liegt nun schon eine Weile zurück, aber die Eindrücke der großartigen Ausstellungen vor Ort sind immer noch sehr präsent geblieben und wir möchten sie hier gerne nach und nach mit Euch teilen.

Den Anfang machen wir mit Matthias Picards beeindruckender Ausstellung zu seinem wortlosen 3-D-Comic „Jim Curious – Reise in die Tiefen des Ozeans“! Im Musée de la BD gestaltete Matthias Picard selbst 2 große Räume mit großformatigen Ausdrucken und vielen Originalen.

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Dieser Vorhang bot den Eingang zum ersten Raum und einer wirklich magischen Welt unter Wasser!

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Hier schweben im Schwarzlicht Fische und Rochen durch den Raum…

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… und Korallen umspielen Kästen aus Plexiglas, in denen sich die originalen Zeichnungen zum Buch befinden!

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So schön!

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Aber, halt, stopp, moment mal! Wie war das gerade? „Originale Zeichnungen“?! Wirklich?! In Plexiglaskästen? Wie geht denn das? Auch das erklärt die Ausstellung schön beiläufig. Im Blog muss ich dazu etwas ausholen:

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Wer das Buch kennt, der weiß, dass Jim Curious im Taucheranzug zum Meer torkelt…

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Sobald Jim Curious im Meer ist, wird die Welt um ihn dreidimensional und mit der richtigen Brille lassen sich viele verschiedene Ebenen entdecken.

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Die Landschaft, die Tiere, auch Jim Curious erscheinen mal näher, mal weiter entfernt und immer in mehreren Schichten…

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Diesen Effekt legt Matthias Picard schon am Anfang des Entstehungsprozesses an! Er zeichnet nämlich mit Schwarz und Weiß – ja, tatsächlich – auf Folien! Genauer gesagt, zeichnet er und kratzt und schabt, um verschiedene Strukturen zu gewinnen.

Das erklären die Schautafeln, die wir hier jetzt vorerst leider nur schlecht fotografiert präsentieren können.

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Erst in den letzten Arbeitsschritten doppelt Matthias Picard diese schwarzen Zeichnungen und färbt sie rot und blau ein. Mit der richtigen zweifarbigen Brille entsteht so der dreidimensionale Effekt!

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Im zweiten Raum der Ausstellung kann man sich mit 3-D-Brillen dann das Ergebnis in großformatigen Ausdrucken anschauen. Wie sich an den Gesten der jungen Besucherinnen erkennen lässt, scheint der 3-D-Effekt super zu funktionieren! Man konnte hier aber nicht nur kleine Betrachter dabei ertappen, dass sie versuchen, zwischen die Ebenen zu greifen…

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Durch die verschiedenen Folien kann der Zeichner die farbigen Ebenen jeweils individuell verschieben und unterschiedlich intensiv einfärben und lässt so die Illusion verschiedener Entfernungen entstehen.Aber à propos Entfernung: Hilfe, ein Hai! Schnell weg!

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Einzeln sind die Zeichnungen durchsichtig!

In blauen Taucherkisten in der Mitte des Raumes sammelt Matthias Picard so einige Zeugnisse für diesen spannenden Arbeitsprozess…

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… z.B. Studien von Meeresgetier und Pflanzenwelt…

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… vorbereitende Skizzen für großformatige Zeichnungen…

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… kleine Storyboards, die den Seitenaufbau festlegen und Studien zu verschiedenen Strukturen…

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… weitere Studien und Skizzen…

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… und fertige Zeichnungen auf Folien und Matthias Picards Arbeitsutensilien: Stifte, Federn und Tusche – und eine 3-D-Brille, die er spätestens dann trägt, wenn er die Ebenen am Computer zu den finalen Bildern zusammensetzt!

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Andere der originalen Folien befinden sich, wie gesagt, jetzt in den Plexiglaskästen! Das sagt auch die Figur auf einer der Schautafeln: „Ils sont dans des boites / Ne les touchez pas avec vos sales pattes, ça vaut une fortune!“ (Sie sind in den Kästen / Nicht mit Euren schmutzigen Pfoten anfassen, die sind ein Vermögen wert!)

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Chapeau an Matthias Picard für sein wunderbares Buch und diese wirklich rundum gelungene Ausstellung! Das war ein tolles Erlebnis!