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Foreign Rights 2014-2017

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Das Jahr 2003, in dem unter anderem “Wir können ja Freunde bleiben”” von Mawil erschienen ist, markierte in vielerlei Hinsicht einen Wendepunkt im Schaffen der alternative Comicszene in Deutschland. Seitdem sind viele Comics deutschsprachiger Autorinnen und Autoren erschienenderen Qualität von Medien und Publikum erkannt wurde. Aber nicht nur das: Talente aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden weltweit Beachtung, wie die weiterhin wachsende Anzahl der – vor allem ins europäische Ausland – verkauften Lizenzen zeigt.

Unter diesem Link gibt es einen Blogbeitrag zu den Lizenzveröffentlichungen bis 2014: “Reprodukt-Comics im Ausland”

Hier eine Auswahl von Übersetzungen von Comics – aus den letzten vier Jahren – die in verschiedenste Sprachen und Länder übersetzt wurden (wenn auch hauptsächlich nach Frankreich):

JAN-FREDERIK BANDEL & SASCHA HOMMER

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“Im Museum” von Jan-Frederik Bandel & Sascha Hommer
Frankreich: Éditions Delcourt

ARNE BELLSTORF

“Baby’s in Black” von Arne Bellstorf
Türkei: Iletisim Publishing
Südkorea: Gobooky Books

AISHA FRANZ

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“Shit Is Real” von Aisha Franz
Frankreich: L’émployé du Moi
USA & Kanada: Drawn & Quarterly

ANNA HAIFISCH

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“The Artist” von Anna Haifisch
Frankreich: Misma Éditions
Spanien: Reservoir Books
Großbritannien | USA: Breakdown Press

“The Artist – Der Schnabelprinz” von Anna Haifisch
Frankreich: Misma Éditions
Portugal: Monumental – Centro de Artes

SASCHA HOMMER

“Dri Chinisin” von Sascha Hommer
Frankreich: L’Association

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“In China” von Sascha Hommer
Frankreich: Les Éditions Atrabile

ANKE KUHL

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“Lehmriese lebt!” von Anke Kuhl
Frankreich: Éditions Jungle

FERDINAND LUTZ

“Q-R-T – Der neue Nachbar” von Ferdinand Lutz
Frankreich: Éditions Frimousse

MAWIL

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“Kinderland” von Mawil
Frankreich: Gallimard Jeunesse
Polen: Kultura Gniewu
Russland: Boom Kniga

THOMAS VON STEINAECKER & BARBARA YELIN

“Der Sommer ihres Lebens” VON Thomas von Steinecker & Barbara Yelin
Niederlande: Soul Food Comics

PATRICK WIRBELEIT & MAX FIEDLER

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“Antonia war schon mal da” von Patrick Wirbeleit & Max Fiedler
Frankreich: Dargaud Jeunesse

PATRICK WIRBELEIT & UWE HEIDSCHÖTTER

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“Kiste” von Patrick Wirbeleit & Uwe Heidschötter
Serbien: VigeVageKnjige
Spanien: La casita roja
Vereinigte Staaten: IDW

BARBARA YELIN

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“Irmina” von Barbara Yelin
China: Gingko Books
Großbritannien | USA: SelfMadeHero
Frankreich: Les Éditions de l’An 2 | Actes Sud
Italien: Rizzoli Lizard
Niederlande: Soul Food Comics
Serbien: Modesty stripovi
Spanien: Astiberri

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“Vor allem dir selbst sei treu – Channa Maron” von Barbara Yelin
Frankreich: Les Éditions de l’An 2 | Actes Sud

Gratis-Comic-Tag mit “Q-R-T” und “Unerschrocken”

Am 12. Mai findet in über 300 Buchhandlungen und Comicshops in Deutschland, Österreich und der Schweiz der 9. Gratis-Comic-Tag statt.

Reprodukt_GCT2018_Q-R-T_CVR_web-1-500x714Unter den 35 Gratis-Heften, die dieses Jahr kostenlos verteilt werden, sind zwei von Reprodukt. “Q-R-T – Mein Nachbar ist ein Außerirdischer” stellt eine Auswahl von Geschichten aus Band 1 und 2 der Kindercomicreihe “Q-R-T” von Ferdinand Lutz vor. Der Kölner Comiczeichner hatte den Stoff als Fortsetzungsserie für das Kindermagazin “Dein SPIEGEL” entworfen.

In Buchform sind bei Reprodukt bislang die Bände “Q-R-T: Der neue Nachbar” und “Q-R-T: Flummi allein Zuhaus” erschienen. Titelheld Q-R-T ist ein außerirdischer Forscher von einem Planeten, dessen Bewohner ein Leben lang Kind bleiben. Auf der Erde beobachtet er das seltsame Verhalten der einheimischen Spezies (Mensch) und lernt dabei ein paar findige Kinder, die seine Geheimmission durchschauen. Für das Gratis-Comic-Tag-Heft hat Ferdinand Lutz ein exklusives Covermotiv gezeichnet.

Reprodukt_GCT2018_Unerschrocken_CVR_web-1-500x714Das zweite GCT-Heft kommt von der französischen Zeichnerin Pénélope Bagieu: “Unerschrocken: Porträts außergewöhnlicher Frauen”. Pénélope Bagieu zählt zu den derzeit erfolgreichsten Comickünstlerinnen Frankreichs. In ihren Comics erzählt sie gerne von widerspenstigen, charakterstarken Frauenfiguren, unter anderem in “California Dreamin’” von Cass Elliot, einer Sängerin der kalifornischen Band The Mamas and the Papas.

Herbst 2017 erschien mit “Unerschrocken” ihr erstes Buch bei Reprodukt. In fünfzehn Kurzcomics macht sie die Leserinnen und Leser bekannt mit Frauen, die in ihrer Zeit Herausragendes geleistet haben, darunter Wissenschaftlerinnen, Sportlerinnen, Schriftstellerinnen oder auch eine chinesische Kaiserin, der kein Mann das Wasser abgraben konnte.

Im Mai diesen Jahres erscheint der zweite Band, der wieder fünfzehn Mini-Comicbiografien enthält, unter anderem von Peggy Guggenheim oder der afghanischen Rapperin Sonita Alizadeh. Im Gratis-Comic-Tag-Heft sammeln wir eine Auswahl von Geschichten aus Band 1 und 2.

www.gratiscomictag.de

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45. Festival International de la Bande Dessinée Angoulême 2018

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Vom 25. bis zum 28. Januar 2018 findet in Angoulême das 45. Festival International de la Bande Dessinée statt. Als Präsident des Festivals wird der schweizer Zeichner Cosey (“Jonathan”, “Der Buddha des Himmels”, Salleck Publications) mit einer großen Ausstellung geehrt.

Viele internationale Gäste sind angekündigt sowie diverse Ausstellungen, unter anderem zum Werk von Emmanuel Guibert (“Ariol”, “Alans Krieg”, Edition Moderne) und von Marion Montaigne (“Dans la combi de Thomas Pesquet”, Dargaud). Aus Deutschland sind unter anderem die Zeichnerinnen und Zeichner Kathrin Klingner (“Katze hasst Welt”) und Sascha Hommer (“Sascha Homme en Chine”, Atrabile) vor Ort.

Festival International de la Bande Dessinée, 71, rue Hergé, F-16000 Angoulême
www.bdangouleme.com

Zwischen-den-Jahren-Interviews IVb: Brigitte Findakly

Brigitte Findakly ist in Frankreich vor allem als Koloristin bekannt. Sie hat zahlreiche Comicreihen ihres Ehemannes Lewis Trondheim (darunter “Ralph Azham”, “Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase” und “Donjon”) koloriert und mit Comic-Größen wie Joann Sfar (“Die Katze des Rabbiners”) und Manu Larcenet (“Die Rückkehr aufs Land”) gearbeitet. In “Mohnblumen aus dem Irak”, das dieses Jahr im Mai auf Deutsch bei Reprodukt erschien, trat sie zum ersten Mal als Autorin auf. Zusammen mit Lewis Trondheim erzählt sie von ihrem Aufwachsen in der irakischen Stadt Mossul in den 1960ern. Gestern haben wir an dieser Stelle ein Gespräch mit Lewis Trondheim zu dem Projekt veröffentlicht, und heute – und damit beschließen wir unseren Zwischen-den-Jahren-Interview-Reigen – darf Brigitte selbst zu Wort kommt. Beide Interviews wurden im April 2017 per Mail geführt und für interessierten Medien für die Berichterstattung zu dem Band zur Verfügung gestellt.

BrigitteLiebe Brigitte, wann und warum haben Sie die Entscheidung getroffen, ein Buch über Ihre Kindheit im Irak zu schreiben?

Ich wollte diese Geschichte seit vier-fünf Jahren schreiben. Der Irak war nicht mehr wie damals, als ich dort lebte, die Situation verschlechterte sich immer weiter. Wenn ich meine Familie am Telefon hatte, sagten sie: „Du würdest den Irak nicht mehr wiedererkennen, wenn du zurückkämest.“ Und dann erzählten sie mir, wie sich ihr Alltag verändert hatte. Ich hatte Lust, für mich selbst zu schreiben, um meine Erinnerungen festzuhalten und das, was sie mir erzählten. Vor allem als alle meine Cousins auch emigrierten, wusste ich, dass ich nie wieder zurückkehren würde. Außerdem ließ das Gedächtnis meines Vaters in Folge seiner Krankheit mehr und mehr nach, während meine Mutter immer mehr sprach, vor allem von ihrer Kindheit, obwohl sie vorher diesen ganzen Teil ihres Lebens beiseite geschoben hatte. Doch da ich viele Comics las, war ich nicht naiv und sah, dass all meine Schreibversuche fehlschlugen. Doch wenigstens erlaubte mir dies, all die wichtigen und prägenden Dinge aufzuschreiben, von denen ich sprechen wollte. Und ich sagte mir, dass meine Kinder – würden sie eines Tages das Bedürfnis haben zu wissen, was passiert war – dieses Buch lesen könnten. Wir haben nie so richtig die Gelegenheit gehabt darüber zu sprechen. Als der IS 2014 in Mossul, meiner Geburtsstadt, einfiel, zog das einen Schlussstrich unter jegliche Möglichkeit zurückzukehren. Ich verspürte den Drang, das Projekt zu konkretisieren. Genau zu diesem Augenblick trat die Tageszeitung „Le Monde“ an Lewis heran, um ihn zu fragen, ob er einen wöchentlichen Comicstrip mit Aktualitätsbezug für die zukünftige App La Matinale machen wollte. Daraufhin hat mich Lewis gefragt, ob es mich stören würde, wenn er selbst versuchen würde, meinen Erinnerungen Form zu geben. Ich zeigte ihm ein Foto von mir als kleines Mädchen vor einem Tor in Ninive mit diesem geflügelten Löwen, der zwei Wochen vorher mit einem Presslufthammer enthauptet worden war. Und er wusste sofort, wie er anfangen wollte und hat das Foto sogar in den Strip eingearbeitet.

Was war die große Herausforderung dabei, in Ihre Kindheit einzutauchen und sie wiederzugeben? Hatten Sie zwischendurch auch Zweifel, auf dem richtigen Weg zu sein?

Da ich es zunächst allein versucht habe, wusste ich, dass ich zu viele Gefühle einfließen ließ, wenn ich schrieb. Was ich erlebt habe, war kein Horror, keine tragische Erzählung, nur eine Familiengeschichte. Ich wollte keinen Roman daraus machen, deshalb gibt es keine hochtrabenden Szenen und ich wollte keine Dialoge erfinden, historische Nacherzählung betreiben oder auf die Tränendrüse drücken. Für Lewis und mich war eine pragmatische, effiziente Erzählweise, die aber auch nichts verschleiert, unverzichtbar. Man ist nicht zwangsläufig interessant oder herzergreifend, nur weil man sein Innerstes nach Außen kehrt. Manchmal lässt die Nüchternheit dem Leser mehr Platz für Empathie. Es geht um Gefühle in diesem Buch, aber es ging nicht darum, damit zu spielen. Es gibt Personen aus meiner Familie, die ich nicht konkret benannt habe, wenn es ihnen geschadet hätte und auch Elemente, die ich nicht

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Ihre Kindheit in einem fernen Land und einer uns fremden Kultur, Ihre Beziehung zu Ihren Eltern und zu Ihrem Bruder – das alles sind sehr persönliche und emotionale Themen. Hat es Ihnen geholfen, den Stoff mit jemandem, der Ihnen so nahe wie Lewis ist, umzusetzen?

Ich wollte diese Geschichte so erzählen, als wenn ich sie einer Person, die neben mir sitzt, erzähle. Ohne zu übertreiben oder dick aufzutragen. Mit der ersten Geschichte war ich von der Erzählweise und den Zeichnungen, die Lewis vorschlug,  berzeugt. Ich erzählte ihm Dinge und sehr schnell selektierte er und wusste, was interessant war, was jetzt erzählt werden musste oder später oder gar nicht. Manchmal erzählte ich ihm auch etwas ganz anderes, um ihm eine Situation zu erklären, zum Beispiel, dass die Männer die Einkäufe erledigten, und er sagte mir, dass das genau das sei, was man auch erzählen müsste. Wir arbeiten seit 25 Jahren Seite an Seite. Nicht immer an denselben Projekten, aber wir kennen uns gut. Lewis hat sich der Erzählung in den Dienst gestellt und er hörte mir wirklich zu. Und ich hatte ein Vertrauensverhältnis zu ihm, was sehr wichtig ist für eine derart persönliche Geschichte.

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Eine große Leistung ist es, wie Sie es schaffen, komplexe, politische Sachverhalte oder die nicht minder komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen in kurzen Kapiteln mit wenigen Seiten darzustellen. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Ich wollte diese Erinnerungen genau so erzählen, wie ich sie gelebt und gefühlt habe. Ich wollte sicher sein, dass der Leser versteht und vielleicht wollte ich das manchmal auch ein bisschen zu viel. Lewis schliff oft den Text und verwies mich auf die Intelligenz des Lesers. Ich neige dazu, mir sehr viele Fragen zu stellen, bevor ich mich entscheide während Lewis von der Sorte Mensch ist, die einfach loslegen, sobald sie ihre Richtung gefunden haben. Da wir eine Geschichte pro Woche für „Le Monde“ vorlegen mussten, hatte ich nicht die Zeit lange hin und her zu überlegen und es war auch sehr viel besser so. Diese Regelmäßigkeit war ein effizienter Antrieb.Mohn2

Warum haben Sie sich für Mohnblumen für den Titel und als grafisches Symbol für Ihre Geschichte entschieden?

Als es darum ging einen Titel zu finden, hat jeder für sich überlegt. Ich sprach von den Mohnblumen Mossuls und Lewis hat daraus die ‚Mohnblumen aus dem Irak‘ gemacht. Das hat 10 Sekunden gedauert. Im Frühling war Mossul von Millionen von Mohnblumen umgeben und uns stach das Bild ihres flüchtigen Lebens nach dem Pflücken ins Auge.

Ist das ein anderes Gefühl, als Autorin eines Werks wahrgenommen zu werden und nicht nur als Grafikerin/Koloristin?

Ganz anders. Gleich mit Erscheinen wurde das Buch sehr positiv aufgenommen. Es traten viele Journalisten, Buchhandlungen, Festivals und Konferenzen an mich heran … (und an Lewis natürlich). Ich bin seit über 30 Jahren Koloristin und wenn ich erfolgreiche Alben koloriere, kommt normalerweise niemand und befragt mich zu meiner Arbeit oder wenn, dann nur sehr selten. Doch ich muss zugestehen, dass man in den letzten Jahren begonnen hat, die Arbeit von Koloristen mehr anzuerkennen.