Der Radfahrer von Ruschwedel

Wenn Patrick Wirbeleit nicht mehr weiter weiß, setzt er sich auf sein Rad – auch sein neues Buch Kiste – Fluchtmücken und Wetterzauber hat er sich auf niedersächsischen Radwegen ausgedacht. Ein Gespräch über Magie, Kaffee und den Kampf für Comics

Wanderweg_Reprodukt_blog

Patrick, du bist verheiratet, hast zwei Kinder, schreibst Kinderbücher und zeichnest Comics und hängst die meiste Zeit zu Hause rum. Wie finden deine Tochter und dein Sohn eigentlich, was du da so treibst?

Das beginnt schon bei der Frage: Wie finde ich das eigentlich? Bei uns Kreativen ist der Selbstzweifel und der Kampf mit dem eigenen Schaffen voll in den Alltag integriert, da mache ich mir schon manchmal Sorgen, dass ich Johanna und Mattis nicht gerade Spaß an meinem Beruf vermittele. Aber gerade Mattis ist ein Comic-Fan, er zeichnet sogar selbst welche. Und Kiste mag er auch.

Kein Wunder: Die Hauptfigur trägt ja auch seinen Vornamen.

Das war gar nicht so gedacht. Wenn ich noch keinen Namen für eine Figur habe, setze ich gern Familienmitglieder als Platzhalter ein. Aber Uwe Heidschötter, der Zeichner, hat auch die ganze Zeit mit dem Arbeitsnamen jongliert, und erst am Ende ist mir wirklich aufgefallen, dass ich völlig vergessen habe, dem Kind einen anderen Namen zu geben. Aber irgendwie passte Mattis dann ja auch.

9783943143973Der zweite Teil von Kiste spielt am Meer. Hast du eine besondere Beziehung zum Wasser?

Ja. Mein Vater wohnt in Cuxhaven, ich habe als Kind auch dort gelebt. Und finde das Meer seitdem ziemlich spannend. Gerade die Nordsee, die ja durchaus eine Neigung zur Dramatik hat – wenn man am dort Strand steht, kann man eine gewisse Bedrohung spüren.

Mattis und Kiste kommen ja auch in eine heikle Situation.

Genau: Ein Sturm zieht auf. Und dass kann brenzlig werden, das passiert einem an der Ostsee nicht so häufig. Aber die beiden retten sich in den nächsten Twist, den ich auf dem Zettel hatte.

Auf dem Zettel?

Ja, die komplette Geschichte passt bei mir immer stichwortartig auf einen Zettel. Das Bestechende an guten Geschichten ist, dass man sie kurz skizzieren kann, es braucht keine ellenlangen Exposés.

Wie lang hat es gedauert, bis die Story in deinem Kopf fertig war?

Die Länge einer Radfahrt von Harsefeld nach Ruschwedel.

Von wo nach wo?

Meinem Wohndorf Ruschwedel in die nächst größere Stadt namens Harsefeld, die liegen beide nahe der Elbe in Niedersachen, etwa vier Kilometer voneinander entfernt. Nach der Fahrt habe ich mich hingesetzt und die Grundidee aufgeschrieben. Erstaunlich ist, dass ich manchmal kleine Details hinkritzele, die für mich in dem Moment überhaupt keinen Sinn ergeben, am Ende aber zur Lösung beitragen.

Ist das Magie oder Unterbewusstsein?

Ich würde auf letzteres tippen. Vielleicht ist es aber auch nur Pragmatismus. Ich will schließlich nichts verschwenden, was ich mir irgendwann mal ausgedacht habe.

Und wenn die Lösung mal doch nicht auf dem Zettel steht?

Fahre ich wieder mit dem Fahrrad nach Harsefeld. Irgendwie fügen sich die Teile auf der Strecke dann auf eine Art zusammen, mit der ich selbst nicht rechne. Es ist, als ob mir jemand meine eigene Geschichte erzählt.

Belege_1und2_2innen1

Was machst du eigentlich immer in Harsefeld?

Meinem Job nachgehen: Ich setze mich in ein Café und denke mir Geschichten aus. Oft weiß ich nicht, wie eine Geschichte überhaupt losgeht, aber wenn ich in Harsefeld ankomme, habe ich garantiert die ersten 20 Sätze im Kopf.

Und die Charaktere.

Genau.

Apropos Charakter: Was für Typ ist Kiste?

Er ist das pure Kind-Ich, er will alles, und zwar sofort. Und er ist sehr jungenhaft – er denkt nämlich, dass er alles kann. Selbstüberschätzung ist eine sehr männliche Eigenschaft.

Ist so eine Kiste nicht überhaupt ein, sagen wir mal: sperriger Gegenstand für etwas, das man zum Leben erwecken will?

Ich konnte nichts dafür. Kiste existierte schon lange als Papierbox. Ich bastele ganz gern mal, und Kiste gab es einfach irgendwann. Eine Lektorin hat mich dann mal auf die Idee gebracht, die Kiste-Geschichte aufzuschreiben. Das habe ich auch gemacht und das Manuskript für einige Jahre in meinem Schreibtisch, äh, reifen lassen.

karton-foto

Und dann?

Wurde ich irgendwann gefragt, ob ich nicht eine Story für den Comic-Zeichner Uwe Heidschötter hätte. Hatte ich, und ich fand, das passte perfekt – Kiste mit seinem Bewegungsdrang braucht viele Bilder.

Du bist ein unermüdlicher Streiter für Comics für Kinder.

Und das ist auch bitter nötig. Irgendwie ist in den Köpfen der Eltern immer noch verankert, dass Comics keine vernünftigen Bücher sind. Und sie geben ihren Kindern stattdessen teils total öde Bücher, die ihnen die Lust am Lesen verderben. Das ist die Crux an Kinderbüchern: Da wird häufig der Fokus auf die Vermittlung von pädagogischen Inhalten gelegt und nicht auf Spaß. Und den kann man mit Comics einfach haben.

Wirst du weiterkämpfen?

Ich kann nicht anders.

mücken

u1_978-3-7373-5062-4Das Gespräch mit Patrick Wirbeleit führte Stephan Bartels. Wir bedanken uns herzlich! Hinweisen möchten wir zudem auf Patrick Wirbeleits unlängst bei Fischer/Sauerländer veröffentlichten Comic “Was zur Hölle?!”, den Patrick nicht nur geschrieben, sondern auch gezeichnet hat.

Jonas braucht Geld, und zwar dringend! Seine Eltern kann er nicht fragen, die haben selbst keins, und Nebenjobs sind rar. Eigentlich gibt es nur den einen: In der Hölle wird ein Aschefeger gesucht. Ja, das ist genauso mies, wie es klingt – und die Kollegen sind auch nicht gerade die hellsten …

Nicht mehr lange…

Kinderland_Spine

… dann ist Gratis Comic Tag 2014 – und der neue Mawil erscheint (endlich)!

Kinderland_Front

So sieht “Kinderland” dann aus, von vorn…

Kinderland_Back

… und von hinten.

Und Mawil geht auf Tour! Die genauen Termine werden hier in Kürze bekannt gegeben. Zum Beispiel signiert er in Leipzig

GCT_2014_Reprodukt_Kinderland_cover_kleinSignierstunde: Mawil in Leipzig zum Gratis Comic Tag am 10. Mai 2014

Zum diesjährigen Gratis Comic Tag (Samstag, 10. Mai) erscheint mit “Kinderland” das neue Buch des Berliner Zeichners Mawil. Wer es antesten will: Das GCT-Heft von Reprodukt enthält 32 Seiten aus “Kinderland”, in denen man einen Einblick in das Leben des kleinen Mirco Watzke erhält.

Mawil wird am Gratis Comic Tag in der Buchhandlung Lehmanns in Leipzig anzutreffen sein und von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr “Kinderland” und das dazugehörige Gratis Comic Tag-Heft signieren.

Lehmanns – Leipzig City, Grimmaische Straße 10, D-04109 Leipzig
www.lehmanns.de
Eintritt frei

 
… aber auch in Berlin, Erlangen, Köln, Stuttgart, Hamburg, Frankfurt, München oder Bremen wird er im Laufe des Jahres anzutreffen sein. Die Tour wird lang!

Paco Roca im Instituto Cervantes, München

ArrugasVom 22. Mai bis zum 21. Juni sind im Münchner Instituto Cervantes Originale des spanischen Comiczeichners Paco Roca (“Der Winter des Zeichners”) zu sehen. In der Ausstellung werden verschiedene Werke aus seinem Œuvre gezeigt – Skizzen, Illustrationen, Zeichnungen und vieles mehr.

Paco Roca wurde 1969 in Valencia geboren und hat sich von klein auf für Comics wie “Asterix” und “Tim und Struppi” begeistert. Nach seinem Kunststudium begann er eine berufliche Laufbahn in der Werbung. Im Herbst 2013 wurde sein mit mit dem “Premio Nacional del Cómic” ausgezeichnetes Buch “Kopf in den Wolken” auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Auf der Vernissage zur Ausstellung am Donnerstag, dem 22. Mai, wird es eine Vorführung der Zeichentrickfilmverfilmung von “Arrugas” geben – so der spanische Originaltitel von “Kopf in den Wolken”.

Instituto Cervantes, Alfons-Goppel-Strasse 7, D-80539 München
munich.cervantes.es
Öffnungszeiten: Mo-Do 10-18 Uhr, Fr 10-14 Uhr

Anke Feuchtenberger auf “La Repubblica”

Anke_Republicca

Im Herbst vergangenen Jahres waren Anke Feuchtenberger, Manuele Fior und Emmanuel Guibert im Rahmen eines Projekts des Goethe-Instituts und des Institut français Italia unter dem Titel “Europa in der Sprechblase” wechselseitig zu Gast in Berlin, Paris und Rom. Die Comics, die während der Aufenthalte entstanden sind, werden vom 16. April bis zum 10. Mai unter dem Titel “Berlino, Parigi, Roma” in Rom gezeigt – und online auf repubblica.it veröffentlicht.

MACRO Testaccio / La Pelanda, Piazza Orazio Giustiniani 4, Roma
Öffnungszeiten: Mo-Sa 18-22 Uhr, So 11-18 Uhr
www.europainunanuvoletta.eu

Pressestimmen – 12. April 2014

9783956400018“Stammkunden im Hotel der tausend Sterne” – Christoph Haas in der “taz” vom 12. April 2014

“Sowohl in erzählerischer wie in zeichnerischer Hinsicht verbinden sich in “Aya” Elemente unterschiedlicher Provenienz zu einem unterhaltsamen Ganzen.” – Christoph Haas, taz

Marc Boutavant im Frühjahr 2014

9783943143850

Gleich drei neue Comics des in seiner Heimat Frankreich vielumworbenen Kinderbuchillustrators Marc Boutavant sind dieser Tage im Druck: In “Marienkäfer suchen ein Zuhause” setzt er nach einem Szenario von Davide Cali den urkomischen Hausbesichtigungsmarathon eines Käferpaars in Szene.

Herr und Frau Tüpfelchen sind frisch verliebt. Nur ein gemeinsames Nest fehlt zu ihrem Glück. An der Seite des ausgebufften Maklers Herr Rüsselkäfer machen sie sich auf die Suche: ein modriger Pilz, ein Schneckenhaus, eine auf dem Fluss treibende Verschlusskappe, eine baufällige Sandburg, ein verlassener Kaninchenbau, eine loftartige zerbrochene Flasche… Ein Domizil ist aufregender als das andere, aber werden sie je ihr Traumhaus finden?

Die herrlichen Dialoge der kreuz und quer über die oppulenten Seiten hetzenden Insekten bleiben dank einer klaren Leseführung stets übersichtlich.

9783943143874Mouk geht auf Weltreise! Mit seinem roten Fahrrad geht’s von Lappland über Griechenland nach Asien, über Australien bis nach Amerika. Überall trifft der kleine Bär mit dem großen Kopf alte und neue Freunde, die ihm die lustigsten Dinge zeigen: Origami, schwimmende Inseln, Ingwerbonbons und surfende Kängurus. In dem Wimmelbild-Comic gibt es auf jeder Seite, an jeder Ecke was zu entdecken, sodass einmal Durchlesen nicht ausreicht. Zudem kann sich jeder mit den vielen bunten, dem Buch beiligenden Aufklebern, seine eigenen Abenteuer basteln.

Mit “Die große Reise des kleinen Mouk” hat Marc Boutavant einen Kinderbuch-Klassiker geschaffen, der sich nicht nur als Comic großer Beliebtheit erfreut. Und seit dem 19. Februar geht Mouks Weltreise weiter: als Fernsehserie auf KiKA.

9783956400025

Eigentlich ist es ganz einfach: Ariol ist ein Esel, sein bester Freund Ramono ist ein Schwein. Der eine ist blau, hat lange Ohren und trägt eine dicke Brille. Der andere ist rosa mit einem Rüssel wie eine Steckdose. Die beiden könnten ungleicher kaum sein, aber trotzdem sind sie Freunde. So gute Freunde, dass sich das Schwein manchmal Eseleien erlaubt und der Esel schon mal die eine oder andere Sauerei anrichtet…

Emmanuel Guibert und Marc Boutavant haben mit Ariol eine Figur geschaffen, mit der sich junge Leser wirklich identifizieren können. Auch in “Saugute Freunde”, dem dritten Band der Reihe, erzählen sie in kurzen, ebenso komischen wie treffenden Episoden aus dem Leben des kleinen blauen Esels und von seinen Freuden und Ängsten.

Espíritu Maligno & Vacuum

Wir freuen uns, dass auch in diesem Jahr eine ganze Reihe von Büchern unserer Autorinnen und Autoren in anderen Sprachen veröffentlicht werden.

Den Anfang machte “Böse Geister” von Peer Meter und Gerda Raidt, das dieser Tage unter dem Titel “Espíritu Maligno” beim traditionsreichen spanischen Verlag La Cupula erschienen ist.

Espi_ritu_Maligno

Weiter geht es im Mai mit der französischen Ausgabe von Lukas Jüligers eindrucksvollem Debüt “Vakuum”. Ungemein praktisch, dass Lukas seine Zelte zurzeit in Paris aufgeschlagen hat – so kann er die Veröffentlichung von “Vacuum” bei Rackham sicher in der einen oder anderen Form aktiv unterstützen.

61dNB8OWrcL

Weitere Veröffentlichungen z.B. in Frankreich sind für den Sommer und Herbst geplant. Wir sind gespannt.

Judith Vanistendael

Vanistendael_David_LetteringNo2 36

Michael-De-Cock-Judith-Vanistendael-Rosie-und-MoussaDerzeit erhält Judith Vanistendaels “Als David seine Stimme verlor” in unserer Herstellung den letzten Schliff. Das fertige Buch wird Ende Mai aus der Druckerei erwartet.

Bereits im Frühjahr 2013 ist bei Beltz & Gelberg mit “Rosie und Moussa” ein Jugendbuch mit charmanten Zeichnungen der flämischen Künstlerin nach Texten von Michael De Cock erschienen:

So ein Abenteuer! Eigentlich wollten Rosie und Moussa nur kurz aufs Dach, weil man von dort die ganze Stadt und bis zum Meer sehen kann. Doch die beiden werden aus Versehen ausgesperrt. Von ihrer Mutter aber weiß Rosie, dass es immer eine Lösung gibt, für alles … Anrührend und spannend und mit vielen Bildern erzählt – solch eine Geschichte über die Freundschaft zweier Großstadt-Kinder ist selten.

Ein Abend mit Nicolas Mahler

Mahler_Karte_whiteComicseite

Wie fühlt es sich an, als Comicautor in der Hochkultur anzukommen? Wie übersetzt man Thomas Bernhard und Robert Musil in Comicform? Und gibt es nicht mehr Überschneidungen zwischen Franz Kafka und “Fix und Foxi”-Erfinder Rolf Kauka, als man zunächst annehmen mag?

“Franz Kafkas nonstop Lachmaschine” ist bereits der vierte Band mit autobiografischen Anekdoten aus Nicolas Mahlers Zeichneralltag. Im Mittelpunkt stehen diesmal seine Literaturadaptionen “Alte Meister” und jüngst “Der Mann ohne Eigenschaften”, die im Suhrkamp Verlag veröffentlicht wurden, und den Wiener Zeichner zum Gegenstand von Debatten über die literarischen Qualitäten von Comics machten.

Zusammen mit dem “Die Presse”-Redakteur Christoph Huber (der übrigens einen Gastauftritt in “Franz Kafkas nonstop Lachmaschine” absolviert) stellt er am Donnerstag, dem 24. April ab 19 Uhr in der Wiener Thalia-Filiale in der Mariahilferstraße sein neuestes Buch vor und spricht über die Tücken und Absurditäten des Literaturbetriebs.

Thalia Mariahilfstraße, Mariahilferstr. 99 8, A-1060 Wien
www.thalia.de
Eintritt frei