Blog Felix Freigang am 29. März 2018

“Gérard”-Pressespiegel

Druckfrisch und schon viel besprochen: Die Comicreportage „Gérard: Fünf Jahre am Rockzipfel von Depardieu” des französischen Comicautors und Filmemachers Mathieu Sapin ist pünktlich zur Leipziger Buchmesse erschienen und wird seither in zahlreichen Medien kommentiert. In diesem Beitrag versuchen wir uns an einer kurzen Presseschau.

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Anlässlich einer von Knut Elstermann moderierten Autorenlesung in der Berliner Kulturbrauerei legte Moritz Holfelder vom B5, dem Hörfunkkanal des Bayerischen Rundfunks, den Grundstein für ein insgesamt positives Medienecho: Er bezeichnete Sapins Buch als “Meisterwerk”, das sich “auf eine ungemein ironische Art und Weise” dem Menschen Depardieu nähert und dabei von “viel Witz” und “präziser Beobachtungsgabe” getragen wird.

Ausführlich wurde “Gérard” zudem von Alex Rühle in der Süddeutschen Zeitung besprochen, der es als “unbedingt” lesenswert empfahl. Ähnlich begeistert zeigte sich Michael Pilz, der das Werk mit einem ganzseitigen Artikel im Literaturteil der Zeitung DIE WELT würdigte und als “ein sagenhaftes Porträt in Comicform” beschrieb.

“Das ist kein sympathisches Porträt, das von dem Mann gezeichnet wird, aber ein sehr intimes und darum (…) ein sehr interessantes”, resümierte Andreas Platthaus, Literaturchef der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sein Leseerlebnis auf Deutschlandfunk Kultur.

Wie dicht Sapin an Depardieu in seinen fünf Jahren Begleitzeit herankam und wie vielgestaltig die Eindrücke sind, die er in seinem Buch zu einem komplexen Psychogramm des gargantuesken Schauspielers verspinnt, begeisterte die Frankreich-Korrespondentin Brigit Holzer: “Eine Wucht von einem Mann. Unersättlich, furchteinflößend unnachahmbar”, hielt sie u. a. für die Augsburger Allgemeine über den “fleischgewordenen Eiffelturm” fest. Auch Carsten Werners im Tagesspiegel hielt fest, dass “Gérard” letztlich “fast kongenial” als eine “dem großen Künstler Depardieu angemessene Homestory” daherkommt.

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Zugleich gelingt es Sapin – wie Christoph Haas für die Passauer Neue Presse konstatierte – Depardieu durch ein “Ineinander der Widersprüche” zu präsentieren. Somit ist “Gérard” nicht nur eine Hommage, sondern ein von “enormer Situationskomik” bestimmter Comic, der Depardieu als Hauptfigur in “einer vom Leben geschriebenen Komödie” zeigt.

Gerd Heger hielt im SR fest, dass der Comic es ermögliche, den weltweit bekanntesten lebenden Franzosen als “Vollmenschen” zu erleben – ”der von einer solchen Lebenskraft durchdrungen ist, dass nicht nur dem ‘kleinen’ Kritzler, der ihn begleitet, das eine oder andere mal schwindlig wird.”

Dass das Buch auch ästhetische Vergnügungen bereithält, ist in Texten hervorgehoben worden, die einen dpa-Artikel zur Grundlage hatten: “Mit schnellen und leichten Strichen hat Sapin von Depardieu ein Porträt entworfen, das ebenso komplex und vielfältig ist wie dessen Rollen”, ist u. a. im Stern, Focus Online, Hamburger Abendblatt und auf Zeit Online nachzulesen. Kathrin Gemein merkte diesbezüglich in der WAZ und NRZ an: “In bunten Comicbildern, in denen alle Charaktere prägnant karikiert werden, wird mal wieder klar: Es lohnt sich oft ein zweiter Blick.”

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Für Regina Jerichow von der Nordwest Zeitung steht fest: “Gérard” ist ein “amüsantes Road-Movie auf Papier”. Aufgrund seiner Melange aus Künstlerporträt und Comic, empfiehlt zudem Thomas Klingenmaier von der Stuttgarter Zeitung “Gérard” als “eine Ausnahme-Biografie für Depardieu-Interessierte” und “brillante Erzählung für Comic-Liebhaber”.

Und auch in Schweizer Medien ist “Gérard” aufgegriffen worden: Hans Jürg Zinsli beschrieb “Gérard” im Schweizer Tages-Anzeiger als einen “überbordend unterhaltsamen Erlebnisbericht.” Sogar das Schweizer Fernsehen – SRF – widmete dem Buch einen kurzen Beitrag.

Doch auch kritische Stimmen sind in diesem Pressereigen zu vernehmen: Timur Vermes ist die von Sapin inszenierte Sicht auf Depardieu nicht differenziert und substanziell genug, sondern gleiche eher einer “freiwilligen Speichelleckerei”, wie er in seinem Artikel auf Spiegel Online anmahnt. Auch Andrea Heinze erfuhr nur wenig Neues über den Schauspieler und stellte für ihren Beitrag auf Deutschlandfunk die Einseitigkeit der Charakterdarstellung heraus.

Wir beenden diese Presseschau mit einem Fazit, das Mathias Heller für NDR Info zog: “Viele Klischees werden bestätigt, dann überrascht der Schauspieler wieder mit Menschlichkeit und Empathie. Ob man Depardieu am Ende der knapp 150 Seiten jedoch sympathischer findet? Schwer zu sagen. Deutlich näher gekommen ist man ihm aber zweifellos.”