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Morgen startet der Reprodukt-Adventskalender

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Morgen beginnt die Weihnachtszeit und auch auf unserem Blog wird es vorweihnachtlich. Reprodukt hat dieses Jahr einen Adventskalender mit Comic-Beiträgen der besonderen Art vorbereitet. Jeden Tag öffnet sich auf unserem Blog ein Adventstürchen, um Euch mit ersten Leseproben von Büchern aus dem kommenden Frühjahrsprogramm, Autoreninterviews, unveröffentlichten Zeichnungen, Bastelanleitungen und vielem mehr den Dezember zu versüßen.

An den Adventssonntagen und am Nikolaustag finden Verlosungen statt. Teilt diese Beiträge auf Twitter oder Facebook, macht einen Screenshot und schickt ihn dann an Annemarie Klimke, um an den Verlosungen teilzunehmen.

Viel Glück und eine schöne Adventszeit wünschen Euch Reprodukt und Rosa und Louis. Wir danken Ferdinand Lutz für das schöne Wintermotiv!

Kontaktcenter am 5. Dezember

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Am Dienstag, den 5. Dezember um 20 Uhr präsentieren Anke Feuchtenberger (“Die hollandische Schachtel”), Birgit Weyhe, Marijpol und Michel Esselbrügge im Rahmen der Comiclesereihe “Kontaktcenter” ihre neuen Arbeiten im kleinen B-Movie-Kino auf St. Pauli in Hamburg.

B-Movie Kino, Brigittenstraße 5, 20359 D-Hamburg
Eintritt: 5 Euro | 3,50 Euro

Unser erstes Pappbilderbuch: “Schläfst du?” von Dorothée de Monfreid

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Wir präsentieren heute: “Schläfst Du?” von Dorothée de Monfreid – unser allererstes Pappbilderbuch und zugleich einen großartigen Kindercomic für ganz Kleine (2+) – .

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Es ist Nacht und alle schlafen tief und fest. Alle bis auf Nono. Der Ärmste kriegt kein Auge zu, weil Popow so laut schnarcht.

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Er weckt Micha, damit der ihm etwas vorliest.

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Jetzt wird auch Zaza wach und möchte nicht mehr in ihrem Bett schlafen. Ob Pedro mit ihr tauscht? Nur wenn Nono ihm ein Kuscheltier borgt. Kaki hat Durst und Omar vertritt sich ein bisschen die Beine.

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Oje, wird heute Nacht noch irgendwer Schlaf finden?

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Aus dem Französischen übersetzt wurde “Schläfst Du?” von Ulrich Pröfrock (Redaktion: Michael Groenewald), für das charmante Handlettering jedes SCHNURCHs, SCHNAAAs und PÜÜHs hat Dirk Rehm seine Tuschefedern flott gemacht.

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Wir freuen uns sehr, mit “Schläfst Du?” von Dorothée de Monfreid den Anfang für eine ganze Reihe lustiger Geschichten um die Hundebande machen zu können: Im kommenden März werden mit “Keine Lust” und “Wartet auf mich!” bereits zwei weitere Pappbilderbücher um das bunte Rudel erscheinen. “Schläfst Du?” gibt es aber bereits jetzt im Buch- und Comichandel Eures Vertrauens. Also, viel Spaß und… schlaft gut!

“Brodecks Bericht” von Manu Larcenet

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Es ist ein Brett.

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Manu Larcenet (“Der alltägliche Kampf”, “Blast”) versteht sein Handwerk und bringt es auch in seiner neuen Graphic Novel “Brodecks Bericht” (nach einem Roman von Philippe Claudel) wieder zur vollen Entfaltung. Düster, inhaltlich schwer zu schlucken, zugleich wunderschön gezeichnet und von beeindruckendem Umfang haut einen das Werk einfach auf allen Ebenen um.

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Es ist Winter kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Abseits von einem kleinen Dorf im deutsch-französischen Grenzgebiet lebt Brodeck.

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Als er eines Abends in das Wirtshaus geht, trifft er auf eine schauerliche Szene: Die Dorfgemeinschaft hat soeben kollektiv einen Fremden ermordet. Brodeck ist entsetzt, doch die Männer zwingen ihn, einen Bericht zu verfassen, der ihre Tat rechtfertigen soll.

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Widerwillig beginnt er für die Dorfbewohner zu schreiben und während er mehr und mehr von den Abgründen der Tat erfährt, gerät er allmählich selbst ins Visier ihrer Drohungen…

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Die Leserschaft erfährt währenddessen mehr und mehr über die schicksalshafte Vergangenheit der Dorfbewohner.

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Mit Philippe Claudels Bestseller “Brodecks Bericht” geht Manu Larcenet erstmalig eine Adaption an und haucht dem tragisch-düsteren Roman stimmungsvoll Leben ein. In umwerfenden Bildern zeichnet Larcenet die Abgründe der Menschheit und setzt sie vor eine Kulisse roher Natur.

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In Frankreich erschien “Brodecks Bericht” in zwei Teilen, wir haben sie in Absprache mit dem Autor zu einem umfangreichen, aber auch abgeschlossenen Werk zusammengefasst.

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Aus den Französischen übersetzt wurde die Graphic Novel von Ulrich Pröfrock (Redaktion: Michael Groenewald), für das Lettering wurde die Handschrift von Manu Larcenet durch Viktor Nübel in einen Font verwandelt. Für Lettering & Herstellung zeichnet sich Minou Zaribaf verantwortlich (Ausstattung: Klara Groß; Druck & Bindung: Jelgavas, Lettland).

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Für alle Freundinnen und Freunde heftiger und düsterer Literatur & feiner Zeichenkunst. Ab sofort im Buch- und Comichandel Eures Vertrauens!

Wie man Sterne miteinander verbindet – Chronologie einer Zusammenarbeit

“Der Sommer ihres Lebens” ist die erste gemeinsame Arbeit zwischen dem Schriftsteller Thomas von Steinaecker und der Zeichnerin Barbara Yelin. Ursprünglich war die Geschichte um Gerda für den Abdruck in einer Zeitung gedacht, dann entstand sie für “Hundertviertzehn”, den Literaturblog des S. Fischer-Verlags. Nun im Herbst erschien die Geschichte überarbeitet in Buchform bei Reprodukt.

Und auch als gedruckter Comic ist “Der Sommer ihres Lebens” in aller Munde! Der Rückblick der alten Dame Gerda auf ihr zugleich außergewöhnliches und doch irgendwie auch normales Leben berührt und begeistert. So können wir uns nicht nur über ein umfassendes und positives Feedback aus der Presse freuen, sondern auch über eine zweite Auflage innerhalb weniger Monate.

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Doch wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen dem Schriftsteller Thomas von Steinaecker und der Comicautorin und Zeichnerin Barbara Yelin eigentlich vorstellen? Erschafft der Schriftsteller ein Skript mit Dialogen und Regieanweisungen (ähnlich zu einem Drehbuch im Film) und die Zeichnerin macht dann die Bilder dazu – fertig? Ist es wirklich so einseitig oder ist der Prozess in dem Fall nicht doch komplexer? Wie erschafft man gemeinsam eine Geschichte, einen Comic? Wie entwickeln sich die ersten Ideen über Überlegungen zum Namen der Protagonistin bis zum fertigen Comic?

Wir haben die große Freude, in diesem Blogeintrag über Zeitschnipsel, E-Mails und Skizzen einen Einblick in diese gemeinsame Arbeit zu bekommen. Lasst uns zwei großen Erzählern in ihrem Austausch über die Schulter schauen. Viel Spaß!

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Wie man Sterne miteinander verbindet – Chronologie einer Zusammenarbeit

(1) 29. Dezember 2014 – Thomas von Steinaecker:
Email mit erster Idee für einen Fortsetzungscomic an die Redaktion einer Zeitung
Die mit Barbara abgesprochene Geschichte, soweit ich sie in diesem frühen Stadium skizzieren kann, wäre folgende: Eine alte Frau liest Zeitung und bricht dabei sterbend zusammen. Sie tut das aber in Zeitlupe, d.h. jede Folge enthielte ein oder zwei Bilder dieses sich immer weiter fortsetzenden Zusammenbruchs, an dessen Ende (Folge 15) sie (tot) auf dem Boden aufkommt. In der Zwischenzeit erinnert sie sich an ihr Leben, aber besonders an einen Sommer, den Sommer ihres Lebens sozusagen.

Geplant wäre, auch mit dem Medium Zeitung zu spielen: Das Druckbild teilweise aufzunehmen, sodass der Comic auf den ersten Blick wie ein Artikel oder eine Anzeige oder eine Todesanzeige erscheint. Es soll also ein genuiner Zeitungs-Comic entstehen, nicht nur eine vorabgedruckte Graphic Novel. Dazu passt auch, dass es eine Geschichte über das Vergehen der Zeit ist, den Sturz aus der Aktualität in das, was (vielleicht) vom Leben am Ende bleibt.

(2)
Die Zeitung bewilligt das Projekt. Im Sommer 2015 soll es starten. Jede Folge soll zwei Zeilen à maximal sechs Panels haben. Eines unserer Hauptprobleme: die Zeit – die Zeit für ein Projekt, das sich finanziell nicht rechnen wird, aber uns beiden am Herzen liegt.
Thomas: Romanfertigstellung, Dokumentarfilm-Dreiteiler für 3Sat und Radiofeature.
Barbara: Lesereisen, Ausstellungen, Workshops.

(3) Thomas von Steinaecker: Eine der ersten Skizzen für Folge 1
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(4) 16. April 2015 – Barbara Yelin an Thomas von Steinaecker:
E-Mail
Folgende Fragen zu Folge 1: Wo wohnt Susanne? Welchen Beruf hat(te) sie? Wird ihr Mann eine Rolle spielen in der Geschichte? Wieviele Kinder hat sie? Undsoweiter.

Ich merke, dass ich es so noch zu pauschal finde zum fertigen Zeichnen. Würde deshalb gern warten, bis ich die ganze Story lesen kann. Es muss ja nicht alles schon ausformuliert sein. Aber eine Zusammenfassung, was in jeder Folge so passiert.

Zu meinem Storyboard:
Die Textlinie und die Zeitebenenidee finde ich sehr schön, die einleitende Frage ist super. Danach hat mir mehr Handlung gefehlt, und am Schluss eine spannende Frage oder Wendung, die mich auf die nächste Folge warten lässt.
Ich wollte dir gern schon was zeigen, und die Zweifel oder Ideen nicht nur schreiben, deshalb habe hier jetzt eigenmächtig etwas daran herumgebaut:
- Im zweiten Panel klopft die Pflegerin, das leitet dann über in die Kindheit.
- Das Zeitkolorit im Rückblick fehlt noch.
- Zum Schluss kriegt man bei mir jetzt die Pflegerin zu sehen. Nur ein Vorschlag. Dann gibt es etwas Interaktion.
- Da wäre es meines Erachtens super, wenn es noch eine Überraschung gibt im Erzähltext.

(5) Barbara Yelin: Frühe Skizze für Folge 1
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(6) Thomas von Steinaecker: Überarbeitete Folge 1, Seite 1 als Skript

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(7) 23. April 2015 – Thomas von Steinaecker an Barbara Yelin:
E-Mail
Mir ist jetzt der Knackpunkt klar geworden: Das Sternbild ist der Schlüssel. Alle Folgen sind wie Punkte eines Sternbilds. Susanne kann es nie sehen. Aber so wie der Leser am Schluss alle Episoden gelesen hat, so kann Susanne das Sternbild am Ende sehen. Und sie ist glücklich, weil sie realisiert, dass sie doch ein Leben hatte, dass ihr Leben eine Gestalt hatte, anders als sie befürchtet hat. Und selbst wenn vieles schieflief. Das wäre dann auch die Hollywood-Message, die ich aber eigentlich ganz rührend und wahr finde…

Es gibt jetzt einige Leitmotive: Sommer, Zeitvergehen, Zeit anhalten, Zeitreisen, Fliegen können…

Problem: Es sind jetzt 19 Episoden. Zu viele! Zu viele? Manche kann man sicher rauslassen. Aber ich würde gerne vermeiden, dass es halt „nur“ eine wenn auch fragmentarisch, aber chronologisch erzählte Geschichte ist, die uns alle Schlüsselszenen eines Lebens präsentiert. Mich interessieren eigentlich immer die Nebenstränge und die Episoden, wo nichts Wichtiges zu passieren scheint, mehr. Auch sollte man ab und zu mitkriegen, dass man noch im Pflegeheim ist. Die letzte Episode finde ich einfach rührend. Nötig ist sie vielleicht nicht. Vielleicht bin ich auch gerade auf dem Kitsch-Trip.

Textlich muss sicher noch viel getan werden. Ich fände es jetzt wichtig, dass wir beide das Gefühl haben, dass die Figur Susanne, ihr Leben und ihre „Erlösung“ anschaulich und fühlbar gemacht werden. Dass das Gesamtkonzept und die Abfolge der Episoden stehen. Sobald wir uns dann einig sind, welche Episoden es braucht, NICHT braucht und vielleicht NOCH braucht, werde ich verfeinern – gerne auch nach deinem Feedback, das ich als sehr hilfreich empfinde.
Herzlich und eine gute Zeit!!!
Carrie Bradshaw

(8)
Die Zeit vergeht. Sie weiß es nicht besser.
Die Zusammenarbeit mit der Zeitung zerschlägt sich.
„Hundertvierzehn“, das Internet-Magazin des S. Fischer Verlags, sagt zu.
Aus einem Print- wird ein Web-Projekt.

(9) Barbara Yelin: Frühes Storyboard für Folge 1
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(10) Barbara Yelin: Zur Arbeitstechnik bei „Der Sommer ihres Lebens“
Ich starte ganz einfach mit Skizzenpapier auf A3, Bleistift und mit dem ersten Panel, und suche eine passend Bild-Einstiegs-Situation für den Dialog.

Dann drucke ich alles aus und pause am Leuchttisch grob die Skizzen aufs Zeichenpapier durch. Dann arbeite ich mich Panel für Panel vor, mit Bleistift, Farbstift, farbiger Tinte und Tusche und Gouache.

Meistens gibt es noch einen zweiten Durchgang der Überarbeitung, wenn ich einmal drüber geschlafen habe. Das Ankucken und Überlegen, wo noch Änderungen gut wären, ist mindestens ebenso wichtig wie das Zeichnen selbst.

Dann scanne ich (am A3-Scanner), und dann wird in den digitalen Daten noch einmal vieles von mir retuschiert und die Sprechblase und die Texte eingesetzt, Flecken rausgenommen etc. Dazu benutze ich ein digitales Zeichenbrett mit Stift und speziellen digitalen Pinselspitzen.

Dann schicke ich es Thomas und außerdem einigen Probelesern, darunter immer der fantastische Christian Maiwald, der fast alle meine Projekte als Comiclektor begleitet. Ich sammle die Feedbacks und Tipps und gehe dann nochmal drüber.

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(11) 12. August 2015 – Barbara Yelin an Thomas von Steinaecker
E-Mails

Lieber Thomas,
Ein anderes Problem habe ich leider noch!! Meine Schwester ist Physikerin, hat Familie und heißt: Susanne. Komischer Zufall, oder? Und: Mir war das gar nicht aufgefallen. Aber wenn es blöd läuft, würde ich damit Parallelen aufmachen, die keiner beabsichtigt. Deshalb wäre ich total dankbar, wenn wir Susanne umbenennen können! Geht das noch?

– Thomas von Steinaecker an Barbara Yelin
Das können wir gerne machen. Verstehe das als Wink des Schicksals, denn als ich eben nach typischen Mädchennamen während des 2. WK suchte, stieß ich auf
URSULA
Und das bedeutet: „kleine Bärin“!
Also: Ursula!!
Ihr Vater nennt sie: Ursel.
Peter nennt sie: Ursi.
Müsstest du halt jetzt alles nochmal ändern … ich achte da auch nochmal drauf.

– Barbara Yelin an Thomas von Steinaecker
Du machst mich fertig. Ursula heißt meine andere Schwester, Spitznamen Ursl. Die ist zwar keine Physikerin, aber mir wär’s lieber, wir lassen die Schwestern raus. (Und bevor du darauf kommst, meine dritte Schwester heißt Anna.) Erika vielleicht?

– Thomas von Steinaecker an Barbara Yelin
Au weh…
Erika klingt für mich irgendwie abtörnend. Vielleicht Gerda oder Helga?
Spitzname: Gerdi (Peter), Gerdl (Vater)
Bei Helga fällt mir eigentlich keine Koseform ein, also dann Gerda?

– Barbara Yelin an Thomas von Steinaecker
Gerda ist gut!

(12) Barbara Yelin: Storyboard für Folge 4
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(13)
Im Oktober 2015 erscheint die erste Folge von „Der Sommer ihres Lebens“ auf „Hundertvierzehn“.
Zu diesem Zeitpunkt sind alle fünfzehn Episoden getextet, davon zwei fertig gezeichnet und fünf weitere im Skizzenstadium.
Barbara ist artist in residence in Krems. Thomas schneidet seinen Doku-Dreiteiler über die Geschichte der Performance-Kunst in Berlin. Der Austausch über die jeweils neueste Folge erfolgt ausschließlich abends über E-mails.

(14) Januar 2017 – Thomas von Steinaecker: Erinnerung an einen Nachmittag im Atelier
Im Sommer 2016, nachdem alle fünfzehn Folgen auf „Hundertvierzehn“ erschienen waren, hatten sowohl Barbara als auch ich den Wunsch, den Comic auch in Buchform erscheinen zu lassen. Einerseits ergibt sich dadurch – immer noch – eine größere Reichweite; andererseits reizt es uns beide, die Einzelepisoden in eine durchgehende Handlung umzuwandeln. Allerdings erforderte dieser Schritt viele grundsätzliche Überlegungen: Das Layout kann nicht 1:1 von den Netzvorlagen übernommen werden; durch Seitenumbrüche ergeben sich Leerflächen, die visuell und inhaltlich gefüllt werden müssen, und: Die Folgen brauchen Übergänge. Texte? Bilder? Ein Gemisch aus beidem? In Farbe? Monochrom?

Nach vielen Experimenten, die wir uns per Mail hin und her schicken, sitzen wir uns eines Nachmittags wieder in Barbaras Atelier gegenüber. Und es passiert etwas, was zuvor schon ein paar Mal geschehen ist, wenn wir solche „Sessions“ abhielten, und was ich als ziemlich magisch empfinde: Diese Momente, die ich als Schriftsteller nicht kenne, der zu Hause an seinem Tisch sitzt und sich als „Master of the Universe“ fühlt, nur um dann festzustellen, dass „meine“ Figuren schon längst beschlossen haben, dass sie meine Pläne ziemlich doof finden, und ihr eigenes Leben führen. Wir gehen die Folgen durch, meine Skizzen für die Übergänge, und plötzlich, ohne es beschlossen zu haben, reden wir in verteilten Rollen, mit den Stimmen der Protagonisten, spinnen Szenen weiter, fügen Details auf Bildern hinzu. Guck mal hier! Ja. Genau. Genau so.

Und Gerda war da und strahlte, der freche Johnny mit seiner Gang auch, sie klopften blöde Sprüche, die Bibliothekarin gab Gerda Tipps – und die Sterne funkelten an der Decke des Ateliers. Einfach so. Am helllichten Tag.