Blog Dirk Rehm am 6. Dezember 2013

How to do “Jimmy Corrigan”

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Derzeit erscheinen auf den Seiten des “Tagesspiegels” die Listen für den “Besten Comic des Jahres 2013″. Als erster Juror schritt heute “FAZ”-Redakteur Andreas Platthaus zur Wahl, der “Jimmy Corrigan” von Chris Ware zu seinem Favoriten gekürt hat. Grund genug, hier einmal ein paar Details zur Herstellung des Buches vorzustellen, denn bis unsere Bücher in der Buchhandlung ankommen, sind etliche Arbeitsschritte erforderlich, die man ihnen ohne Kenntnis des Produktionsprozesses vermutlich nicht auf den ersten Blick ansieht.

Besonderen Wert wird bei uns auf ein sehr comicspezifisches Element der grafischen Bearbeitung gelegt: das Lettering, also die Schrift, die in den Sprechblasen und Textkästen zu finden ist. Comics erzählen durch die Verflechtung von Schrift und Bild; beides ist gleichermaßen wichtig, um die Handlung voranzubringen. Die Schrift bestimmt das Erscheinungsbild der Comicseiten ebenso stark wie die Zeichnungen. Darum ist es unabdingbar, auf die Schrift genau so viel Sorgfalt zu verwenden wie auf die stimmige Übersetzung der Originaltexte.

Das Lettering unserer deutschsprachigen Ausgaben wird in der Regel von Hand erstellt, wenn sich Handlettering in der Originalausgabe findet. Wir verwenden also für die Gestaltung der übersetzten Texte und Lautmalereien keine Computerschriften, sondern beauftragen als Letterer spezialisierte Zeichner mit dieser Aufgabe. Auch die meisten unserer deutschsprachigen Autoren schreiben sämtliche Texte, die in ihren Comics erscheinen, von Hand.

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Die jeweilige Handschrift des Zeichners prägt den Ausdruck und die Atmosphäre eines Comics. Deshalb besteht für den Letterer die erste Herausforderung darin, die Schrift der Originalausgabe möglichst genau wiederzugeben. Das Schriftbild des Handletterers soll zwar gleichmäßig sein, dennoch bleiben kleine Unregelmäßigkeiten erhalten. Eine von Hand geschriebene Schrift wirkt deshalb immer lebendiger als eine Schrift, die mit einem Computerfont gesetzt wurde. Gute Computerfonts haben für jeden Buchstaben etwa drei Variationen, die sich mit dem bloßen Auge unterscheiden lassen, die Variationen der Buchstaben bei Handlettering sind naturgemäß unendlich.

Das Handlettering für “Jimmy Corrigan” wurde von Michael Hau angefertigt, der für die in diesem Fall äußerst kleinteilige Arbeit Monat um Monat gebraucht hat, um die Texte für das 384 Seiten starke Buch zu fertigen.

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Ausgangsmaterial für die Produktion des Letterings ist eine amerikanische Originalausgabe von “Jimmy Corrigan”, die zuerst zerschnitten werden muss, um die einzelnen Seiten besser bearbeiten zu können und spätere Passungenauigkeiten zu vermeiden. Für das Lettering wird ein halbtransparentes Papier verwendet, das mit Klebestreifen auf der Vorlage befestigt wird. Anschliessend wird der Text geschrieben, kleine Korrekturen werden dabei oftmals schon angemerkt. Wichtig ist auch, mit welchem Schreibgerät gelettert wird: Das kann, je nach Originalvorlage, etwa ein Bleistift, ein Fineliner oder ein Pinsel sein.

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Das Lettering wird nun hochaufgelöst eingescannt und die Datei in einem Bildbearbeitungs- oder Layoutprogramm geöffnet. Bevor das Lettering als separate Bildebene auf die Seite gelegt wird, wird es noch von Flecken und sonstigen Unsauberkeiten befreit.

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Wenn nun die Bild- und Textebenen fehlerfrei bearbeitet und zueinander passend ausgerichtet sind, ist die Seite vorerst fertig. So entsteht bei uns eine einzelne Comicseite in der Übersetzung aus den Bilddaten des Originals und den Daten, die vom handgeschriebenen Text produziert werden. Und so sieht das fertige Resultat dann in der deutschen Ausgabe aus:

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