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Zwischen-den-Jahren-Interviews IVb: Brigitte Findakly

Brigitte Findakly ist in Frankreich vor allem als Koloristin bekannt. Sie hat zahlreiche Comicreihen ihres Ehemannes Lewis Trondheim (darunter “Ralph Azham”, “Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase” und “Donjon”) koloriert und mit Comic-Größen wie Joann Sfar (“Die Katze des Rabbiners”) und Manu Larcenet (“Die Rückkehr aufs Land”) gearbeitet. In “Mohnblumen aus dem Irak”, das dieses Jahr im Mai auf Deutsch bei Reprodukt erschien, trat sie zum ersten Mal als Autorin auf. Zusammen mit Lewis Trondheim erzählt sie von ihrem Aufwachsen in der irakischen Stadt Mossul in den 1960ern. Gestern haben wir an dieser Stelle ein Gespräch mit Lewis Trondheim zu dem Projekt veröffentlicht, und heute – und damit beschließen wir unseren Zwischen-den-Jahren-Interview-Reigen – darf Brigitte selbst zu Wort kommt. Beide Interviews wurden im April 2017 per Mail geführt und für interessierten Medien für die Berichterstattung zu dem Band zur Verfügung gestellt.

BrigitteLiebe Brigitte, wann und warum haben Sie die Entscheidung getroffen, ein Buch über Ihre Kindheit im Irak zu schreiben?

Ich wollte diese Geschichte seit vier-fünf Jahren schreiben. Der Irak war nicht mehr wie damals, als ich dort lebte, die Situation verschlechterte sich immer weiter. Wenn ich meine Familie am Telefon hatte, sagten sie: „Du würdest den Irak nicht mehr wiedererkennen, wenn du zurückkämest.“ Und dann erzählten sie mir, wie sich ihr Alltag verändert hatte. Ich hatte Lust, für mich selbst zu schreiben, um meine Erinnerungen festzuhalten und das, was sie mir erzählten. Vor allem als alle meine Cousins auch emigrierten, wusste ich, dass ich nie wieder zurückkehren würde. Außerdem ließ das Gedächtnis meines Vaters in Folge seiner Krankheit mehr und mehr nach, während meine Mutter immer mehr sprach, vor allem von ihrer Kindheit, obwohl sie vorher diesen ganzen Teil ihres Lebens beiseite geschoben hatte. Doch da ich viele Comics las, war ich nicht naiv und sah, dass all meine Schreibversuche fehlschlugen. Doch wenigstens erlaubte mir dies, all die wichtigen und prägenden Dinge aufzuschreiben, von denen ich sprechen wollte. Und ich sagte mir, dass meine Kinder – würden sie eines Tages das Bedürfnis haben zu wissen, was passiert war – dieses Buch lesen könnten. Wir haben nie so richtig die Gelegenheit gehabt darüber zu sprechen. Als der IS 2014 in Mossul, meiner Geburtsstadt, einfiel, zog das einen Schlussstrich unter jegliche Möglichkeit zurückzukehren. Ich verspürte den Drang, das Projekt zu konkretisieren. Genau zu diesem Augenblick trat die Tageszeitung „Le Monde“ an Lewis heran, um ihn zu fragen, ob er einen wöchentlichen Comicstrip mit Aktualitätsbezug für die zukünftige App La Matinale machen wollte. Daraufhin hat mich Lewis gefragt, ob es mich stören würde, wenn er selbst versuchen würde, meinen Erinnerungen Form zu geben. Ich zeigte ihm ein Foto von mir als kleines Mädchen vor einem Tor in Ninive mit diesem geflügelten Löwen, der zwei Wochen vorher mit einem Presslufthammer enthauptet worden war. Und er wusste sofort, wie er anfangen wollte und hat das Foto sogar in den Strip eingearbeitet.

Was war die große Herausforderung dabei, in Ihre Kindheit einzutauchen und sie wiederzugeben? Hatten Sie zwischendurch auch Zweifel, auf dem richtigen Weg zu sein?

Da ich es zunächst allein versucht habe, wusste ich, dass ich zu viele Gefühle einfließen ließ, wenn ich schrieb. Was ich erlebt habe, war kein Horror, keine tragische Erzählung, nur eine Familiengeschichte. Ich wollte keinen Roman daraus machen, deshalb gibt es keine hochtrabenden Szenen und ich wollte keine Dialoge erfinden, historische Nacherzählung betreiben oder auf die Tränendrüse drücken. Für Lewis und mich war eine pragmatische, effiziente Erzählweise, die aber auch nichts verschleiert, unverzichtbar. Man ist nicht zwangsläufig interessant oder herzergreifend, nur weil man sein Innerstes nach Außen kehrt. Manchmal lässt die Nüchternheit dem Leser mehr Platz für Empathie. Es geht um Gefühle in diesem Buch, aber es ging nicht darum, damit zu spielen. Es gibt Personen aus meiner Familie, die ich nicht konkret benannt habe, wenn es ihnen geschadet hätte und auch Elemente, die ich nicht

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Ihre Kindheit in einem fernen Land und einer uns fremden Kultur, Ihre Beziehung zu Ihren Eltern und zu Ihrem Bruder – das alles sind sehr persönliche und emotionale Themen. Hat es Ihnen geholfen, den Stoff mit jemandem, der Ihnen so nahe wie Lewis ist, umzusetzen?

Ich wollte diese Geschichte so erzählen, als wenn ich sie einer Person, die neben mir sitzt, erzähle. Ohne zu übertreiben oder dick aufzutragen. Mit der ersten Geschichte war ich von der Erzählweise und den Zeichnungen, die Lewis vorschlug,  berzeugt. Ich erzählte ihm Dinge und sehr schnell selektierte er und wusste, was interessant war, was jetzt erzählt werden musste oder später oder gar nicht. Manchmal erzählte ich ihm auch etwas ganz anderes, um ihm eine Situation zu erklären, zum Beispiel, dass die Männer die Einkäufe erledigten, und er sagte mir, dass das genau das sei, was man auch erzählen müsste. Wir arbeiten seit 25 Jahren Seite an Seite. Nicht immer an denselben Projekten, aber wir kennen uns gut. Lewis hat sich der Erzählung in den Dienst gestellt und er hörte mir wirklich zu. Und ich hatte ein Vertrauensverhältnis zu ihm, was sehr wichtig ist für eine derart persönliche Geschichte.

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Eine große Leistung ist es, wie Sie es schaffen, komplexe, politische Sachverhalte oder die nicht minder komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen in kurzen Kapiteln mit wenigen Seiten darzustellen. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ich wollte diese Erinnerungen genau so erzählen, wie ich sie gelebt und gefühlt habe. Ich wollte sicher sein, dass der Leser versteht und vielleicht wollte ich das manchmal auch ein bisschen zu viel. Lewis schliff oft den Text und verwies mich auf die Intelligenz des Lesers. Ich neige dazu, mir sehr viele Fragen zu stellen, bevor ich mich entscheide während Lewis von der Sorte Mensch ist, die einfach loslegen, sobald sie ihre Richtung gefunden haben. Da wir eine Geschichte pro Woche für „Le Monde“ vorlegen mussten, hatte ich nicht die Zeit lange hin und her zu überlegen und es war auch sehr viel besser so. Diese Regelmäßigkeit war ein effizienter Antrieb.Mohn2

Warum haben Sie sich für Mohnblumen für den Titel und als grafisches Symbol für Ihre Geschichte entschieden?

Als es darum ging einen Titel zu finden, hat jeder für sich überlegt. Ich sprach von den Mohnblumen Mossuls und Lewis hat daraus die ‚Mohnblumen aus dem Irak‘ gemacht. Das hat 10 Sekunden gedauert. Im Frühling war Mossul von Millionen von Mohnblumen umgeben und uns stach das Bild ihres flüchtigen Lebens nach dem Pflücken ins Auge.

Ist das ein anderes Gefühl, als Autorin eines Werks wahrgenommen zu werden und nicht nur als Grafikerin/Koloristin?

Ganz anders. Gleich mit Erscheinen wurde das Buch sehr positiv aufgenommen. Es traten viele Journalisten, Buchhandlungen, Festivals und Konferenzen an mich heran … (und an Lewis natürlich). Ich bin seit über 30 Jahren Koloristin und wenn ich erfolgreiche Alben koloriere, kommt normalerweise niemand und befragt mich zu meiner Arbeit oder wenn, dann nur sehr selten. Doch ich muss zugestehen, dass man in den letzten Jahren begonnen hat, die Arbeit von Koloristen mehr anzuerkennen.

Zwischen-den-Jahren-Interviews IVa: Lewis Trondheim

Neben Riad Sattoufs ESTHERS TAGEBÜCHER erschien 2017 ein weiteres Buch aus Frankreich, das sich mit Kindheit und Aufwachsen beschäftigte: MOHNBLUMEN AUS DEM IRAK vom KünstlerInnen-Ehepaar Brigitte Findakly und Lewis Trondheim. Gemeinsam erzählten die beiden von Brigitte Findaklys ersten Lebensjahren, die sie zusammen mit ihren Eltern im Irak der der 1960er Jahre verbrachte. Wir haben für die Öffentlichkeitsarbeit sowohl mit Brigitte als auch mit Lewis gesprochen. Die Interviews kommen heute und morgen in zwei Teilen, und den Anfang macht Lewis Trondheim. Viel Spaß dabei!

trondheimLieber Lewis Trondheim, Sie arbeiten schon seit vielen Jahren mit Ihrer Frau Brigitte Findakly zusammen – sie hat einen Großteil Ihrer Comics koloriert. Bei MOHNBLUMEN AUS DEM IRAK war Brigitte die Autorin und Sie haben Ihre Geschichten zeichnerisch umgesetzt. War es eine Herausforderung, die Arbeitskonstellation umzudrehen?

Normalerweise habe ich das letzte Wort. Doch diesmal war ich es, der die Botschaft und die Intentionen, die sie mit ihren Anekdoten ausdrücken wollte, verstehen musste und eine Möglichkeit finden musste, sie niederzuschreiben. Anschließend sagte sie, ob ihr das Ergebnis gefiel oder nicht. Aber da wir schon so lange zusammenarbeiten, gab es keine Streitigkeiten und wir haben uns nicht scheiden lassen.

Wie viel haben Sie zu dem Plot von MOHNBLUMEN AUS DEM IRAK beigetragen?

Ich musste die Erzählung nach ihren Erinnerungen verfassen. Und anschließend einen Weg finden, sie zu illustrieren, ohne sie immer nur grafisch zu paraphrasieren. Die Zeichnungen sollten mehr ausdrücken.

Für Ihre eigenen autobiografischen Arbeiten haben Sie einen sehr charakteristischen Zeichenstil entwickelt und zeichnen sich selbst und andere als Tierfiguren. Für MOHNBLUMEN AUS DEM IRAK haben Sie ihren gewohnten grafischen Stil geändert. Warum?Mohn
Tiercharaktere hätten zu viel Distanz geschaffen. Ich wollte, dass sich der Leser den Figuren nahe fühlt. Wir haben versucht, keinen Pathos in die Erzählung zu legen. Die Geschichten bleiben stets faktisch. Wir haben uns nicht erlaubt, Dialoge der Epoche nachzuschreiben oder neu zu erfinden. Die Zeichnungen sollten jedoch leichter zugänglich und warmherzig sein. Vor allem auch, weil wir Fotos mit eingebaut haben. Es wäre komisch gewesen, richtige Menschen auf den Fotos zu zeigen und daneben Enten in Dschellaba.

Fast zeitgleich mit MOHNBLUMEN AUS DEM IRAK erscheinen zwei weitere Projekte von Ihnen auf Deutsch, die Ihre künstlerische Bandbreite sehr schön verdeutlichen. Der erste Band der Krimireihe MAGGY GARRISSON mit Stéphane Oiry (bei Schreiber und Leser) und MICKEY‘S CRAZIEST ADVENTURES mit dem Zeichner Nicolas Keramidas (bei Egmont). Können Sie uns etwas über die beiden Reihen verraten?

MaggyStéphane Oiry und ich wollten schon lange einmal zusammenarbeiten. Ich habe ihn gefragt, was für eine Geschichte er wolle, und er antwortete: einen Krimi. Das hat meinen Enthusiasmus erst einmal gedämpft. Diese Gattung wurde schon tausendmal ausgeschlachtet. Schwierig, da jenseits der  ekannten Strickmuster zu denken und das Genre zu erneuern. Doch indem wir eine weibliche Heldin gewählt haben, die noch dazu nicht dem Typus der ‚femme fatale‘ entspricht und indem wir uns in ihren Kopf hineinversetzen, mittels eines inneren Monologs, der ihre Gedanken erzählt, fühlte ich mich der Figur näher und konnte ihr schneller eine Identität geben. Und ich wollte mehr eine Milieustudie als einen Krimi. Im ersten Album gibt es, glaube ich, nur zwei Faustschläge. Den Rest der Zeit macht Maggy ihre Einkäufe und stellt ein paar Ermittlungen in ihrer Umgebung an. London als Setting bot sich an, weil Stéphane dort über zwei Jahre gelebt hat und Lust hatte, die Stadt zu zeichnen.

DisneyUnd was das Disney-Projekt anbelangt: Jacques Glénat war schon immer ein großer Fan der Disney-Geschichten. Er hat daher Druck gemacht, damit auch in Frankreich anerkannte Autoren Disney-Comics machen. Keramidas hat mich kontaktiert, um mich zu bitten, ihm ein Szenario zu schreiben. Ich war sofort begeistert, denn Carl Barks und Gottfresson haben mich durch meine Jugend begleitet. Das Problem war, dass Keramidas bereits einen sehr Disney-lastigen Zeichenstil hat. Also hatte ich die Idee, eine Faksimile-Geschichte zu machen mit dem Aufhänger, dass wir Comicseiten aus den Sechziger Jahren wiedergefunden hätten, aber nicht alle. Die Grundlage unserer Geschichte war also die Auslassung von handlungsarmen Plot-Seiten – unsere Story hüpft von einer Action-Seite zur nächsten. Das entsprach auch dem Lektüreerlebnis meiner Jugendjahre, als ich immer zu meinem Cousin ging, der ein Abo des „Mickey Mouse“-Magazins hatte und dann Monat für Monat ein paar Episoden verpasste. Also musste ich in meinem Kopf rekonstruieren, was passiert sein konnte.

Zwischen-den-Jahren-Interviews III: Guy Delisle

In unserem Blog-Adventskalender hatten wir vor den Feiertagen einen Kurzcomic von Guy Delisle veröfftlicht, der während der Lese- und Promotour zu seiner aktuellen Graphic Novel GEISEL entstanden ist. Guy Delisle ist aber nicht nur wie Rockstar getourt und hat Pressetermine en masse bedient, sondern uns auch im Vorfeld ein charmantes Interview für unser Pressedossier gegeben. Hier kommt das gute Stück – viel Spaß beim Lesen!

Delisle GuyVielen Dank, Guy, dass Du Dir die Zeit nimmst, mit uns über Dein neustes Buch GEISEL zu sprechen. In GEISEL erzählst Du die Geschichte von Christophe André, einem NGO-Mitarbeiter, der im Jahr 1997 111 Tage in Geiselhaft im Kaukasus verbracht hat. Wie hast Du Christophe kennengelernt und was hat Dich daran interessiert, seine Geschichte zu erzählen?

Christophes Geschichte ist mir zunächst in einem Zeitungsartikel untergekommen und ich war sofort sehr beeindruckt. Ich erwähne seine Erfahrung schon in SHENZHEN – einem meiner ersten Comicbücher. Durch den Beruf meiner Frau bei Ärzte ohne Grenzen haben wir viel mit Leuten zu tun, die bei NGOs arbeiten, und eines Tages meinte jemand: „Christophe ist hier. Der Typ, den Du in SHENZHEN erwähnst. Es kommt mit uns zum Abendessen.“ Er saß neben mir und ich habe ihn mit Fragen gelöchert. Ich war sehr erstaunt, weil er so offen über seine Erfahrung sprach. Es hätte mich nicht gewundert, hätte er nicht darüber sprechen wollen – über die schlechten Erinnerungen an die Gefangenschaft. Aber im Gegenteil. Er erzählte mir, eigenhändig zu fliehen, war für ihn die beste Therapie und dass er nicht bereue, was passiert sei. Ich sagte ihm sofort, das sei eine fantastische Story und dass wir eines Tages ein Comicbuch daraus machen sollten. Er sagte: „Ja klar“. Das war vor 15 Jahren. Wir haben damals Tonaufnahmen gemacht. Ein mehrstündiges Interview, das meine wesentliche Informationsgrundlage für die Arbeit an GEISEL wurde. Es hat lange gedauert, aber jetzt ist das Buch fertig!

9783956401176Nach vielen erfolgreichen autobiographischen Comics ist GEISEL das erste Buch seit langem, das nicht Deine eigene sondern die Geschichte von jemand anderem erzählt. War es eine Herausforderung die Geschichte eines anderen zu erzählen?

Ja, das war es und das ist wahrscheinlich der Grund dafür, warum sich das Projekt so lange hingezogen hat. Weil es nicht meine eigene Geschichte war, fragte ich mich ständig, ob ich sie richtig erzählte, so wie er sie erlebt hat. Was waren seine Gedanken während der Gefangenschaft? Schließlich begann ich einfach das zu zeichnen, was mir am wahrscheinlichsten schien, und die Zeichnungen an Christophe zu schicken und mit ihm abzugleichen. Das funktionierte gut, denn wir waren inzwischen Freunde geworden. Unsere Kinder sind im selben Alter und wir hatten mehrere Urlaube gemeinsam verbracht. Dass ich ihm die Seiten zeigen konnte, gab mir Mut und es fiel mir immer einfacher zu zeichnen. Ich würde ihm eine Seite schicken und er antwortete „Dieser Typ war ein bisschen älter und hatte einen Schnurrbart.“ So haben wir gearbeitet. Es war mir wichtig, dass er das ganze Buch gesehen hatte, bevor es in den Druck ging, und es hat mich sehr erleichtert, über den Entstehungsprozess hinweg konstant mit Christophe in Kontakt zu sein.

Eine über 400 Seiten lange Geschichte, die hauptsächlich in einem kargen Zimmer spielt, in Bildern zu erzählen, scheint ein schwieriges Unterfangen – gerade weil Deine früheren Bücher von den exotischen Beobachtungen leben, die Du in fremden Ländern machst. Wie bist Du mit dieser Einschränkung umgegangen?

Ich habe das nicht als Problem empfunden. Als ich Christophe fragte, wie das Zimmer aussah, in dem er gefangen war, ob es Ziegel oder eine Struktur an der Wand gab, sagte er nur „Nein, sie war weiß und flach.“ Das war alles. Aber mir war klar, dass die Zeichnungen sehr minimalistisch werden würden. Seine Geschichte ist so stark. Die Zeichnungen mussten zurückhaltend sein, um der Geschichte den Vorrang zu gewähren. Keine effekthascherischen Szenarien, keine verrückten Perspektiven. Es sollte alles sehr schlicht gezeichnet sein. Die Details, die er mir beschrieb, waren interessant und das war genug.

GEISEL lässt die Leser und Leserinnen auf gewisse Weise die Qualen einer Geiselhaft mit durchleben. Die monotone Gleichförmigkeit der Tage, die Langeweile, die Ungewissheit. Wie hast Du dafür gesorgt, dass ein Buch über Eintönigkeit ein spannendes Leseerlebnis bleibt?

Meine Erfahrung als Leser dicker Bücher sagte mir, das würde funktionieren: Die Spannung ist durch die Ausgangssituation gegeben und der Leser wird von einer Seite zur nächsten blättern, weil er wissen will wie Christophe da raus kommt. Aber ich wollte es dem Leser nicht zu leicht machen zu entkommen. Er sollte die Zeit wirklich kriechen spüren. Deswegen habe ich auch sprunghafte Schnitte vermieden à la „Zwei Wochen später…“ und dann ist sein Bart etwas länger, er sieht erschöpfter und etwas ramponierter aus. Es war mir wichtig, fast Tag für Tag zu erzählen, denn es sollte eine Geschichte zum Eintauchen werden, bei der der Leser komplett in Christophes Kopf ist. Das war die wesentliche Absicht des Buches: Die Leser mitfühlen zu lassen, was er dort durchgestanden hat.

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Für viele Leser zeichnet sich Guy Delisle durch eine gut ausbalancierte Mischung aus ernsten Themen, frechem Humor und Selbstironie aus. Bei GEISEL kommt die humorvolle Note zwangsläufig etwas kurz. Wie war es für Dich an einer weitestgehend humorlosen Geschichte zu arbeiten? Wie wichtig ist Humor für Dich als Storyteller?

Sehr wichtig! Meine Geschichten und Comics bauen eigentlich immer auf Humor. Es war mir klar, dass es diesmal anders werden würde. Ich habe mich trotzdem dafür entschieden, das Projekt anzugehen. Humor ist nur eine Facette und es ist auch spannend unterschiedliche Bücher zu machen. Christophes Geschichte hat mich einfach zu sehr fasziniert.

Geisel83Der Originaltitel S‘ENFUIR bedeutet „entkommen“ oder „fliehen“. In Deutschland heißt das Buch GEISEL. Wie bist Du damals auf den Titel S‘ENFUIR gekommen und was denkst Du über den deutschen Titel?

Der deutsche Titel ist dem englischen ähnlich und tatsächlich hatte ich auch überlegt, das Buch im Französischen „Otage“ zu nennen. Aber „s‘enfuir“ ist ein Verb, also enthält es diese aktive Komponente. Es klingt aktiver als „Geisel“ und das war mir wichtig, denn er entflieht der Situation ja auch in seinen Gedanken – mit seiner Vorstellungskraft. Er ging kriegshistorische Ereignisse in seinem Kopf durch, um sich abzulenken. Napoleonische Schlachten, um die Zeit totzuschlagen. Das fand ich super! Er flieht in seinem Kopf und schließlich auch wirklich. Das Wort „S‘Enfuir“ trägt diese Doppelbedeutung im Französischen. Ich weiß nicht wie es im Deutschen ist…

GEISEL ist bei weitem Dein längstes Projekt. Woran wirst Du jetzt arbeiten, da das Buch abgeschlossen ist?

Ich würde gerne an kürzeren Sachen arbeiten, wahrscheinlich für Kinder. Aber zurzeit bin ich mit Animationen zum RATGEBER FÜR SCHLECHTE VÄTER beschäftigt. Wir wollen da einen kleinen Trailer machen und obwohl es nur 3 Minuten sind, braucht das viel Zeit. Momentan bin ich also wieder beim Trickfilm.

Zwischen-den-Jahren-Interviews II: Riad Sattouf

Im Frühjahr 2017 erschien mit ESTHERS TAGEBÜCHER: MEIN LEBEN ALS ZEHNJÄHRIGE der erste Band eines neuen Comic-Langzeitprojekts des Franzosen Riad Sattouf. Seine Protagonistin, die zehnjährige Esther, gibt es wirklich. Sie ist die Tochter eines befreundeten Ehepaares. Sie erzählt Sattouf regelmäßig über ihr Leben, ihre Familie, ihre Freundinnen und den Schulalltag, und Sattouf erzählt ihr Leben nach, in tagebuchartigen One-Pagern. Jedes Jahr wird ein neuer Comicband erscheinen (Band 2 ist bei Reprodukt für März 2018 geplant) – die LeserInnen werden in den kommenden Jahren Esther beim Erwachsenwerden begleiten.

Für die Pressearbeit zum ersten Band traff uns Riad Sattouf für ein sehr sympathisches Interview, das wir euch hier jetzt präsentieren. Viel Spaß dabei!

9783956401183Danke Riad, dass Du Dir die Zeit nimmst, mit uns über Dein neuestes Buch zu sprechen. Die Episoden in ESTHERS TAGEBÜCHER basieren auf wahren Begebenheiten und Erzählungen von einem kleinen neunjährigen Mädchen namens Esther. Kannst Du uns ein wenig über Esther erzählen? Wie habt ihr euch kennengelernt und wie sah eure Zusammenarbeit aus?

Bei meiner Arbeit an DER ARABER VON MORGEN dachte ich viel an meine Kindheit in Syrien zurück. In dieser Phase traf ich die kleine Tochter eines Freundes. Sie war neun und ein ziemlich normales Mädchen, das in Paris lebt – ganz anders als ich, der im nahen Osten aufgewachsen ist. Das hat mich interessiert. Esther hat keine Probleme – jedenfalls keine augenfälligen. Ihre Eltern lieben sich, sie sind weder besonders reich noch besonders arm, sie ist hübsch und gut in der Schule. Sie begann mir über ihr Leben zu erzählen. Sie ist erst neun Jahre alt und hat sehr bestimmte Vorstellungen darüber, in welche Kategorien Menschen eingeteilt werden können. Es gibt hässliche Menschen, schöne Menschen, berühmte Menschen… Es war interessant zuzuhören. Als wäre sie eine Reisende und würde mir von den Streifzügen durch ihre Kindheit erzählen. Also kam mir die Idee, einen Comic daraus zu machen. Ich begann sie wöchentlich anzurufen oder zu treffen und kleine Geschichten aus ihren Erzählungen zu machen. So hat es angefangen.

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ESTHERS TAGEBÜCHER soll ein Fortsetzungsprojekt mit insgesamt 8 Folgen werden, die jährlich erscheinen. Du planst, Esther durch ihre Jugend hinweg zu begleiten, bis sie eine junge erwachsene Frau ist. Was erhoffst Du Dir von einem solchen langfristigen Projekt? Befürchtest Du, dass Esther als Teenager keinen Bock mehr haben könnte und Dir abspringt?

Ja, daran habe ich auch schon gedacht. Wenn sie 16 Jahre alt ist, wird sie vielleicht Punk und rebelliert oder so. Aber momentan denke ich nicht an solche Eventualitäten. Sie erzählt mir einfach ihre Geschichten. Wobei, eigentlich sind es keine Geschichten. Sie erzählt mir etwas aus ihrem Leben und ich mache kleine Geschichten daraus. Zum Beispiel frage ich sie, welche neue Band sie gerade hört und dann spricht sie mit mir über Musik. Oder sie erzählt mir von hippen, neuen Marken. All die Kinder und Teenager lieben Marken, und so lerne ich von ihr auch etwas über diese Welt. Es war mir wichtig dieses Comicprojekt so langfristig anzulegen, weil es mich interessiert zu sehen und zu zeigen, wie sich moralische Ansichten und Werte über die Jahre entwickeln. Als ich Esther kennenlernte, meinte sie zum Beispiel, sie hasst hässliche Jungs. Und letztens hat sie mir erzählt, dass hässliche Jungs auch intelligent sein können. Aber trotzdem ist sie in die gut aussehenden Jungs verknallt. Solche Sachen sagen, denke ich, viel über unsere Gesellschaft aus. Ich stelle mir immer vor, wenn es ein Atominferno gäbe und Außerirdische auf die verwüstete Erde kämen, dann würden sie meine Comics finden und denken: „Aha, So haben die Menschen damals also gelebt?!“ Das ist mein Ziel, eine Momentaufnahme der Gesellschaft. Das ist nicht sehr bescheiden, ich weiß. Tut mir Leid, es ist prätentiös, aber das ist es, was ich hier versuche.

Der Araber von morgen Band 1 von Riad SattoufWelche Ähnlichkeiten erkennst Du zwischen Deiner und Esthers Kindheit? Was haben Esther und der kleine Riad aus DER ARABER VON MORGEN gemein?

Bei Esther – und ich denke die allermeisten Kinder sind so – spielt alles Sinnliche eine sehr große Rolle. Im Gespräch mit einem Erwachsenen ist es beispielsweise sehr selten, dass man darüber spricht wie jemand gerochen hat oder wie etwas geklungen hat. Bei Kindern geht es ständig um Geräusche, Gerüche, Geschmäcker… Sie sind wie Tiere. Als ich klein war, war ich so, und Esther ist es auch. Sie sagt mir häufig Sachen wie: „Dieser Junge aus
meiner Klasse riecht so übel.“, oder: „Mein Klassenzimmer riecht, als hätte jemand die Wand mit… soundso gewaschen.“ Mir gefällt ihre sinnliche Art die Welt wahrzunehmen und zu beschreiben. Eine weitere Ähnlichkeit ist die starke Trennung von Mädchen und Jungen. Esther geht auf eine Privatschule mit vielen reichen Kindern in Paris, ich bin in einem sehr armen syrischen Dorf nahe Homs aufgewachsen. Trotzdem ist es scheinbar überall dasselbe: Jungs spielen mit Jungs, Mädchen spielen mit Mädchen. Jungs spielen Fußball und Mädchen spielen… ähm… andere Spiele.

Und wo liegen Deiner Meinung nach die größten Unterschiede zwischen einer Kindheit heutzutage und vor 30 Jahren?

Esther ist besessen von Spitzentechnologie. Es ist immer sehr wichtig, wer das neueste iPhone hat. Das war bei mir natürlich ganz anders. Es gab keine Technologie. Das ist der größte Unterschied, denke ich.

In Deinen Beobachtungen in DER ARABER VON MORGEN scheinst Du viele Probleme und Ursprünge der neueren Entwicklungen im Nahen Osten zu beschreiben. Wenn der kleine Riad uns Einblick in die arabische Welt der 80er gibt, was erzählt uns Esther über Frankreich im Jahr 2017 und über mögliche zukünftige Entwicklungen?

Uh, eine sehr ambitionierte Frage… Sehr kompliziert. Wann immer ich versuche etwas zu analysieren oder zu generalisieren, werden meine Antworten etwas schwach… Es fällt mir schwer, meine Kindheitserinnerungen an Syrien mit der heutigen Situation in Beziehung zu setzen. In DER ARABER VON MORGEN erzähle ich einfach meine Geschichte. Vielleicht kann man das Heute mit der damaligen Situation vergleichen, in der Annahme, dass es eine vorrevolutionäre Situation war beziehungsweise ist, weil die soziale Schere immer weiter aufgeht und es so viel Ungleichheit gibt. Aber hätte mich jemand vor 10 Jahren gefragt, ob sich die Situation in Syrien ändern wird, hätte ich sicherlich Nein gesagt… Der Gedanke, dass Ursachen für zukünftige Entwicklungen im Comic bereits erkennbar sind, ist interessant. Aber das muss der Leser selbst weiterdenken. Es ist jedenfalls nicht meine Absicht Prognosen zu machen.

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Wie wurde der erste Band von Esther selbst aufgenommen?

Während ich an dem Comic arbeitete, war sie nicht wirklich interessiert am Projekt. Sie liest keine Comics und es hat sie einfach nicht besonders interessiert. Aber als das Buch herauskam, gab ich ihr ein Exemplar, das sie las, und es hat ihr sehr gefallen. Sie meinte: „Ja, ich mag es, weil Esther ist irgendwie ich, aber irgendwie auch nicht. Das ist lustig.“ Sie hat mir auch gestanden, dass sie in echt mehr „schlimme Worte“ benutzt als im Comic. Für den Comic hab ich tatsächlich versucht, die Anzahl Schimpfwörter zu begrenzen.

Zwischen-den-Jahren-Interviews I: Daniel Clowes

ClowesKann man es schon eine Tradition nennen? In den letzten Jahren haben wir zwischen den Jahren auf dem Reprodukt-Blog Interviews veröffentlicht, die wir im Laufe des jeweiligen Jahres für unsere Öffentlichkeitsarbeit (vor allem für die PDF-Pressedossiers) mit unseren Künstlerinnen und Künstlern geführt haben. Und das wollen wir wieder machen. (Na, nennen wir das dieses Jahr noch “eine liebe Gewohnheit” – und ab dem nächsten dann “Tradition”, einverstanden?)

9783956401190Den Anfang macht der US-Amerikaner Daniel Clowes, der 2017 gleich zweimal das Reprodukt-Programm bereichert hat. Im März erschien seine aktuellste Arbeit: das Low-SciFi-Zeitreise-Liebesdrama PATIENCE. Und im Mai folgte eine (hand-)geletterte Neu-Edition seines Misantrophen-Serials WILSON (dicht gefolgt von der Kino-Version mit Woody Harrelson in der Rolle des titelgebenden Miesepeters, die im Sommer in den Arthaus-Kinos lief: WILSON – DER WELTVERBESSERER).

Das folgende Interview entstand Ende Januar 2017 auf dem Comicfestival Angoulême, auf dem Daniel Clowes die französische PATIENCE-Ausgabe promotete und sich dankenswerterweise kurz für uns Zeit nahm.

Vielen Dank, Dan, dass Du mit uns über Dein neuestes Buch PATIENCE sprichst. Worum geht es in PATIENCE? Was hat Dich an der Idee des Zeitreisens interessiert?

Ich war nicht besonders interessiert an den wissenschaftlichen Mechanismen einer Zeitreise. Das übersteigt bei weitem mein physikalisches Verständnis. Mich interessierte das Reisen durch die Zeit eher als Metapher – als eine Möglichkeit Charaktere zu erkunden und zu erforschen, wie wir mit Erinnerung und unserer eigenen Vergangenheit umgehen. Für mich geht es in PATIENCE um diese kleinen Entscheidungen, die wir alle ständig treffen. Es geht darum wie die Aneinanderreihung dieser Entscheidungen uns entweder an Orte, die wir uns nie erträumt hätten, oder zu katastrophalen Enden führen kann.

PATIENCE ist offenkundig eine fiktionale Geschichte. Gab es einen Schlüsselmoment in Deinem Leben, der Dein Interesse an dem Gedankenspiel des Zeitreisens geweckt hat? Sind Deine Figuren an realen Menschen angelehnt?

Ja, vor einigen Jahren habe ich eine größere Retrospektive für eine Museumsausstellung zusammengestellt. Dabei sind mir Arbeiten in die Hand gefallen, an die ich viele Jahre lang nicht mehr gedacht hatte. Es entstand eine Art Dialog zwischen meinem alten Ich und meinem jungen Ich, in dem ich versuchte nachzuvollziehen, wie ich vom jungen zum alten Dan geworden war. Beide schienen mir sehr unterschiedliche Personen zu sein – mit nur wenigen Ähnlichkeiten. Das war die Grundidee zu PATIENCE: Zwischen einer jungen und einer älteren, sehr anderen Version einer Figur herumzureisen und sich darüber zu wundern, wie wir uns im Laufe eines Lebens verändern und zu ganz anderen Menschen werden. Alle meine Figuren basieren auf echten Menschen und Begegnungen. Die allermeisten sind aber keine Eins-zu-eins-Portraits, sondern eher eine Mischung mehrerer Leute. Wenn eine Figur sehr stark nach einer spezifischen Person geschrieben ist, muss ich die Haarfarbe und anderes verändern, sodass ich es glaubhaft abstreiten kann, sollte ich damit konfrontiert werden.

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Welche Entwicklung siehst Du selbst in Deiner Arbeit von EIGHTBALL bis PATIENCE? Nimmst Du Deine alten Arbeiten anders wahr, wenn Du sie heute anschaust, als damals als sie entstanden sind?

Ich versuche es zu vermeiden über meine eigene Entwicklung nachzudenken. Ich denke es ist irgendwie kontraproduktiv sich als Künstler aus dieser Perspektive zu betrachten. Eher sehe ich mich in der Mitte eines wilden Tornados – ein Ding der Unmöglichkeit da den größeren Kontext zu erkennen, der alles umgibt. Aber als ich an der EIGHTBALL-Anthologie arbeitete, hat es mich schockiert zu erkennen, wie viel Persönliches eingeflossen war, von dem ich nie gedacht hätte, dass ich es öffentlich thematisiert hatte. Es war viel persönlicher und emotionaler als ich es in Erinnerung hatte.

Was würdest Du als erstes tun, wenn Du die Gelegenheit hättest durch die Zeit zu reisen?

Darüber habe ich selbstverständliche viel nachgedacht. Und natürlich wäre es interessant sich in der Zeitgeschichte umzuschauen und zu sehen, ob Jesus gelebt hat und derartige Dinge… Aber ich musste feststellen, dass der stärkste Impuls für mich wäre, in meine eigene Kindheit zurückzureisen und zu sehen, wie sie wirklich war. Ich habe mein Leben lang versucht, mich an meine Vergangenheit zu erinnern, aber die Erinnerungen sind sehr vernebelt und unscharf. Also würde ich dem gerne nachgehen – obwohl das auch eine schreckliche Verschwendung der Gelegenheit wäre.

9783956400735Viele Deiner Comics wurden verfilmt – GHOST WORLD zum Beispiel und kürzlich WILSON. Hat Deine Erfahrung mit der Arbeit an Filmen etwas daran geändert, wie Du über Comics denkst?

Ja, es hat mir vor allem gezeigt, was ich an Comics habe. Einen Film zu drehen ist eine sehr kollaborative Angelegenheit. Ich schreibe im Prinzip nur eine Mustervorlage für einen Film, die andere dann ausfüllen. Jeder Regisseur würde einen komplett anderen Film daraus machen als jeder andere Regisseur. Wenn ich aber Comics zeichne, bin ich ein absoluter Gott. Ich habe ultimative Entscheidungsfreiheit über den gesamten Prozess und kann tun und lassen, was ich will. Ich gebe niemals etwas ab, mit dem ich nicht hundertprozentig zufrieden bin.

Bei so viel Kontrolle – spielt denn auch der Zufall eine Rolle in der Entstehung und Entwicklung einer Geschichte?

Auf jeden Fall, ja! Ich bemühe mich Geschichten intuitiv zu finden. Ich versuche beim Zeichnen nicht zu programmatisch zu sein und offen zu bleiben für diese magischen Ideen, die einen einfach anspringen während man arbeitet und das Gehirn damit beschäftigt ist, den Kosmos einer neuen Geschichte zu ersinnen.

Danke für das Gespräch!

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