Blog Annemarie Klimke am 4. Dezember 2017

4. Adventstürchen: Interview mit Antonia Kühn

Adventszeit bei Reprodukt

9783956401473Dank der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) in Hamburg und der langjährigen Lehrtätigkeit von Anke Feuchtenberger hat sich die Hansestadt in den letzten Jahren als Hafen für Nachwuchstalente in Sachen Comic und Illustration etabliert. Auch die Hamburger Illustratorin Antonia Kühn hat sich an der HAW ihre ersten Sporen verdient. Ihr erstes umfangreiches Projekt “Lichtung” wird im Mai 2018 herauskommen. In flächigen Bleistiftzeichnungen – stilistisch irgendwo zwischen Erich Ohser (“Vater und Sohn”) und Anke Feuchtenberger anzusiedeln – erzählt sie eine berührende Geschichte über Familie, Trauer und Erinnerung.

Für das 4. Adventstürchen haben wir ein Interview mit Antonia Kühn vorbereitet. Viel Spaß beim Lesen!

Antonia, “Lichtung” ist Dein erster Comic. Was hast Du davor gemacht? Wie kamst Du auf die Idee für diesen Comic?
Auftakt für “Lichtung” war eine Schachtel mit Fotos und einigen Dokumenten, die mir beim Begräbnis meines Großonkels überreicht wurde. Da ich bis zu diesem Zeitpunkt kaum Familienbilder gesehen hatte, kam bei mir ein sehr spannender Prozess ins Rollen.

Wo fängt die eigene Geschichte an und wer gestaltet sie eigentlich mit? Dabei interessiert mich nicht die Rekonstruktion von Wahrheit, vielmehr die Aufdeckung der Entstehung von eigenen Wahrheiten. Es gibt ja auch Familien, die das regelrecht zelebrieren mit Stammbaum und unzähligen Fotoalben oder Videos. In meiner Familie existiert kein einziges Album.

Davor habe ich einige kurze Geschichten für Magazine gezeichnet. Das erste längere Comic war ein Heftchen namens “Radbodz” und ist im Studium bei Anke Feuchtenberger entstanden.

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Erinnerungsstücke wie das Mobile über dem Kinderbett  und das Träumen sind Leitmotive in ”Lichtung”. Wie findest Du zu den Bildern und Symbolen, die Du zum Erzählen verwendest? Hattest du früher auch ein Mobile?

Ich hatte früher kein Mobile, aber ich habe meinem Sohn eins zur Geburt gebastelt, dabei kam ich übrigens auch auf die Idee für mein Buch. So entstehen diese Bilder meist irgendwo zwischendurch, beim Spazieren oder Schlafen, in den Lücken. Plötzlich passt da was zusammen und ich schreibe es mir dann auf. Später zeigt sich beim Zeichnen, ob das funktionieren könnte.

Erzähl uns etwas über Deine Arbeitsweise. Wie sieht Dein Arbeitsalltag aus?

Meistens setze ich mich am Abend nochmal in Ruhe an den Tisch und schreibe meine kleinen Beobachtungen und vermeintlichen Erkenntnisse auf. Vieles zerfällt dann schon zu Staub. Manchmal taugt was davon und ich kann dazu Bilder entwickeln. Vielleicht wächst aus dem einen oder anderen dann sogar eine Geschichte.

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Und, bist Du schon in Weihnachtsstimmung? Was gefällt Dir am meisten an der Vorweihnachtszeit?

Ehrlich gesagt kann ich mit Weihnachten nicht viel anfangen. Kurz nach Weihnachten, zwischen den Jahren gefällt es mir dann richtig gut. Wenn nichts mehr passiert und alle nur noch aufs neue Jahr warten. Das könnte von mir aus auf drei Wochen ausgedehnt werden.

Vielen Dank Antonia Kühn für das tolle Interview!