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Einblicke in die Reprodukt-Bibliothek: „Petit“ von Hubert & Bertrand Gatignol

Hi!

Ich bin Lotte und die dritte im Bunde der Praktikantinnen. Sowie Abril und Andrea mache auch ich ein Praktikum bei Reprodukt. Dank meiner Familie habe ich von klein auf Comics verschlungen, unter anderem viel von Reprodukt.

Ich habe mir als erstes Buch zum Vorstellen „Petit – Riesen wie Götter“ von Hubert und Bertrand Gatignol ausgesucht, weil es wie ein klassisches Märchen anmutet. Also vielleicht ein dunkles Märchen oder eher eine mythologische Geschichte wie die Erzählung der Medusa. Und genau das ist die Art von Märchen, die ich mag.

In diesem Buch geht es um eine Dynastie von Riesenkönigen und den jüngsten Sohn der Riesenkönigin, der kaum größer als ein Mensch ist. Vor Generationen gab es einen König der Riesen, der alle anderen schon vom Kindesalter an überragte. Er war für die Riesen der Gottkönig und strebte danach sogar noch größer zu werden. In der Überzeugung selbst ein Gott zu sein, begann er Menschen zu essen – und nach und nach ahmte es ihm seine ganze Familie nach.
Die gegenwärtige Generation von Riesen scheint sich fast ausschließlich von Menschen zu ernähren und geht brutal mit den menschlichen Bediensteten um. Von ihren Untertanen werden sie zwar als Götter verehrt, aber göttlich sind sie wahrhaft nicht. Und in dieser unwirtlichen Welt lebt Petit.

Zugegeben habe ich dieses Buch zuerst in die Hand genommen, weil ich das Cover einfach schön fand. Als ich das Buch aufgeschlagen habe war ich schon vom ersten Panel begeistert, mit der an eine Kathedrale erinnernde Hochburg der Riesen und die nahezu winzigen Häuser der Menschenstadt darunter. Das Konzept des Sohns der Riesenkönigin, der kaum größer als ein Finger seiner Mutter auf die Welt kommt und somit eigentlich dem Tode geweiht ist, hat mich sofort gefesselt. Die Ästhetik der übermenschlich großen Säulengänge und weiten Landschaften um den vergleichsweise kleinen Petit verzaubert oder flößt Angst ein. Die Landschaft drumherum ist hübsch, mit Bergen die sich dem Himmel entgegen recken und der Burg der Riesen, die langsam vor sich hin zerfällt sowie menschenleeren Ruinen die Teil der Burg sind. Die wunderschönen Zeichnungen erwecken diese düstere Welt zum Leben. Doch das Leben in dieser Welt ist kalt und brutal. Selbst für Petit, der behütet von seiner Großtante und Mutter aufwächst.

Ich mag zwar Geschichten mit dunkleren Themen, doch „Petit“ ist nichts für schwache Nerven. Die menschenfressenden Riesen sind schon überwältigend, mit ihren Essgewohnheiten und ihrer Rücksichtslosigkeit gegenüber allem Kleinerem! Aber es gibt auch viele kleinere, gemeine Details, die mir erst beim zweiten Lesen aufgefallen sind. Durch den Zeichenstil werden die grotesken Gesichter der Riesen deutlich und ihre Emotionen verzerren ihre Visagen noch weiter. Also ist „Petit“ unter Umständen mit Bedacht zu genießen.

Workshop zum Übersetzen von Comics

Der Deutsche Übersetzerfonds lädt zum fünftägigen Workshop „Sequenzielle Kunst – Sprachliche Vielfalt mit fließenden Übergängen“ ein. Schwerpunkt des Workshops ist die Arbeit anhand vielfältiger und sprachübergreifender Übersetzungsvorhaben ins Deutsche. Dieses wird begleitet von Übungen, Diskussionsrunden zu Übersetzungsfragen und Vorträgen von Lektorin Heike Drescher, Übersetzer Uli Pröfrock und Schriftsteller Thomas von Steinaecker, in denen sie Einblicke in ihre Arbeit geben. Zudem können Fragen zu Verträgen und anderen berufspolitischen Aspekten geklärt werden.

Der Workshop „Sequenzielle Kunst – Sprachliche Vielfalt mit fließenden Übergängen“ findet vom 28. Mai bis zum 1. Juni 2019 im Literarischen Colloquium Berlin statt. Teilnahmebedingungen sind eigene Übersetzungsvorhaben ins Deutsche und Bewerbungsschluss ist am 17. März 2019. Ein Workshopangebot des Deutschen Übersetzerfonds im Rahmen seiner „Akademie der Übersetzungskunst“, in Kooperation mit dem Deutschen Comicverein e.V.

Literarisches Colloquium Berlin Am Sandwerder 5, D-14109 Berlin
www.uebersetzerfonds.de

Einblicke in die Reprodukt-Bibliothek: „Ein Sommer am See“ von Mariko & Jillian Tamaki

Hi!

Ich bin Abril, gehe in die 9. Klasse und mache gerade ein Schülerpraktikum bei Reprodukt. Wie Euch Andrea letzte Woche schon mitgeteilt hat, werden wir drei Praktikantinnen, also Andrea, Lotte und ich, Euch an dieser Stelle jeden Freitag unsere Favoriten unter den vielen Reprodukt-Comics vorstellen. Ich hoffe, dass Ihr unter diesen einige findet, die euch gefallen!

Ich werde mit dem Comic „Ein Sommer am See“ von Mariko Tamaki und Jillian Tamaki anfangen. Ich habe den Band zwar erst entdeckt, als ich mein Praktikum hier angefangen habe, aber als ich ihn erst einmal in die Hände gekriegt habe, konnte ich ihn nicht aus der Hand legen.


Ein Sommer, zwei Mädchen und viele Probleme, mit denen sich die jugendliche Protagonistin Rose rumschlagen muss. Sie fährt wie jedes Jahr mit ihrer Familie in ein Ferienhaus in Awago Beach, doch dieses Jahr ist alles ganz anders, denn außer ihren familiären und Liebesproblemen, läuft es mit ihrer Ferienfreundin Windy, mit der sie bis jetzt jeden Sommer verbracht hat, auch nicht mehr so gut wie früher. Anstatt sich für die kindlichen Spiele zu interessieren, sucht Rose die Nähe der älteren Teenager im Ort, die sie gleichzeitig abstoßen und faszinieren.

Ich konnte mich mit ein paar Sachen in dem Comic gut identifizieren, vor allem die Situation zwischen Windy und Rose hat meinen Alltag wiedergespiegelt, sie erinnerte mich an meine Freunde und mich, wie wir uns während der letzten drei Jahre auf einer unglaublich schnellen Weise verändert haben und wie unterschiedlich wir uns weiterentwickelt haben. Es ist ein sehr spannendes und zugleich liebevolles Buch. Mit wunderschönen und einzigartigen Zeichnungen erzählen Mariko Tamaki und Jillian Tamaki die fesselnde Geschichte vom Erwachsenwerden ihrer Hauptfigur. Ihre Bilder haben mal eine weichere, schwungvollere Linie, die vermischt mit den dunklen Lila- und den verschiedenen Grautönen und den vielen weißen Flächen die Handlung in ihrer Schönheit ergänzt und die sich dem Fluss der Geschichte perfekt anpasst. Der Leser wird regelrecht vom Comic in den Bann gezogen, in einen Sommer voller Gruselfilme, Schwimmstunden im See und Ausflügen zum kleinen Laden Brewster´s.

„Girlsplaining“: Katja Klengel zu Gast in Walthers Buchladen Berlin

Am Freitag, den 15. Februar 2019 um 19.30 Uhr, lädt Walthers Buchladen in Berlin-Steglitz zur Comiclesung mit Katja Klengel ein. Im Anschluss an Lesung und Gespräch gibt es noch die Möglichkeit, die eigene Ausgabe des Comics „Girlsplaining“ signieren zulassen.

Warum haben wir vor dem Wort „Vulva“ mehr Angst als vor „Voldemort“? Müssen wir uns wirklich für unsere Körperbehaarung schämen? Wieso werden im Schulunterricht hauptsächlich männliche Autoren gelesen? Und warum sind die Geschlechterrollen bei Kinderspielzeug in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts stecken geblieben? In „Girlsplaining“ geht Katja Klengel diesen Fragen auf den Grund und schildert mit Humor und schonungsloser Offenheit ihre persönlichen Erfahrungen und vermeintlichen Unzulänglichkeiten – und was es für sie bedeutet, heute eine Frau zu sein.

Walthers Buchladen
Bismarckstraße 71
12157 Berlin-Steglitz
Eintritt: 5 EUR, 3 EUR ermäßigt
www.walthers-buchladen.de